Sport

DFB-Shootingstar

Generation Gwinn

Sie überzeugt auf dem Fußballfeld, erobert die sozialen Netzwerke: Giulia Gwinn ist der neue Star im DFB-Team. Über den steilen Aufstieg der vielleicht abgeklärtesten 19-Jährigen der Welt.

Xu Zijian/ XinHua/ DPA
Aus Rennes berichtet
Donnerstag, 27.06.2019   12:08 Uhr

Auf Pressekonferenzen mit zwei Spielerinnen entsteht manchmal eine unangenehme Stille. Dann, wenn nicht klar ist, an wen die Frage gerichtet ist. So ist das auch an diesem Nachmittag, als die 19-jährige Giulia Gwinn und die ein Jahr jüngere Klara Bühl auf dem Podium sitzen. Bühl schaut Gwinn immer wieder mal an, antworte du bitte, soll das bedeuten, und je länger der Termin dauert, desto häufiger antwortet Gwinn ohne den Blickkontakt. Am Ende spricht fast nur noch sie, und sie wirkt neben ihrer kaum jüngeren Teamkollegin wie der abgeklärteste Teenager der Welt.

An Giulia Gwinn lässt sich gerade besonders gut ablesen, was diese Fußball-Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in Frankreich auszeichnet. Dieses Team war vor drei Wochen mit 15 WM-Debütantinnen ins Turnier gestartet, hatte nervöse Auftritte gegen China und Spanien hingelegt, hat sich reingekämpft und hofft im Viertelfinale am Samstag gegen Schweden (18.30 Uhr, TV: Das Erste; Liveticker SPIEGEL ONLINE) auf den Einzug ins Halbfinale. Dann wird es auch wieder auf die künftige Spielerin des FC Bayern ankommen.

Die drei Toptalente

Gwinn war mit acht Länderspielen angereist und eine dieser vielen Debütantinnen. Aber nach vier Partien in Frankreich kann man festhalten: Sie ist zu einer festen Größe des Teams aufgestiegen. Gwinn verpasste bisher keine Minute auf dem Spielfeld, erzielte das wichtige erste deutsche Turniertor und bereitete einen weiteren Treffer gegen Südafrika vor. Gwinn ist Stammspielerin, auch Bühl oder das ebenso junge Supertalent Lena Oberdorf, 17, bekommen ihre Einsatzminuten, sie alle sind wichtig für den Teamerfolg. Ob sie überrascht ist von dieser Entwicklung? "Wir haben uns im Training gezeigt, deswegen hat sich die Bundestrainerin für uns entschieden. Ich hoffe, das bleibt so", sagt Gwinn und sie klingt dabei so schnörkellos, wie sie auf dem Spielfeld auftritt.

Gwinn ist auf beiden Seiten vielseitig einsetzbar, was gut zur Spielidee von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg passt. Doch mittlerweile hat sich Gwinn als Rechtsverteidigerin festgespielt. Diese Position passt zu ihr: Sie ist laufstark und schaltet sich permanent mit in die Offensive ein; sie gewinnt in der Defensive wichtige Zweikämpfe und ist einer der Gründe, warum Deutschland als einziges Team noch ohne Gegentor ist. Gwinn kann auch kämpferisch, wenn nötig (und es wurde nötig, weil mit dem Ausfall von Superstar Dzsenifer Marozsán dem deutschen Spiel die Leichtigkeit abhandengekommen war).

Doch Gwinn fällt derzeit nicht nur auf dem Fußballfeld auf. Sie erobert gerade Tausende Fans in den sozialen Netzwerken: Sie war mit knapp 10.000 Followern ins Turnier gestartet, mittlerweile folgen ihr bei Instagram über 115.000 Fans. Keine andere im deutschen Team hat auch nur einen vergleichbaren Sprung gemacht. Warum das wichtig ist? Weil Follower gerade für Randsportler zu einer wichtigen Währung geworden sind, und der Fußball der Frauen dürfte nach der WM und im Bundesligaalltag wohl wieder stärker in den Schatten rücken. Wenn die Kameras der TV-Sender wieder ausgehen.

