Sport

Manchester-United-Trainer Solskjær

Bequeme Lösung für eine unbequeme Zukunft

Manchester United hat Ole Gunnar Solskjær vom Interims- zum dauerhaften Cheftrainer befördert. Die tiefer liegenden Probleme sind damit aber noch nicht gelöst.

Lindsey PARNABY / AFP

Ole Gunnar Solskjær ist seit Dezember Trainer von Manchester United

Von , Manchester
Donnerstag, 28.03.2019   18:42 Uhr

Die letzten Zweifel verflogen in einer rauschenden Nacht im Pariser Prinzenpark. Vor drei Wochen gelang Manchester United Historisches, die Mannschaft besiegte Paris Saint-Germain im Achtelfinal-Rückspiel der Champions League 3:1 (2:1) und zog damit trotz des 0:2 aus dem Hinspiel im Old Trafford ins Viertelfinale ein.

Mit dem Sieg in Paris war klar, dass Manchester United keine andere Wahl haben würde, als Interimstrainer Ole Gunnar Solskjær zur Dauerlösung zu machen. Das Spiel war seine vorgezogene Krönung.

An diesem Donnerstag hat der Verein verkündet, was keine Überraschung mehr war. Der norwegische Ex-Angreifer, berühmt für sein Siegtor im Champions-League-Finale 1999 gegen den FC Bayern in der Nachspielzeit, wird auch über die Saison hinaus im Old Trafford "at the wheel" sein, wie es in dem aktuell beliebtesten Gesang der United-Fans heißt. Manchester United stattete ihn mit einem Vertrag über drei Jahre aus und machte ihn dauerhaft zum Nachfolger des im Dezember von seinen Aufgaben entbundenen José Mourinho.

Unter der Führung des Norwegers gewann das Team 14 von 19 Partien

Solskjær hat sich aufgedrängt. Die Mannschaft hat unter seiner Führung 14 von 19 Spielen gewonnen und dabei auch Spitzenteams geschlagen: Tottenham Hotspur (in der Liga), den FC Arsenal und den FC Chelsea (im FA-Cup) und eben Paris Saint-Germain. Unter Solskjær spielt United wieder um den vierten Platz in der Premier League mit, der auch in der kommenden Saison die Teilnahme an der Champions League garantieren würde.

Außerdem hat er den Verein wieder ein bisschen mehr zu dem gemacht, was er aus Sicht der Fans sein soll - eine stolze Fußball-Institution, die vor allem im eigenen Stadion offensiv spielt, Talenten aus dem Nachwuchs eine Chance gibt und das Andenken an die große Vergangenheit pflegt.

Solskjær ist die Brücke zwischen dem Gestern und dem Heute, wegen seiner eigenen Geschichte mit dem Klub, aber auch, weil er auf den Rat von Trainerlegende Alex Ferguson hört und dessen einstige rechte Hand Mike Phelan zu seinen Assistenten zählt. Uniteds geschäftsführender Vizepräsident Ed Woodward begründet Solskjærs Beförderung zur Dauerlösung ausdrücklich damit, dass der Norweger über ein "tiefes Verständnis von der Kultur des Vereins" verfüge.

Seit 2013 ist United auf der Suche nach sich selbst

Mit der Entscheidung weicht der Klub von seinem ursprünglichen Plan ab, Solskjær die Aufgabe nur bis zum Sommer anzuvertrauen und danach einen Trainer zu präsentieren, der den Verein wieder zu einem Titelkandidaten machen soll. Solskjær selbst hat sich langfristig noch nicht bewiesen. Er ist bei seiner ersten und (bis Dezember) einzigen Station in der Premier League bei Cardiff City krachend gescheitert und arbeitete danach bei Molde in Norwegen. Das reicht nach allgemeinem Dafürhalten nicht als Empfehlung für den Posten bei einem der größten Klubs der Welt, der sich seit Fergusons Pensionierung 2013 auf der Suche nach sich selbst befindet.

