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Fußball-WM

Niederlande besiegen Japan dank Handelfmeter in der Schlussphase

Bei ihrer zweiten WM-Teilnahme stehen die Niederländerinnen in der Runde der letzten Acht. Für Japan nahm das Turnier durch einen späten Strafstoß ein bitteres Ende.

Richard Heathcote / Getty Images

Lieke Martens (links) erzielte beide Treffer gegen Japan

Dienstag, 25.06.2019   22:56 Uhr

Die Niederlande haben zum ersten Mal das Viertelfinale erreicht. In einem Spiel auf Augenhöhe hatte Japan in den letzten Minuten viele Torchancen - dann wurde Kapitänin Saki Kumagai im Strafraum der Ball an den Arm geschossen und es gab Handelfmeter für die Niederländerinnen. Lieke Martens vom FC Barcelona verwandelte sicher und beförderte ihr Team mit ihrem zweiten Tor des Abends ins Viertelfinale (90. Minute).

Dort trifft der Europameister am Samstag (15 Uhr, Liveticker: SPIEGEL ONLINE) auf Italien, das zuvor 2:0 (1:0) gegen China gewonnen hatte. Bis auf die USA haben es bei der WM in Frankreich nur europäische Teams unter die letzten Acht geschafft.

Über die linke Seite mit Martens wurden die Niederlande schon in der 5. Minute gefährlich. Nach einer Martens-Flanke zu Vivianne Miedema probierte es die Mittelstürmerin per Volleyabnahme, der Ball wurde aber von Aya Sameshima geblockt.

Rund zehn Minuten später erzielte Martens die Führung selbst und zeigte dabei ihre Weltklasse: Nach einem flach ausgeführten Eckball zum kurzen Pfosten beförderte die Weltfußballerin von 2017 den Ball mit der Hacke durch die Beine von Yuika Sugasawa ins Tor (16.). Die Japanerin fälschte den Ball noch unhaltbar für Torhüterin Ayaka Yamashita mit der Wade ab.

Der frühe Rückstand ließ den Vizeweltmeister nicht verzagen: Nur wenige Minuten nach dem Gegentreffer verhinderte der Pfosten das 1:1 durch Sugasawa (20.). Kurz vor Halbzeitpause fiel das Ausgleich: Mana Iwabuchi ließ am Strafraumrand erst eine Gegenspielerin mit einem Haken aussteigen und steckte dann mit einem perfekt getimten Pass auf Yui Hasegawa durch, die den Ball an Torhüterin Sari van Veenendaal vorbei in den rechten Winkel hob (43.).

Japan vergibt Chancen im Minutentakt

Im zweiten Durchgang entwickelte sich eine ausgeglichene Partie mit ausgesprochen wenigen Torszenen - bis zur 71. Minute. Dann begann eine Druckphase der Japanerinnen, im Minutentakt kam das Team zum Abschluss.

Erst legte Iwabuchi mit der Hacke für Hasegawa ab, deren Schlenzer ins lange Eck das Tor nur um Zentimeter verfehlte (71.). Kurz darauf kam die auffällige Iwabuchi selbst zum Abschluss, aus spitzem Winkel traf sie aber das Außennetz (76.). Hina Sugita scheiterte an der Latte (79.) und die eingewechselte Yuka Mumiki an der niederländischen Torhüterin (81.), bevor Narumi Miura aus kurzer Distanz über das Tor schoss (82.).

Für die Japanerinnen endete das Spiel auf bittere Art und Weise: Aus einem halben Meter Entfernung schoss Miedema im japanischen Strafraum Kumagai den Ball an den Arm. Schiedsrichterin Melissa Borjas entschied auf Handelfmeter - und Martens ließ die Niederländerinnen jubeln (90.).

Niederlande - Japan 2:1 (1:1)
1:0 Martens (17.)
1:1 Hasegawa (43.)
2:1 Martens (90.)
Niederlande: van Veenendaal - van Lunteren, van der Gragt, Bloodworth, van Dongen (85. van Es) - Groenen, van de Donk (87. Roord), Spitse - van de Sanden (68. Beerensteyn), Miedema, Martens
Japan: Yamashita - Shimizu, Kumagai, Ichise, Sameshima - Miura, Sugita - Nakajima (72. Momiki), Hasegawa - Sugasawa, Iwabuchi (90.+1 Takarada)
Gelbe Karten: Kumagai
Schiedsrichterin: Melissa Borjas (Honduras)
Zuschauer: 21.000

