Sport

Brasiliens Superstar Marta

WM-Rekord geholt, Spiel verloren

16 Tore bei Weltmeisterschaften: Marta hat gegen Australien die Bestmarke von Miroslav Klose eingestellt. Brasilien verlor trotzdem. Diskussionen entfachte der entscheidende Treffer.

GUILLAUME HORCAJUELO/EPA-EFE/REX

Marta (l.): Brasilianische Miro Klose

Von und
Donnerstag, 13.06.2019   22:25 Uhr

Aufholjägerinnen: Die 38. Minute im Spiel gegen Brasilien war der bisherige Tiefpunkt der Australierinnen bei dieser WM. Brasiliens Tamires ließ ihre Gegenspielerin Emily Gielnik mit einem Tunnel schlecht aussehen und Sekunden später erzielte Cristiane ihr viertes Tor bei diesem Turnier - 2:0 für Brasilien, Australiens WM-Aus schien jetzt ganz nah. Dann kam die Aufholjagd. Das 1:2 fiel vor der Pause, später folgten der Ausgleich und das kuriose Siegtor zum 3:2 (dazu später mehr).

Ein Sieg nach einem 0:2-Rückstand hatte es in der Geschichte der Fußball-WM der Frauen bisher nur einmal gegeben: Schweden war 1995 gegen Deutschland das gleiche gelungen.

Ergebnis: 3:2 (1:2) hieß es am Ende. Hier geht es zum Spielbericht. Durch den Sieg hat Australien als Dritter weiter Chancen aufs Weiterkommen. Brasilien steht ebenfalls bei drei Punkten; das gilt auch für Italien, dessen Duell mit Jamaika (Letzter, null Punkte) aussteht.

Abseits oder nicht? Das war die Frage beim australischen Siegtor. Was war geschehen? Die 66. Minute, Australiens Alanna Kennedy drischt den Ball in Richtung brasilianischen Strafraum. Dort verlängert Monica ihn per Kopf ins eigene Tor. Zunächst wird der Treffer nicht gegeben, Australiens Sam Kerr hatte hinter Monica im Abseits gelauert. Doch nach Intervention des VAR zählt das Tor. Und das hinterließ einen Beigeschmack.

Augenscheinlich ging Monica nur deshalb zum Kopfball, weil sie Kerr in ihrem Rücken wusste. Und trotzdem war der Treffer laut Regelwerk regulär. Demnach hätte Kerr Monica unmittelbarer konkreter beeinflussen müssen, durch einen Zweikampf etwa, oder den Versuch, zum Ball zu gehen. Dass ihre Abseitsstellung allein der Auslöser der missglückten Abwehraktion war, genügte nicht. Der Treffer zählte zwar zu Recht. Er zeigte aber auch, dass das Regelwerk vielleicht nochmal überarbeitet werden sollte.

Und das war nicht der einzige Aufreger: Schon die Elfmeterentscheidung vor Martas 1:0 (27. Minute) war eine sehr harte. Da hatte Australiens Elise Kellond-Knight Gegenspielerin Letícia Santos touchiert. Der VAR ließ die Entscheidung gelten. In der zweiten Minute der Nachspielzeit hätte es dann wieder Strafstoß für Brasilien geben können, nachdem Steph Catley im Strafraum gegen Andressa klammerte und sie zu Fall brachte. Schiedsrichterin Esther Staubli aus der Schweiz aber ließ weiterlaufen.

WM-Rekord: Wenige Fußballerinnen haben ihren Sport in den vergangenen Jahren so geprägt wie Marta. In 146 Länderspielen traf sie 107-mal, eine beeindruckende Bilanz. Die 33-Jährige, die das Auftaktspiel gegen Jamaika noch verpasst hatte, feierte nun ihr Turnierdebüt - und erzielte vom Punkt ihren 16. Treffer bei einer Fußball-WM. Schon zuvor stand sie an der Spitze der besten WM-Torschützinnen - vor Deutschlands Birgit Prinz, die 14-mal traf.

Als sie nach dem Australien-Spiel vom ZDF interviewt wurde, tadelte sie den Moderator dafür, dass er diese herausragende Marke nicht thematisiert hatte. Sie sei doch jetzt genauso erfolgreich wie dessen Landsmann, Miroslav Klose, sagte sie und lachte. Tatsächlich: Marta und Klose, sie sind nun gemeinsam die erfolgreichsten Torjäger der WM-Geschichte. Gegen Australien hatte Marta übrigens nach der Pause keine Gelegenheit mehr, Klose zu überflügeln. Sie wurde zur Halbzeit ausgewechselt.

Serie gerissen: Brasiliens Fußballerinnen ist der WM-Titel bislang verwehrt geblieben, während der Gruppenphase aber sind sie seit Jahren unschlagbar gewesen. 14 Siege und zwei Remis gab es in den vergangenen 16 Partien. Letztmals verlor Brasilien ein WM-Vorrundenspiel im Jahr 1995. Gegner damals: Deutschland. Das Spiel endete 1:6, fürs DFB-Team traf damals eine 17-Jährige namens Birgit Prinz.

