Sport

Sieg gegen England

USA ziehen ins WM-Finale ein

Ohne Superstar Megan Rapinoe haben die USA starke Engländerinnen besiegt. Weil ihre Vertreterin Christen Press den Job der Torjägerin übernahm - und der englische Elfmeter-Fluch anhielt.

Philippe Desmazes / AFP

Rapinoe-Vertreterin Christen Press (links) bejubelt ihren Führungstreffer

Dienstag, 02.07.2019   22:54 Uhr

Die USA stehen zum dritten Mal in Folge und zum fünften Mal insgesamt im Finale einer Weltmeisterschaft. Nach Gastgeber Frankreich haben sie im Halbfinale auch England besiegt. Dabei mussten sie beim 2:1 (2:1)-Erfolg mit viel englischer Gegenwehr leben.

Denn es lief wie so oft bei dieser WM für das englische Team: Wenn es wichtig wurde, war Ellen White da. Nach einem sehenswerten Pass von Keira Walsh erzielte sie in der 67. Minute den Ausgleich. Doch da sie minimal im Abseits stand, erkannte Schiedsrichterin Edina Alves Batista den Treffer wieder ab.

Die Angreiferin machte weiter und holte in der 79. Minute einen Elfmeter raus. Doch US-Keeperin Alyssa Naeher war in der richtigen Ecke und hielt den schwach geschossenen Ball von Mannschaftskapitänin Steph Houghton. Es war der dritte vergebene englische Elfmeter bei vier Versuchen.

Spätestens als Millie Bright in der 87. Minute mit Gelb-Rot des Feldes verwiesen wurde, war der englische Finaltraum vorbei. Die US-Defensive hielt stand.

Die Grundlage für den Halbfinalsieg hatten die US-Amerikanerinnen früh geschaffen, als sie die erste halbe Stunde dieser Partie dominierten und gleich zwei Treffer erzielten. Und das ohne ihre Starspielerin Megan Rapinoe, die überraschend nicht in der Startelf stand. Für sie startete Christen Press und machte sich schon früh daran, Rapinoes Rolle als Goalgetterin bestmöglich auszufüllen.

Rose Lavelle spielte einen langen Ball auf der rechten Seite auf Tobin Heath, die ihn jedoch einfach durchließ, so dass die durchstartende Rechtsverteidigerin Kelley O'Hara ihn bekam und flankte. Keine englische Spielerin kam an den Ball und Press konnte am langen Pfosten unbedrängt die Führung köpfen (10. Minute).

Völlig aus dem Nichts waren dann plötzlich die bis dahin komplett unterlegenen Engländerinnen da. Mit einem Diagonalball von der rechten Seite fand Keira Walsh die viel zu frei stehende Beth Mead. Die nutzte ihren Platz, um auf Ellen White zu flanken, die den Ball mit einem sehenswerten Finish ins lange Eck schoss (19.).

Doch die USA belohnten sich ein zweites Mal, als Lindsey Horan den Ball mit viel Gefühl zu Mittelstürmerin Alex Morgan chippte, die den Ball etwa vom Elfmeterpunkt aus mit einem wuchtigen Kopfball an Englands Torhüterin Carly Telford vorbeibrachte (32.). Es war der frühe Siegtreffer in dieser Partie.

Die USA stehen somit als erster Finalist fest. Auf wen das Team im Finale am Sonntag (17 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) in Lyon trifft, entscheidet sich im zweiten Halbfinale am Mittwoch zwischen den Niederlanden und Schweden (21 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE). Offen ist, ob Superstar Rapinoe dann wieder auf dem Platz stehen wird.

England - USA 1:2 (1:2)
0:1 Press (10.)
1:1 White (19.)
1:2 Morgan (32.)
England: Telford - Bronze, Houghton, Bright, Stokes - Walsh (71. Moore), Parris, Scott, Daly (89. Stanway), Mead (58. Kirby) - White
USA: Naeher - O'Hara (87. Krieger), Dahlkemper, Sauerbrunn, Dunn - Lavelle (65. Mewis), Ertz, Horan - Heath (80. Lloyd), Morgan, Press
Schiedsrichterin: Edina Alves Batista (Brasilien)
Gelbe Karten: - / Horan
Gelb-Rot: Bright

