Sport

Stürmerstar Mohamed Salah

"Frauen haben mehr verdient, als wir ihnen derzeit geben"

Mo Salah ist in Ägypten ein Held - und er ist in der Liste der 100 einflussreichsten Menschen des "Time Magazin" vertreten. Diese Rolle nutzt der 26-Jährige, um auf Probleme in seiner Heimat aufmerksam zu machen.

Carl Recine / Action Images/ REUTERS

Mo Salah ist für Millionen Araber ein großes Vorbild

Donnerstag, 18.04.2019   10:18 Uhr

Der ägyptische Fußballstar Mohamed Salah vom FC Liverpool hat Männer aus seinem Heimatland aufgefordert, muslimische Frauen mit mehr Respekt zu behandeln. "Wir müssen den Umgang mit Frauen in unserer Kultur ändern. Daran führt kein Weg vorbei", sagte der Stürmer dem "Time Magazin".

"Ich unterstütze Frauen mehr als ich es zuvor getan habe", sagte Salah, der allerdings keine konkreten Aussagen hinsichtlich einer neuen Rolle der Frau im Islam machte: "Ich bin der Ansicht, dass Frauen mehr verdient haben, als wir ihnen derzeit geben."

Ägypten gilt als eines der gefährlichsten Länder der Welt für Frauen

Die ARD zitiert in einem aktuellen Bericht über die Stellung der Frau in Ägypten eine UN-Studie. Darin heißt es, 99,3 Prozent der Ägypterinnen haben sexuelle Belästigung und Gewalt erlebt, auch andere Studien nennen Zahlen von über 95 Prozent. Noch immer ist Genitalverstümmelung ein großes Problem in Ägypten, lesen Sie hier einen Text über die blutige Tradition. Ägypten gilt damit als eines der gefährlichsten Länder der Welt für Frauen.

Weiter heißt es in dem ARD-Bericht, dass wichtige Berufe weiter Männern vorbehalten seien. Im aktuellen Parlament würde der Frauenanteil bei zwei Prozent liegen.

Für Millionen Araber und Muslime ist Salah einer der größten Helden dieser Zeit. Das liegt vor allem an seinen sportlichen Erfolgen: Der Stürmer hatte die ägyptische Nationalelf im vergangenen Jahr zur WM nach Russland geführt - erstmals seit 28 Jahren war Ägypten wieder für eine Endrunde qualifiziert. Mit dem FC Liverpool aus der englischen Premier League steht er aktuell im Halbfinale der Champions League, 2018 scheiterte er mit dem Team und Trainer Jürgen Klopp erst im Finale gegen Real Madrid.

AP

Mo Salah als Wandgemälde an einem Haus in Ägypten

Der 26-Jährige wird auch verehrt, weil er es in die Weltspitze geschafft hat, ohne von seiner familiären Herkunft profitiert zu haben. Lesen Sie hier einen Hintergrundartikel zum Stellenwert Salahs.

Dem "Time Magazin" sagte Salah, er verspüre einen "kleinen Druck" in seiner Rolle als Vorbild, er sei aber auch "stolz" darauf und sie sei Antrieb, ein besserer Fußballspieler zu werden. Salah gehört aktuell zu den besten Stürmern der Welt: Für Ägyptens Nationalauswahl traf er in 62 Spielen 39-mal. In der Premier League schoss er 53 Tore in 83 Spielen. Im Januar wurde er zum zweiten Mal als bester Fußballer Afrikas ausgezeichnet.

Dass er einer der Superstars im Weltfußball ist, habe seinen Lebensstil nicht verändert, sagte Salah in dem Interview. "Ich lebe einfach ein normales Leben. Meistens bleibe ich zu Hause und gehe nicht gerne aus." Am liebsten verbringe er nach den Spielen Zeit mit seiner fünf Jahre alten Tochter.

Salah wird im "Time Magazin" als einer der 100 einflussreichsten Menschen der Welt genannt.

jan

insgesamt 2 Beiträge
argonaut-10 18.04.2019
1. gut
dass er das macht und seine Popularität einsetzt. Das wirkt oft mehr, als jede politische oder religiöse Indoktrination.
dass er das macht und seine Popularität einsetzt. Das wirkt oft mehr, als jede politische oder religiöse Indoktrination.
jean-baptiste-perrier 18.04.2019
2. Wieviel Geduld kann man aufbringen?
Kultureller Wandel vollzieht sich signifikant in anderen Zeiteinheiten als man sich gemeinhin wünscht. Zur Erinnerung im deutschen Kulturraum: Bis 1976 brauchten Ehefrauen in der BRD die Zustimmung ihres Ehemannes, wenn sie einen [...]
Kultureller Wandel vollzieht sich signifikant in anderen Zeiteinheiten als man sich gemeinhin wünscht. Zur Erinnerung im deutschen Kulturraum: Bis 1976 brauchten Ehefrauen in der BRD die Zustimmung ihres Ehemannes, wenn sie einen Beruf ausüben wollten. Im schweizerischen Kanton Appenzell wurde erst 1990 das Frauenstimmrecht auf Kantonsebene praktisch verwirklicht. Das sind nur wenige Jahrzehnte. Die Differenz zu vielen muslimischen Ländern beträgt in diesen Maßstab eher Jahrhunderte. Daher rühren auch die massiven Integrationsprobleme vieler Migranten aus diesem Kulturraum. Das muss auch thematisiert werden ohne gleich die Rassismus-Keule zu schwingen. Wir brauchen Geduld. Aber jeder mit Einfluß sollte versuchen diese Dinge schneller voranzubringen. In diesem Sinn sollte man Salah und andere Prominente ermutigen ihren Einfluß zu nutzen, um die Dinge voranzubringen.

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