Das alles erklärt, warum sich der Verein Zeit gelassen hat, Solskjær auch über die Saison hinaus zu benennen. Doch es galt seit Wochen als sicher, dass ihn der Verein zur Dauerlösung befördern würde. Die Ergebnisse waren zu gut - und damit auch seine Beliebtheitswerte. Mit jeder anderen Entscheidung hätte der Verein einen Fan-Aufstand und einen Aufschrei in den Medien provoziert. Der Druck auf den ohnehin in der Kritik stehenden Woodward wäre weiter gestiegen.

Tottenhams Pochettino galt eigentlich als Wunschkandidat

Solskjær ist für ihn eine bequeme Wahl. Er liegt damit auf Linie mit der öffentlichen Stimmung und muss keine harten Verhandlungen führen, zum Beispiel mit Daniel Levy, dem Vorstand von Tottenham Hotspur. Eigentlich galt Tottenham-Trainer Mauricio Pochettino als der Mann für die Zukunft im Old Trafford. Doch auch in seinem Fall wäre nicht klar gewesen, ob er im Stande ist, einen Klub von der Größe Manchester Uniteds zu führen. Da war es logisch, an dem erfolgreichen Solskjær festhalten - zumal er deutlich günstiger sein soll als alle anderen Optionen.

Adrian Dennis / AFP

Unter Ole Gunnar Solskjær haben mehrere Spieler, darunter Paul Pogba, einen Leistungssprung gemacht

Der Verein darf sich allerdings nicht von der Euphorie blenden lassen, die der Ex-Angreifer aus Norwegen ausgelöst hat. Er darf sich nicht der Annahme hingeben, dass jetzt alle Probleme gelöst wären.

Seit Fergusons Abschied war Manchester United kein Kandidat mehr auf die Meisterschaft. Das lag nicht nur an seinen Erben David Moyes, Louis van Gaal und Mourinho. Dem Verein fehlt eine Strategie. Es ist unklar, welche Art von Fußball mit welcher Art von Spielern gespielt werden soll. Bei Transfers war in den vergangenen Jahren kein Konzept erkennbar. Das sind die Gründe dafür, dass der Rekordmeister von seinen Erzrivalen Manchester City und dem FC Liverpool abgehängt wurde.

Vizepräsident Woodward wird dafür gepriesen, ein ausgezeichneter Geschäftsmann zu sein - eine Autorität in sportlichen Fragen ist er aber nicht. Es ist deshalb wichtig, dass Manchester United einen Sportdirektor engagiert, der langfristig die Verantwortung für das Kerngeschäft übernimmt. Nur dann hat der Verein eine Chance, mit Solskjær an die goldenen Zeiten unter Ferguson anzuknüpfen.

