Sport

Ex-Schalke-Spieler Boateng über Tönnies

"Ich weiß nicht, wie solche Sachen rausrutschen sollen"

Kevin-Prince Boateng geht hart mit seinem ehemaligen Vereinsboss Clemens Tönnies ins Gericht. Dieser habe für seine rassistischen Äußerungen über Afrikaner "die Rote Karte" verdient.

Michael Dalder/REUTERS

Kevin Prince Boateng (beim Pokalsieg mit Eintracht Frankfurt 2018)

Mittwoch, 11.09.2019   10:30 Uhr

Der ehemalige Schalke-Profi Kevin-Prince Boateng hat Aufsichtsratschef Clemens Tönnies kritisiert. Wegen seiner Äußerungen zu Afrika verdiene Tönnies "ganz klar die Rote Karte", sagte Boateng dem Magazin "Sport Bild".

"Ich weiß nicht, wie solche Sachen rausrutschen sollen", sagte der inzwischen in Florenz spielende Offensivspieler. Zu der dreimonatigen Pause, die sich Tönnies selbst auferlegt hat, sagte er: "Da hätte man ein anderes Zeichen setzen müssen. Die Möglichkeit war da, allen zu zeigen, dass so etwas nicht akzeptiert wird."

Boateng hatte von 2013 bis 2015 für den Bundesligisten gespielt. Tönnies hatte in einer Rede beim "Tag des Handwerks" in Paderborn gesagt, man solle jährlich 20 Kraftwerke in Afrika finanzieren: "Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenns dunkel ist, Kinder zu produzieren."

Rede vor der Uno gehalten

Der für diese verallgemeinernden Aussagen vielfach kritisierte Tönnies lässt sein Amt nach einer Entscheidung des Schalker Ehrenrates drei Monate ruhen. Die Ethikkommission des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hatte auf ein Verfahren gegen Tönnies verzichtet.

Boateng wurde bereits selbst Opfer von Rassismus. Als Spieler des AC Mailand waren er und andere schwarze Teamkollegen von Anhängern des unterklassigen Klubs Pro Patria beleidigt worden. Boateng schoss daraufhin den Ball in Richtung der Zuschauer, zog sein Trikot aus und verließ den Platz.

Seine Teamkollegen folgten dem Ghanaer, das Spiel wurde anschließend abgebrochen. Die Aktion sorgte für Aufsehen und Boateng bekam länderübergreifend viel Zuspruch. Boateng setzte sich mehrmals öffentlich gegen Rassismus ein und 2013 hielt vor der Uno eine Rede, in der er mehr Engagement gegen Rassismus einforderte.

bka/sid/dpa

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