Sport

Leroy Sanés Rückkehr nach Schalke

Zu Gast bei Freunden

Mit Manchester City in der alten Heimat: Im Champions-League-Achtelfinale begrüßten die Schalke-Fans Leroy Sané mit Applaus - dann traf er sie mitten ins Herz.

DPA

Leroy Sané

Aus Gelsenkirchen berichtet
Donnerstag, 21.02.2019   07:38 Uhr

Die Szene sah ein wenig komisch aus: Leroy Sané schaute zu Boden, hob die Hand nur zaghaft, eher entschuldigend als jubelnd. Auf seinem Rücken hing ein Manchester-City-Spieler, andere Teamkollegen kamen jubelnd auf ihn zu. Der deutsche Nationalspieler hatte gerade den Ausgleich zum 2:2 geschossen. Mit einem Traum-Freistoß in der 85. Minute, im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League.

Auf Schalke, seiner alten Heimat.

Sané hat gute Erinnerungen an die Königsblauen, deshalb wollte er seinen Treffer wohl nicht allzu überschwänglich feiern. Die Laune hatte er den mehr als 50.000 Schalke-Fans dennoch verdorben. Es war, als hätte jemand die Tonspur mit den S04-Anhängern einfach ausgeschaltet - plötzlich waren nur noch die englischen Fans zu hören.

"Es war sehr emotional"

Als Raheem Sterling kurz darauf sogar den 3:2-Siegtreffer erzielte, sprach ein junger Fan im Schalke-Trikot aus, was wohl viele im Stadion dachten: "So eine Scheiße!", brüllte er. Drei Auswärtstreffer von Manchester City - da wird ein Comeback für die Schalker im Rückspiel auf der Insel in drei Wochen sehr schwierig.

Wie lange er solche Freistöße eigentlich trainiere, wurde Sané nach dem Spiel gefragt. "Um ehrlich zu sein, ganz schön lange. Seit knapp zwei Jahren bin ich daran am Feilen", sagte er, seine Ruhrpott-Herkunft zeigte sich nun auch in der Rhetorik. "Es war sehr emotional für mich wieder zurückzukommen - in meine alte Heimat, wo alles begonnen hat."

Sané ist in Essen geboren, er durchlief die "Knappenschmiede", das Nachwuchsleistungszentrum der Schalker und feierte 2014 seine ersten Spiele und Tore für den Bundesligisten, bevor er zwei Jahre später nach Manchester wechselte. "Ich habe mich gefreut, vor diesen Fans spielen zu dürfen." Sané sprach von einer "klasse Atmosphäre" und davon, dass er "Gänsehaut" bekommen habe, als er die Unterstützung der Fans in der ersten Hälfte erlebte.

"Das Tor war unglaublich"

Auf diese Gefühle konnte er sich mit gutem Gewissen einlassen, schließlich hatte er zu diesem Zeitpunkt noch auf der Bank gesessen - Pep Guardiola verzichtete zunächst auf den deutschen Nationalspieler. Nach dem Einspielen hatte Sané viele seiner alten Kollegen begrüßt, er war von den Fans mit Applaus zur Bank begleitet worden, auch bei seiner späten Einwechslung feierten sie den Offensivspieler.

Fotostrecke

Manchester City in der Einzelkritik: Ausgerechnet Sané

Sanés stimmungsvolle Heimkehr (und vor allem sein Treffer) freute auch seinen Trainer. "Das Tor ist unglaublich. Am Ende macht die Qualität dieser Spieler den Unterschied in diesem Wettbewerb aus", sagte City-Coach Guardiola. "Das Resultat ist sehr gut." Wirklich zufrieden war der Spanier aber ganz und gar nicht mit dem Auftritt seiner Mannschaft - die ja lange am Rande einer Niederlage gestanden hatte.

Zwar hatte Sergio Agüero zunächst von einem Missverständnis zwischen Schalke-Keeper Ralf Fährmann und Innenverteidiger Salif Sané profitiert, doch dann geriet das (teilweise überragende, teilweise fehlerhafte) Spiel aus den Fugen. Zwei Elfmetertore durch Nabil Bentaleb (der erste Strafstoß wurde nach einer fast fünfminütigen Beratung mit dem Videoschiedsrichter gegeben) brachten Schalke in Führung.

Guardiola ist unzufrieden mit der Leistung seines Teams

Und viele Experten mussten sich eingestehen, dass es wohl nichts werden würde mit dem erwarteten Debakel für Schalke.

Als dann auch noch Nicolás Otamendi, der bereits den ersten Elfmeter verursacht hatte und dafür Gelb gesehen hatte, nach einem Foul mit Gelb-Rot vom Platz gestellt wurde, lag die Riesenüberraschung in der Luft. "Wir haben ihnen zwei Elfmeter und eine Rote Karte gegeben", sagte Guardiola: "Sie haben nicht viel gemacht und schießen zwei Tore." So etwas hätte auch das Ende bedeuten können, mit dieser Leistung, das ließ der Coach durchblicken, sei an einen Sieg in der Champions League nicht zu denken. "Wir müssen uns verbessern."