Anmerkung: In einer früheren Version dieser Meldung hieß es, der entscheidende Elfmeter sei in der ersten Minute der Nachspielzeit ausgeführt worden. Tatsächlich fand er noch in der letzten Minute der regulären Spielzeit statt. Wir haben die entsprechenden Stellen korrigiert.

mrk

insgesamt 62 Beiträge
appenzella 25.06.2019
1. Das war kein Strafstoß, denn die
japanische Spielerin wurde angeschossen und am Oberarm getroffen. Sie drehte sich vom Ball weg. Die Hand und der Arm gingen nicht zum Ball, wie es in der Regel so schön heißt. Die bessere Mann/Frauenschaft wurde in einer [...]
japanische Spielerin wurde angeschossen und am Oberarm getroffen. Sie drehte sich vom Ball weg. Die Hand und der Arm gingen nicht zum Ball, wie es in der Regel so schön heißt. Die bessere Mann/Frauenschaft wurde in einer entscheidenden Phase des Spiels klar benachteiligt. Wie wohl eine afrikanische oder südamerikanische Mannschaft reagiert hätte?
wallabi 25.06.2019
2. Ich habe
den Begriff "mehr Glück als Verstand" zuletzt 2007 gebraucht, aber für dieses Spiel trifft es zu. Die armen Japanerinnen. Selten einen so unverdienten Sieger gesehen.
den Begriff "mehr Glück als Verstand" zuletzt 2007 gebraucht, aber für dieses Spiel trifft es zu. Die armen Japanerinnen. Selten einen so unverdienten Sieger gesehen.
Prussia Culé 25.06.2019
3. Neue Handregel entscheidet Spiel
Ich habe den Niederländerinnen die Daumen gedrückt, aber der Elfer war ein schlechter Scherz. Die neue Regelauslegung macht nichts besser, denn heute hat das dieses Spiel völlig unnötig entschieden. Kumagai wurde aus etwa [...]
Ich habe den Niederländerinnen die Daumen gedrückt, aber der Elfer war ein schlechter Scherz. Die neue Regelauslegung macht nichts besser, denn heute hat das dieses Spiel völlig unnötig entschieden. Kumagai wurde aus etwa einem Meter angeschossen - auch wenn die Arme nicht ganz am Körper waren. Das kann es doch auch nicht sein. Schon allein der Wortlaut ist absurd: "Ein Vergehen liegt in der Regel vor, wenn ein Spieler (...) seinen Körper aufgrund der Hand-/Armhaltung unnatürlich vergrößert". Unnatürliche Armhaltung. Im Sport, wo man sich bewegt. Hirnrissig. Die Japanerinnen können einem Leid tun, denn sie waren insgesamt etwas besser als die "Löwinnen" und werden so aus dem Turnier gekegelt. Hätte Miedema getroffen, dann wäre es zwar ebenso bitter gewesen zu verlieren, aber wenigstens würde kein fader Beigeschmack dabei sein und vielleicht das subtile Gefühl von Regelhütern betrogen worden zu sein.
wurstiwurstwurst 25.06.2019
4. Der wievielte...
Handelfmeter, der nach alten Regeln keiner wäre, war das jetzt eigentlich bei der WM? Das wird wohl das neue Ziel werden: 'Schießt an den Arm, nich aufs Tor'. Das ist doch alles albern und macht wirklich keinen Spaß. Die Frauen [...]
Handelfmeter, der nach alten Regeln keiner wäre, war das jetzt eigentlich bei der WM? Das wird wohl das neue Ziel werden: 'Schießt an den Arm, nich aufs Tor'. Das ist doch alles albern und macht wirklich keinen Spaß. Die Frauen WM macht ja schon Spaß, aber was da an Elfmetern gepfiffen wird ist echt nicht schön.
skeptikerjörg 25.06.2019
5. Den Seinen gibt's der Herr im Schlaf
Viel, viel Glück bringt das eindeutig schwächere Team weiter. Aber niemand hat je behauptet, Fußball sei gerecht. Die Japanerinnen können einem Leid tun. Kein absichtliches Handspiel, sie kann sich nur nicht schnell genug [...]
Viel, viel Glück bringt das eindeutig schwächere Team weiter. Aber niemand hat je behauptet, Fußball sei gerecht. Die Japanerinnen können einem Leid tun. Kein absichtliches Handspiel, sie kann sich nur nicht schnell genug wegdrehen und bekommt den Schuss an den Arm. Nach der neuen Regel Strafstoß, aber auch Beispiel dafür, dass die neue Regel nicht besser ist, als die alte. Den Oranjes wird es egal sein.

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