tip

insgesamt 11 Beiträge
VadidWyle 02.07.2019
1. Es ist wie es ist
Die Amerikanerinerinnen haben verdient gewonnen! Aber wer hat der Reporterin gesagt, dass sie einen Bildungsauftrag zu erfüllen hatte? Das Wort "antizipiert" fiel mehrfach - wer braucht solche Sprache im Fussball?
Die Amerikanerinerinnen haben verdient gewonnen! Aber wer hat der Reporterin gesagt, dass sie einen Bildungsauftrag zu erfüllen hatte? Das Wort "antizipiert" fiel mehrfach - wer braucht solche Sprache im Fussball?
im_ernst_56 02.07.2019
2. Cheer up, girls
Schade. Die Engländerinnen spielen einen tollen Fußball. Ihnen gehört die Zukunft. Nicht die spielerische bessere, sondern die physisch stärkere Mannschaft hat gewonnen. Bei dem als Abseits nicht gegeben Tor von Ellen White [...]
Schade. Die Engländerinnen spielen einen tollen Fußball. Ihnen gehört die Zukunft. Nicht die spielerische bessere, sondern die physisch stärkere Mannschaft hat gewonnen. Bei dem als Abseits nicht gegeben Tor von Ellen White ist der VAR wohl mit dem Geodreieck ran gegangen. Und dann der geschlechterübergreifende Elfmeter-Fluch der Engländer/innen. Cheer up, girls.
konterspieler 02.07.2019
3. Elfmeter sind nur dann ein "Fluch", wenn man sie nicht mit Wucht schiesst...
Bis heute hat noch kein Fussballexperte überzeugend erklären können, weshalb man Elfmeterschießen angeblich nicht trainieren kann. Ein Pianist von Weltklasse übt jeden Tag sechs bis acht Stunden, nur um die Tasten mit [...]
Bis heute hat noch kein Fussballexperte überzeugend erklären können, weshalb man Elfmeterschießen angeblich nicht trainieren kann. Ein Pianist von Weltklasse übt jeden Tag sechs bis acht Stunden, nur um die Tasten mit leichten Fingern so präzise treffen zu können, das die Noten optimal zum Klingen kommen. Und Elfmeterschießen auf ein ziemlich grosses Tor soll man nicht trainieren können? Es sind fast immer wieder dieselben Elfmeter die nicht reingehen: die schlapp, kraftlos und flach geschossenen. Im Tor schlagen dagegen fast immer Elfmeter ein, die in halber Höhe und mit voller Kraft geschossen werden. Und das soll man angeblich nicht trainieren können ...?
Barças Superstar 02.07.2019
4. Spannendes Match
Schade für England, aber sie hatten die verdiente Chance mit dem kniffeligen 11-Meter. Dennoch, die Fehlpassquote ist aber im Frauenfußball zu hoch, dafür spielen sie weniger mit verdeckten Fouls. Es scheint aber so zu sein, [...]
Schade für England, aber sie hatten die verdiente Chance mit dem kniffeligen 11-Meter. Dennoch, die Fehlpassquote ist aber im Frauenfußball zu hoch, dafür spielen sie weniger mit verdeckten Fouls. Es scheint aber so zu sein, dass es im internationalen Vergleich an Leistungsdichte fehlt. Bei den Männern kann der 25 auch mal den Ersten oder Zweiten schlagen, beim Frauenfußball kommt nach den Top 3 erst mal eine große Lücke. FRK, GER, NOR, JAP und SWD sind auf einem Niveau mit deutlichem Abstand zu USA, ENG und NDL.
rubraton 02.07.2019
5. herrliches Spiel ...
... sicherlich kein perfektes Spiel, aber so hätte ich mir die deutsche Mannschaft gewünscht. Pressing, Leidenschaft, Engagement, Kraft, läuferische Qualität und Zweikampfverhalten auf Augenhöhe. hätte persönlich nicht [...]
... sicherlich kein perfektes Spiel, aber so hätte ich mir die deutsche Mannschaft gewünscht. Pressing, Leidenschaft, Engagement, Kraft, läuferische Qualität und Zweikampfverhalten auf Augenhöhe. hätte persönlich nicht gedacht dass die Engländer so gut mit denen mal keiner mithalten können ... Hut ab, ich bin beeindruckt. Schade um den verschossenen Elfmeter denn noch mal richtig Spannung ins Spiel gebracht hätte. Erneut zeigen uns mal wieder (wie bei WM 2018) andere Mannschaften und Geschlechter wie man HEUTZUTAGE Fussball spielt.

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