Sport

US-Fußballstar Rapinoe

"Ich gehe nicht ins fu**in' Weiße Haus"

In den USA ist es Tradition: Wenn ein Sportteam einen großen Titel gewinnt, lädt der US-Präsident ein. Megan Rapinoe schloss einen Besuch kategorisch aus - und das ziemlich deutlich.

Bernadett Szabo / REUTERS

Megan Rapinoe: Torjubel im WM-Spiel gegen Spanien

Mittwoch, 26.06.2019   11:21 Uhr

US-Fußballstar Megan Rapinoe würde im Falle eines WM-Titels der USA eine mögliche Einladung ins Weiße Haus ausschlagen. "Ich gehe nicht ins verdammte Weiße Haus", sagt Rapinoe in einem Videoclip, den das Magazin "Eight by Eight" bei Twitter hochlud. Sie gehe davon aus, dass das Team ohnehin nicht eingeladen werde.

In den USA hat es Tradition, dass der Präsident Teams nach wichtigen Titelgewinnen im Weißen Haus empfängt. Dass das US-Fußballteam eine Einladung erhält, steht also längst nicht fest - aktuell steht es erst im Viertelfinale der WM und trifft dort am Freitag auf Gastgeber Frankreich (21 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE).

Allerdings gelten die USA als Topfavorit auf den Titel, auch dank Starspielerin Rapinoe. Die 33-Jährige hat bei bislang drei Einsätzen je drei Tore erzielt und vorbereitet. Auch Superstar Alex Morgan hatte angekündigt, im Falle eines WM-Siegs eine mögliche Einladung auszuschlagen. Ob das auch für andere Mitspielerinnen gilt, ist nicht bekannt.

Rapinoes Aussage kommt nicht überraschend, bereits in der Vergangenheit hatte sie sich ähnlich geäußert, wenn auch nicht so drastisch. Einen Besuch in Washington D.C. hatte sie dabei nicht ausgeschlossen, sondern explizit ein Treffen mit US-Präsident Donald Trump. Dem Magazin "Sports Illustrated" sagte sie vor der WM, der Präsident sei "offensichtlich gegen so viele Dinge, für die ich bin und die ich bin". Sie wolle ihm nicht die Plattform bieten, gemeinsam mit einem erfolgreichen US-Team aufzutreten.

Rapinoe war 2012 die erste US-Fußballerin, die sich öffentlich zu ihrer Homosexualität bekannte. Sie gilt als eines der wichtigsten Gesichter der LGBTQ-Bewegung und kämpfte gegen Vorurteile. Die Offensivspielerin solidarisierte sich mit US-Footballer Colin Kaepernick, der 2016 begann, während der Nationalhymne zu knien, um gegen die Diskriminierung von Schwarzen in den USA zu demonstrieren. Trump hatte Kaepernicks für dessen Knien als "Hurensohn" beschimpft, auch auf sein Wirken hin ist es in der NFL mittlerweile verboten, während der Hymne zu knien.

Auch Rapinoe kniete 2016, bis der US-Fußballverband Anfang 2017 seine Spieler und Spielerinnen dazu aufforderte, während der Nationalhymne "respektvoll zu stehen". Wenn seither vor einem Länderspiel die US-Hymne erklingt und ihre Mitspielerinnen singen, schweigt Rapinoe.

Dass Sportler Einladungen Trumps ausschlagen, ist nicht neu. 2018 hatte Trump den NFL-Meister Philadelphia Eagles wieder ausgeladen, weil eine Vielzahl von Spielern fernbleiben wollte. Auch die Stars des damaligen NBA-Champions Golden State Warriors bezogen in der Vergangenheit Stellung gegen Trump. In der Folge hatte der US-Präsident das Team aus dem Weißen Haus ausgeladen. Andere Mannschaften nehmen Einladungen nach wie vor an. Anfang des Jahres wurden die Clemson Tigers für ihre Meisterschaft im College Football geehrt.

Alle Spiele, Ergebnisse und Infos zur WM finden Sie hier.

mon

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