insgesamt 4 Beiträge
nextgen 28.03.2019
1. Möglichkeit
Ist es nicht eine Möglichkeit,den Trainern und Spielern 1 Jahres Verträge zu geben? dann würden sie wenigstens ein bischen nach Leistung bezahlt.das würde einige Sachen wieder gerade biegen im kranken Sport System :) alle [...]
Ist es nicht eine Möglichkeit,den Trainern und Spielern 1 Jahres Verträge zu geben? dann würden sie wenigstens ein bischen nach Leistung bezahlt.das würde einige Sachen wieder gerade biegen im kranken Sport System :) alle sehen doch das die meisten Trainer vorzeitig entlassen werden wenn keine Leistung da ist!! es ist doch echt totaler Quatsch das die nach dem Rauswurf noch so viel Geld kriegen für nix!! sie verdienen ja in der Zeit wo sie Trainer sind eigentlich schon so viel wie für 10 leben. auch bei den Spielern könnte das eine Möglichkeit sein Das ganze System wieder zu beruhigen und für normale Menschen verständlich zu machen!! und komme mir keiner damit das diese Leute viel Zeit und Arbeit investieren würden!!!! das ist ihr Hobby und sie haben einfach talent!!!einfache Menschen investieren oft auch sehr viel von ihrem Leben für die Arbeit und bekommen nicht mal einen Bruchteil.
wally76 28.03.2019
2.
Und wenn der Trainer oder Spieler extrem erfolgreich ist? Dann könnte er nach einem Jahr ablösefrei wechseln. Die Entscheidung über die Vertragsdauer ist vermutlich eine sehr schwierige Gratwanderung. Ein spieltheoretisches [...]
Zitat von nextgenIst es nicht eine Möglichkeit,den Trainern und Spielern 1 Jahres Verträge zu geben? dann würden sie wenigstens ein bischen nach Leistung bezahlt.das würde einige Sachen wieder gerade biegen im kranken Sport System :) alle sehen doch das die meisten Trainer vorzeitig entlassen werden wenn keine Leistung da ist!! es ist doch echt totaler Quatsch das die nach dem Rauswurf noch so viel Geld kriegen für nix!! sie verdienen ja in der Zeit wo sie Trainer sind eigentlich schon so viel wie für 10 leben. auch bei den Spielern könnte das eine Möglichkeit sein Das ganze System wieder zu beruhigen und für normale Menschen verständlich zu machen!! und komme mir keiner damit das diese Leute viel Zeit und Arbeit investieren würden!!!! das ist ihr Hobby und sie haben einfach talent!!!einfache Menschen investieren oft auch sehr viel von ihrem Leben für die Arbeit und bekommen nicht mal einen Bruchteil.
Und wenn der Trainer oder Spieler extrem erfolgreich ist? Dann könnte er nach einem Jahr ablösefrei wechseln. Die Entscheidung über die Vertragsdauer ist vermutlich eine sehr schwierige Gratwanderung. Ein spieltheoretisches Problem mit teilweise unbekannten Eingangsgrößen. Drei Jahre erscheinen mir da als vernünftiger Kompromiss. Und so ein Verein wird sicherlich nicht bettelarm, wenn er eine Entschädigung bei Vertragsauflösung zahlen muss. Das Risiko, die Ablösesumme zu verlieren ist vermutlich höher. Wie gesagt, Spieltheorie und Betriebswirtschaft.
spadoni 28.03.2019
3. Hendrik Buchheister
Herr Buchheister, Sie schreiben ManUnited "wurde von ManCity und Liverpool abgehängt", wie bitte?? Gut diese Saison mag das so sein, aber eine Saison ist nicht ausschlaggebend fürs "abhängen". Liverpool hat [...]
Herr Buchheister, Sie schreiben ManUnited "wurde von ManCity und Liverpool abgehängt", wie bitte?? Gut diese Saison mag das so sein, aber eine Saison ist nicht ausschlaggebend fürs "abhängen". Liverpool hat 20 Jahre nichts mehr gerissen, und auf welche Art und Weise ManCity, vor 2008, der Übernahme von Abu Dahbi eine zweitklasssige Mannschaft, sich mit Scheichmillionen einen zweifelhaften Rhum erschlichen hat und Meisterschaften erkaufte, ist allerseits bekannt. Ihre Kommentare sind alles andere als objektiv!!
nextgen 29.03.2019
4. zu nr 2
man könnte feste Verlängerungs Optionen vereinbaren.ausserdem würden sich viele Probleme von selbst lösen bei so einem System.kein Trainer würde es riskieren bei Erfolg zu wechseln, da er dann die Option aufs weitermachen [...]
man könnte feste Verlängerungs Optionen vereinbaren.ausserdem würden sich viele Probleme von selbst lösen bei so einem System.kein Trainer würde es riskieren bei Erfolg zu wechseln, da er dann die Option aufs weitermachen hätte.bei einem anderen Verein wären dann wieder andere Spieler und ein anderes Umfeld und da ist das Risiko das es nicht gut läuft da, egal wie gut ein Trainer ist!aber dann würde dieses sinnlose Karussell denken aufhören. Und es würde wieder mehr um Leistung gehen.

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