Sport

Australischer Profi outet sich

"Ich will diese Lüge nicht mehr leben"

Als erster noch aktiver australischer Berufssportler spricht der Fußballprofi Andy Brennan offen über seine Homosexualität. Eine große Sache will der 26 Jahre alte Zweitligaspieler aber nicht daraus machen.

Robert Prezioso/ Getty Images

Andy Brennan

Mittwoch, 15.05.2019   08:59 Uhr

In Australien hat sich zum ersten Mal ein aktiver Profifußballer als homosexuell geoutet. Der 26 Jahre alte Andy Brennan, der früher beim Erstligaverein Newcastle Jets unter Vertrag war, bekennt sich nun offen zu seiner Homosexualität. Brennan ist heute bei Green Gully SC unter Vertrag, einem Zweitligaverein aus Melbourne.

In einem Beitrag für die Gewerkschaft Professional Footballers Australia (PFA) schrieb er: "Ich habe eine Weile gebraucht, bis ich verstanden habe, dass ich diese Lüge nicht länger leben kann. Dass ich glücklich sein will, so wie ich bin. Irgendwann muss man zur Kenntnis nehmen, dass man so ist. Und man sein muss, wer man ist." Und: "Es fühlt sich klasse an. Und merkwürdigerweise auch nicht, als ob das eine große Sache wäre. Das sollte es 2019 auch nicht sein."

In einem Instagram-Post schrieb Brennan darüber hinaus: "Ich habe Jahre gebraucht, bis es sich gut für mich angefühlt hat zu sagen: Ich bin schwul. Ich hatte Angst, es würde meine Freundschaften, meine Teamkollegen und meine Familie beeinträchtigen. Aber die Unterstützung der Menschen um mich herum war so großartig und hat mir geholfen, diesen letzten Schritt zu gehen."

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It’s taken me years to get comfortable saying this - I’m gay. I was scared it would affect my friendships, my teammates, and my family. But the support of the people around me has been so great and helped me get to the final step; being completely open. Being open is the best way for me to feel most comfortable and be myself. So… carry on! �� #owlyagoing

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Brennan ist der erste australische Berufssportler, der sich outet, während er noch aktiv ist. Andere homosexuelle Sportler wie der Schwimmer Ian Thorpe oder der Rugbyspieler Ian Roberts haben dies auch getan, aber erst nach dem Ende ihrer Karriere. In Deutschland ist der ehemalige Fußball-Nationalspieler und jetzige VfB Stuttgart-Sportvorstand Thomas Hitzlsperger das bekannteste Beispiel.

"Schwul zu sein im Sport und in der Kabine ist eine mentale Belastung gewesen, nicht zu wissen, wie die Leute um einen herum reagieren werden. Es war ein Druck, der mich aufgefressen hat", schrieb Brennan.

Vor einigen Tagen hatte es in Australien auch Berichte über ein Outing des Cricket-Profis James Faulkner gegeben. Der 29-Jährige stellte dann aber klar, dass einer seiner Instagram-Einträge, der ihn mit seinem "Boyfriend" beim Essen zeigte, falsch verstanden worden sei. "Ich bin nicht schwul", schrieb Faulkner. "Obwohl es großartig war, so viel Unterstützung aus und für die LBGT-Gemeinde zu bekommen." LGBT steht für lesbisch, schwul, bisexuell und Transgender.