Über die Gehälter von Bundesligaspielerinnen ist viel geredet worden, Gwinn dürfte mit ihrem Wechsel vom SC Freiburg nach München finanziell kaum ausgedient haben. Aber wer viele Menschen über seine persönlichen Netzwerke erreicht, ist für Werbepartner attraktiv. Hier bleibt das Rampenlicht stets an. Diese WM ist am Ende eine Chance, um persönlich auf sich aufmerksam zu machen. Gwinn nutzt derzeit diese Chance.

Was zählt, ist auf dem Platz

"Ich poste gerne Fotos auf Instagram", sagt Gwinn, aber sie ergänzt auch schnell: "Doch das ist eine Nebensache. Der Fokus liegt auf dem Fußball." Man kann bei ihr immer wieder raushören, dass sie als Fußballerin wahrgenommen werden will. Als in einer Frage der provokante Zusatz auftaucht, ob ihre und die Generation ihrer jungen Teamkolleginnen denn auch für etwas anderes steht als "Bilder posten", weicht sie der Frage aus. Sie reagiert gar nicht erst auf die Spitze, Gwinn sagt aber auch nicht, für was die Generation denn nun steht.

Vielleicht ist das auch die beste Antwort, die sie in diesem Moment geben kann. Wenn man Bühl, Gwinn und Oberdorf miteinander vergleicht, verbindet sie zwar das junge Alter, in eine Schublade passen sie deswegen nicht. Während Gwinn die aktuelle Aufmerksamkeit um ihre Person als "Ausdruck von Wertschätzung" genießt, wirkt Bühl noch deutlich zurückhaltender, Oberdorf sehr bodenständig. Gwinn ist gerade eher ihre eigene Generation: die Generation Gwinn. Aber es gibt eben auch die Generation Bühl, die Generation Oberdorf.

Mehr zum schwedischen Team

Und diese Generationen wird das DFB-Team in Zukunft brauchen. Der Erfolg dieser Auswahl misst sich zwar zuerst an den sportlichen Ergebnissen, aber das Team braucht auch Gesichter, Identifikationsfiguren, Namen. Vor der WM hieß es in dem viel umjubelten Werbespot des Teams, man spiele für eine Nation, "die unsere Namen nicht kennt". Giulia Gwinn arbeitet daran, dass sich das ändert. Aber nicht nur sie, das ganze Team. Bislang ist die DFB-Auswahl erfolgreich, weil die Mannschaft als Einheit funktioniert. Das dürfte am Samstag gegen Schweden erneut deutlich werden.