Australien - Brasilien 3:2 (1:2)
0:1 Marta (28. Foulelfmeter)
0:2 Cristiane (38.)
1:2 Foord (45.)
2:2 Logarzo (58.)
3:2 Monica (68. Eigentor)
Australien: Williams - Carpenter, Kennedy, Catley, Kellond-Knight - Yallop, van Egmond, Logarzo, Foord (90. Roestbakken), Gielnik (72. Raso) - Kerr
Brasilien: Bárbara - Letícia Santos, Kathellen, Monica, Tamires - Formiga (46. Luana), Debinha, Marta (46. Ludmila) , Thaisa, Andressa Alves - Cristiane (75. Beatriz)
Schiedsrichterin: Staubli (Schweiz)
Gelbe Karten: Formiga, Luana, Andressa Alves
Zuschauer: 17.032

insgesamt 10 Beiträge
huebif 13.06.2019
1. Warum dieses künstliche Zusammenpacken? ??
Manno, Marta hat mit 16 Toren einen eigenen Rekord unter den Frauen aufgestellt. Man vergleicht doch auch nicht die 100m Weltrekord Zeiten. .. oder will man hier jetzt allen Frauen die Rekorde aberkennen, weil sie laufen ja die [...]
Manno, Marta hat mit 16 Toren einen eigenen Rekord unter den Frauen aufgestellt. Man vergleicht doch auch nicht die 100m Weltrekord Zeiten. .. oder will man hier jetzt allen Frauen die Rekorde aberkennen, weil sie laufen ja die selbe Strecke. .. oder gobt es keine Frauen Hochsprung Rekorde mehr, weil selbst Landesmeister höher springen. .. Gleichmacherei ist meistens UNSINN!
fuzzyturtle 14.06.2019
2. Rekord in verschiedenen Sportarten vergleichbar?
Im Beitrag und von der brasilianischen Spielerin werden die Rekorde von M. Klose und eben dieser Spielerin verglichen. Kann man denn Rekorde in verschiedenen Sportarten vergleichen? Niemand käme auf die Idee [...]
Im Beitrag und von der brasilianischen Spielerin werden die Rekorde von M. Klose und eben dieser Spielerin verglichen. Kann man denn Rekorde in verschiedenen Sportarten vergleichen? Niemand käme auf die Idee Leichtathletikresultate und Zeiten im Herren-, und Frauenbereich gegeneinander aufzuwiegen. Einfach adsurd!
Lankoron 14.06.2019
3. Das Eigentor
ist zwar echt d**m gelaufen, aber: Die Australierin geht nicht aktiv zum Ball, behindert weder Torfrau noch Gegenspielerin, also ist es passives Abseits, und das Tor zählt. Warum man da rumjammern muss, anstatt den [...]
ist zwar echt d**m gelaufen, aber: Die Australierin geht nicht aktiv zum Ball, behindert weder Torfrau noch Gegenspielerin, also ist es passives Abseits, und das Tor zählt. Warum man da rumjammern muss, anstatt den BRasilianerinnen den Vorwurf zumachen, dass sie nicht konsequent gespielt haben, ist mir ein Rätsel.
5b- 14.06.2019
4. Marta hat nicht Kloses Rekord gebrochen.
Frauen spielen nicht mit Männern zusammen. Frauen und Männer spielen nicht nur in verschiedenen Mannschaften, diese Mannschaften spielen auch nicht gegeneinander. Frauen und Männer sind im Fußball komplett getrennt. Es hat [...]
Frauen spielen nicht mit Männern zusammen. Frauen und Männer spielen nicht nur in verschiedenen Mannschaften, diese Mannschaften spielen auch nicht gegeneinander. Frauen und Männer sind im Fußball komplett getrennt. Es hat nichts mit Geschlechterrollen zu tun. Es hängt vom physischen Geschlecht ab. Daher kann man auch nicht deren statistische Daten vermengen. Marta hat nicht Kloses Rekord gebrochen. Erst wenn Frauen und Männer in gemischten Mannschaften miteinander gegeneinander spielen, könnte man Männer und Frauen gemeinsam statistisch vergleichen. Natürlich kann man aus dem Bauch heraus Martas Rekord einfach als einen Rekord der Menschheit betrachten. Das wäre aber statistisch nicht richtig. Man könnte natürlich Vergleiche anstellen. Dabei müsste man wohl betrachten ob beim Frauen- und Männerfußball unterschiedlich viele Tore anfallen. Wenn es einen Unterschied gibt, könnte man den heraus rechnen und die Statistiken aus Interesse vergleichen. Das bliebe trotzdem nur ein Spaßvergleich weil Frauen und Männer im Fußball getrennt sind. Wer etwas dagegen hat, soll sich dafür einsetzen, dass beide Geschlechter gemeinsam spielen.
stefan.p1 14.06.2019
5. Wann begreift Spon eigentlich,
das die Rekorde die im Herren Fußball aufgestellt nicht mit denen des Frauenfußballs zu vergleichen sind. Vielleicht versuchen die Redakteure durch ihre provokanten Headlines mehr klicks auf die Berichte der Frauen WM zu [...]
das die Rekorde die im Herren Fußball aufgestellt nicht mit denen des Frauenfußballs zu vergleichen sind. Vielleicht versuchen die Redakteure durch ihre provokanten Headlines mehr klicks auf die Berichte der Frauen WM zu generieren, aber an Hand der Foren-Beiträge sieht man ja wie es ,selbst in der Spon-Leserschaft, um das Interesse zu diesem Thema bestellt ist.

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