Die große Sensation war trotz der durchwachsenen Leistung Manchesters ausgeblieben - auch dank Sané, an dem Guardiola folgerichtig wenig zu meckern hatte. Für den 23-Jährigen war es der dritte Treffer in der laufenden Champions-League-Saison, in der Liga hat er acht Tore geschossen. "Man konnte sehen, was der Wille bewegen kann", sagte Sané noch nach dem Spiel: "Wir geben nie auf."

Schalke 04 - Manchester City 2:3 (2:1)
0:1 Aguero (18.)
1:1 Bentaleb (Handelfmeter 38.)
2:1 Bentaleb (Foulelfmeter 45.)
2:2 Leroy Sané (85.)
2:3 Sterling (90.)
Schalke: Fährmann - Bruma, Salif Sane, Nastasic - Caligiuri, Oczipka - Serdar, Bentaleb, McKennie (78. Skrzybski) - Uth (87. Harit), Mendyl (63. Burgstaller)
Manchester: Ederson - Walker, Fernandinho, Otamendi, Laporte - De Bruyne (87. Zinchenko), Gündogan, David Silva (69. Kompany) - Sterling, Agüero (78. Leroy Sané), Bernardo Silva.
Schiedsrichter: Del Cerro Grande (Spanien)
Zuschauer: 54.000
Gelbe Karten: Otamendi, Ederson, Fernandinho / Uth, Sané, Burgstaller
Gelb-rote Karte: Otamendi

insgesamt 11 Beiträge
spam4axel 21.02.2019
1. Die Pfeile ansetzen
Jaja, die Ruhrpottherkunft. Den ironischen Unterton sollte man sich vielleicht sparen, wenn man die Feile nicht von Pfeilen unterscheiden kann.
Jaja, die Ruhrpottherkunft. Den ironischen Unterton sollte man sich vielleicht sparen, wenn man die Feile nicht von Pfeilen unterscheiden kann.
nonsense_forever 21.02.2019
2. 2 geschenkte Tore und ein Platzverweis dazu
und es reicht trotzdem nicht.. Wieso wollte dieser sympathische Verein Leroy Sane eigentlich unbedingt loswerden? Aber gut für ihn, er hätte sich dort nie entwickeln können. Ja und die Anhängerschaft, mit ihrem in der [...]
und es reicht trotzdem nicht.. Wieso wollte dieser sympathische Verein Leroy Sane eigentlich unbedingt loswerden? Aber gut für ihn, er hätte sich dort nie entwickeln können. Ja und die Anhängerschaft, mit ihrem in der Kohlekultur tief verankerten Anspruch auf Wohlgefühl, mit Ewigkeitsgarantie. Das gehört zu den Altlasten der Region.
mima84_84 21.02.2019
3.
Was für ein Monster von einem Freistoß. Hut ab. Jetzt werden natürlich die Löw Basher wieder um die Ecke kommen - dieselben, die Sané dann wieder fertig machen werden, sollte er bei der Hymne nicht singen...
Was für ein Monster von einem Freistoß. Hut ab. Jetzt werden natürlich die Löw Basher wieder um die Ecke kommen - dieselben, die Sané dann wieder fertig machen werden, sollte er bei der Hymne nicht singen...
Aberlour A ' Bunadh 21.02.2019
4.
Er "feilt" an seiner Freistoßtechnik. Was ist daran nicht zu verstehen?
Zitat von spam4axelJaja, die Ruhrpottherkunft. Den ironischen Unterton sollte man sich vielleicht sparen, wenn man die Feile nicht von Pfeilen unterscheiden kann.
Er "feilt" an seiner Freistoßtechnik. Was ist daran nicht zu verstehen?
Benjamin Knaack (SPON-Redakteur) 21.02.2019
5. @Spam4Axel
Hallo lieber Nutzer, Sie haben natürlich recht mit Ihrem Hinweis. Wir haben den Rechtschreibfehler korrigiert. Viele Grüße Benjamin Knaack
Hallo lieber Nutzer, Sie haben natürlich recht mit Ihrem Hinweis. Wir haben den Rechtschreibfehler korrigiert. Viele Grüße Benjamin Knaack

Verwandte Themen

Sieger Uefa Champions League

Jahr Verein
2018 Real Madrid
2017 Real Madrid
2016 Real Madrid
2015 FC Barcelona
2014 Real Madrid
2013 FC Bayern München
2012 FC Chelsea
2011 FC Barcelona
2010 Inter Mailand
2009 FC Barcelona
2008 Manchester United
2007 AC Mailand
2006 FC Barcelona
2005 FC Liverpool
2004 FC Porto
2003 AC Mailand
2002 Real Madrid
2001 FC Bayern München
2000 Real Madrid
1999 Manchester United
1998 Real Madrid
1997 Borussia Dortmund
1996 Juventus Turin
1995 Ajax Amsterdam
1994 AC Mailand
1993 Olympique Marseille

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung

TOP