insgesamt 9 Beiträge
www-professor 27.06.2019
1. noch nachgetragen:
dieser Frauen-SC aus Freiburg war dieses Jahr im deutschen Pokalfinale. Also eine Gurkentruppe scheint das nicht zu sein.
dieser Frauen-SC aus Freiburg war dieses Jahr im deutschen Pokalfinale. Also eine Gurkentruppe scheint das nicht zu sein.
Papazaca 27.06.2019
2. Noch nachgetragen (2):
Die Frau ist nicht nur jung, kann sich ausdrücken, spielt überzeugend sondern sieht auch sehr gut aus und ist sympathisch. Kann man doch mal erwähnen, oder?
Die Frau ist nicht nur jung, kann sich ausdrücken, spielt überzeugend sondern sieht auch sehr gut aus und ist sympathisch. Kann man doch mal erwähnen, oder?
humble_opinion 27.06.2019
3.
Passen Sie bloß auf, was Sie schreiben! Der nächste Troll ist keine 10 Minuten entfernt, der Sie zurechtstutzt, dass Ihre Bemerkung aufs Äußere abzielt, sexistisch sei und die Spielerin zum Objekt degradiere. ;-) Keine [...]
Zitat von PapazacaDie Frau ist nicht nur jung, kann sich ausdrücken, spielt überzeugend sondern sieht auch sehr gut aus und ist sympathisch. Kann man doch mal erwähnen, oder?
Passen Sie bloß auf, was Sie schreiben! Der nächste Troll ist keine 10 Minuten entfernt, der Sie zurechtstutzt, dass Ihre Bemerkung aufs Äußere abzielt, sexistisch sei und die Spielerin zum Objekt degradiere. ;-) Keine leichten Zeiten für unsereinen, der eine junge Frau ohne böse Hintergedanken vielleicht einfach nur süß, attraktiv oder liebenswert findet. Seufz. Was mir bei Gwinn besonders gut gefällt ist ihre Positionstreue auf dem Spielfeld. Immer in Bewegung, je nach Situation im Vorwärts- oder Rückwärtsgang und damit fast jederzeit anspielbar. Dazu gradlinig in ihren Aktionen, zweikampfstark und schießen kann sie auch = verwertbare Flanken oder Torgefahr. Man merkt der Mann-/Frauschaft an, dass sie echten Teamgeist hat. Auf und neben dem Platz. Das macht sympathisch und man kann sich mitfreuen oder mitleiden. Das Sahnehäubchen obendrauf sind für mich - obwohl mir die massive Werbeflut heutzutage tierisch auf den Nerv geht - die selbstironischen Spots für die Commerzbank. Macht einfach alles gute Laune.
dernameistprogramm 27.06.2019
4. Das wird mann ja wohl noch sagen dürfen!!
Versuchen Sie es mal mit De-Kontextualisierung und stellen sich vor, dieser Artikel sei bspw. Mario Götze gewidmet. Glauben Sie wirklich und ernsthaft, dass irgendjemand schreiben würde, dass Götze "auch noch sehr gut [...]
Zitat von PapazacaDie Frau ist nicht nur jung, kann sich ausdrücken, spielt überzeugend sondern sieht auch sehr gut aus und ist sympathisch. Kann man doch mal erwähnen, oder?
Versuchen Sie es mal mit De-Kontextualisierung und stellen sich vor, dieser Artikel sei bspw. Mario Götze gewidmet. Glauben Sie wirklich und ernsthaft, dass irgendjemand schreiben würde, dass Götze "auch noch sehr gut aussieht"? Zudem: woher wissen Sie, dass sie sympathisch ist? Zum Artikel an sich: für mich zu sehr durch die nationale Brille geschaut, es gibt weitaus meines Erachtens (und auch basierend auf opta) u.A. technisch, taktisch und spielerisch begabterer Spielerinnen.
Papazaca 27.06.2019
5. Meine Meinung: Tabu's einer verkorksten Gesellschaft
Wenn ich eine Frau wäre - was ich nicht bin - und ein Fußballspieler würde mir äußerlich gefallen, könnte ich mir vorstellen, das auch zu schreiben. Eine bekannte Foristin hat das hinsichtlich des Bayern-Trainer Kovac [...]
Zitat von dernameistprogrammVersuchen Sie es mal mit De-Kontextualisierung und stellen sich vor, dieser Artikel sei bspw. Mario Götze gewidmet. Glauben Sie wirklich und ernsthaft, dass irgendjemand schreiben würde, dass Götze "auch noch sehr gut aussieht"? Zudem: woher wissen Sie, dass sie sympathisch ist? Zum Artikel an sich: für mich zu sehr durch die nationale Brille geschaut, es gibt weitaus meines Erachtens (und auch basierend auf opta) u.A. technisch, taktisch und spielerisch begabterer Spielerinnen.
Wenn ich eine Frau wäre - was ich nicht bin - und ein Fußballspieler würde mir äußerlich gefallen, könnte ich mir vorstellen, das auch zu schreiben. Eine bekannte Foristin hat das hinsichtlich des Bayern-Trainer Kovac auch gemacht. Ist das jetzt Sexismus? Und wenn jemand findet, das jemand gut aussieht oder sympathisch rüberkommt (siehe auch der Artikel) ist das natürlich subjektiv. Und darf man keine Meinung haben? Es gibt noch ein weiteres Problem: Wenn ich zum Beispiel bemerke, das Hummels gut aussieht, muß ich sofort daran denken, das einige meinen, ich wäre schwul. Ganz ehrlich, sind das keine Beispiel für eine verkorkste Gesellschaft, voller Tabus? Und, "sorry to say", vielen Dank für Ihr anschauliches Beispiel.

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