In Australien hatte zuletzt der Fall von Israel Folau Aufsehen erregt. Der Rugby-Nationalspieler hatte Homosexuelle wiederholt verbal angegriffen. Ihm droht deshalb der Rauswurf aus dem Verband.

mey/dpa

insgesamt 5 Beiträge
hazelhoff78 15.05.2019
1. Bravo!
Mutiger Schritt! Im Fußball ist Outing immer noch ein Tabu-Thema! Immer wenn ich höre "das müssen die doch gar nicht öffentlich breit treten" denke ich mir. DOCH! Wenn ein Hummels, Götze oder Schweinsteiger [...]
Mutiger Schritt! Im Fußball ist Outing immer noch ein Tabu-Thema! Immer wenn ich höre "das müssen die doch gar nicht öffentlich breit treten" denke ich mir. DOCH! Wenn ein Hummels, Götze oder Schweinsteiger öffentlich groß mit seiner Model-Freundin posiert ist das auch absolut selbstverständlich!! Es muss auch im Profi(-männer)sport legitim sein, dass jemand sich mit seinem gleichgeschlechtlichen Partner zeigt und auch darüber reden darf!! HUT AB !!! Hoffe viele trauen sich, dem Beispiel nachzugehen :)
dasfred 15.05.2019
2. Meinen Glückwunsch
Ab jetzt ist seine Homosexualität ein PAL. Ein Problem anderer Leute. Er ist nun von einer Last befreit und sein Umfeld muss damit klar kommen. Was meistens gut funktioniert, weil sie ihn ja schon lange als Person kennen. Er [...]
Ab jetzt ist seine Homosexualität ein PAL. Ein Problem anderer Leute. Er ist nun von einer Last befreit und sein Umfeld muss damit klar kommen. Was meistens gut funktioniert, weil sie ihn ja schon lange als Person kennen. Er ändert sich ja nicht, außer, das er sicher noch fröhlicher wird.
Schartin Mulz 15.05.2019
3. Ich wünschte ja,
man würde irgendwann mal eine Erklärung für das Löschen eines Kommentars bekommen. Meine einzige Erklärung ist, dass Sie meinen Kommentar vollkommen missverstanden haben. Ich hatte es begrüßt, dass hier beim Thema [...]
man würde irgendwann mal eine Erklärung für das Löschen eines Kommentars bekommen. Meine einzige Erklärung ist, dass Sie meinen Kommentar vollkommen missverstanden haben. Ich hatte es begrüßt, dass hier beim Thema Homosexualität im Sport endlich etwas in Bewegung gerät, weil es anscheinend im Sport noch schwieriger ist, sich zu outen als in der kath. KIrche. Was bitte ist daran auszusetzen?
spiegelleserin7 15.05.2019
4. Ich habe immer
den Eindruck, dass die Sorge vermittelt wird, dass ein homosexueller Mann ALLE heterosexuellen seiner Umgebung bespringt. Bei einem heterosexuellen Mann geht man ja auch nicht davon aus, dass er ALLE Frauen begehrt und sie [...]
den Eindruck, dass die Sorge vermittelt wird, dass ein homosexueller Mann ALLE heterosexuellen seiner Umgebung bespringt. Bei einem heterosexuellen Mann geht man ja auch nicht davon aus, dass er ALLE Frauen begehrt und sie bespringen mag... Ein homosexueller Sportler mag, ebenso wie ein heterosexueller, auf dem Sportplatz seinem Sport nachgehen. Welche Rolle spielt dann die sexuelle Präferenz? Mit anderen Worten: es ist total egal, ob ein Fussballer, ein Bäcker, ein Polizist, ein Gärtner, ein Autoverkäufer etc. homosexuell ist. Wen die Menschen lieben und welches Geschlecht sie präferieren, ist dabei doch egal (solange alle Beteiligten Erwachsene sind). Ich würde mir für die Profisportler wünschen, dass die Meldung ihrer Homosexualität zu keiner Schlagzeile mehr führt, weil Homosexualität normal ist.
wiescheid 17.05.2019
5. Eine Nachricht wert?
Solange das noch eine Nachricht wert ist, weiß man, dass es in der Gesellschaft noch nicht als egal und gleichwertig angesehen wird. Schade!
Solange das noch eine Nachricht wert ist, weiß man, dass es in der Gesellschaft noch nicht als egal und gleichwertig angesehen wird. Schade!

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