Sport

Paris-Matchwinner Ángel di María

Der Rache-Engel

Einst spielte er für Manchester United, doch bei seiner Rückkehr in der Champions League mit Paris Saint-Germain wurde Ángel di María ausgebuht. Der Argentinier antwortete sportlich - und auch unhöflich.

REUTERS

Ángel di María

Aus Manchester berichtet
Mittwoch, 13.02.2019   09:41 Uhr

Ángel di María ist ein schneller Angreifer, der seinen Gegnern gerne davonläuft, sie mit seinen unberechenbaren Haken auf die falsche Fährte lockt. Alles wirkt kontrolliert, trotz der Hochgeschwindigkeit. Doch wenn der Gegenspieler ihm einen Schubser gibt, dann verliert selbst Di María die Kontrolle über seinen Laufweg.

Auf der Jagd nach dem Ball in Richtung der Seitenlinie bekam Di María von Manchester Uniteds Kapitän Ashley Young (der Glück hatte, für die Aktion nicht Gelb-Rot gesehen zu haben) einen Check mit angelegten Arm und knallte in den Metallzaun, der auf dieser Seite die Fanränge vom Spielfeld trennt. Di María sackte zu Boden, hielt sich die Schulter und musste einige Minuten lang behandelt werden. Doch er konnte weiterspielen - zum Glück für Paris Saint-Germain.

Denn Angel di María war in diesem Achtelfinal-Hinspiel der Champions League der Reservemotor der PSG-Offensive, nachdem der Doppelzylinder Neymar/Edinson Cavani mit Fuß- sowie Hüftverletzung ausgefallen war.

Der Argentinier Di María, der eine konstante, aber im Vergleich unauffällige Saison spielt (sieben Tore) hatte maßgeblichen Anteil daran, dass das Team von Thomas Tuchel im Old Trafford von Manchester einen 2:0-Auswärtssieg einfuhr - und nun große Chancen auf das Viertelfinale hat.

Die Tore schossen zwar andere - Presnel Kimpembe und Kylian Mbappé - aber Di María hatte zu beiden Toren die Vorlage gegeben. Beim 1:0 trat der 30-Jährige einen Eckball an den zweiten Pfosten, wo Kimpembe frei zum Schuss kam. Beim 2:0 spielte er dann seine ganze Schnelligkeit aus: Nach einem Konter sprintete er auf der linken Seite Richtung Strafraum und passte hart und präzise in die Mitte, wo Mbappé nur noch einzuschieben brauchte.

Und das waren nicht seine einzigen starken Aktionen im Spiel: Ständig beschäftigte er die United-Abwehrspieler mit seinen kurzen, schnellen Antritten, mit seinen Haken und gefährlichen Pässen. Bereits in der sechsten Minute hatte er einen Fernschuss nur Zentimeter neben den rechten Winkel gesetzt.

Fotostrecke

Champions League: Hartes Hinspiel

Nicht immer gelangen seine Versuche, Mbappé und Teamkollegen in Szene zu setzen. Auch Di María spielte mal einen Pass ins Aus - in der ersten Hälfte gelang ihm längst nicht so viel wie im zweiten Durchgang. "Ich bin froh, dass er sein Selbstbewusstsein nicht verloren hat. Es war nicht leicht für ihn, er hat direkt vor mir gespielt und viele leichte Bälle verloren. Deshalb hatte er eine harte Zeit", sagte PSG-Coach Tuchel nach der Partie.

Doch dann kam eben die zweite Hälfte und in dieser zeigte Di María neben seinen beiden Torvorlagen auch noch Szenen wie die, als er in der eigenen Hälfte den Ball in Hüfthöhe zugespielt bekam und ihn volley in den Lauf von Mbappé spielte, der nur kein Tor schoss, weil Manchester-Keeper David De Gea seinen Lupfer mit einem starken Reflex stoppte.

Dass Di María ausgerechnet gegen Manchester United sein wohl bestes Saisonspiel zeigte, hatte einen gewissen Charme: Der Argentinier stand hier ein Jahr unter Vertrag. Er war 2014 als teuerster Spieler der Premier League für 75 Millionen Euro zu United gewechselt. Unter Louis van Gaal kam er aber in 25 Spielen nur auf drei Tore und zehn Vorlagen, bevor er zu PSG wechselte.

Buh-Rufe für Ex-Spieler Di María

Die Manchester-Fans sind seitdem auf Di María überhaupt nicht gut zu sprechen - ihrer Meinung nach hat er bei seinem Aufenthalt in Manchester nicht seine beste Leistung abgerufen und am Ende seinen Wechsel forciert. Ihre Abneigung ließen die Manchester-Fans Di María spüren, bei jeder Ballberührung wurde er ausgebuht - wenn er sich nahe der Tribüne aufhielt, riefen sie ihm noch ein paar deutlichere Worte zu.

REUTERS

Di María und die United-Fans

Di María gab seine Antwort einerseits sportlich, andererseits auch mit Aktionen abseits des Fußballs: Eine Flasche, die aufs Spielfeld geworfen wurde, nahm er in die Hand und tat so, als wolle er daraus trinken, bevor er sie wegschleuderte. Laut "Daily Mirror" und ESPN UK soll er zudem nach dem 1:0 "Fuck off" zu den United-Anhängern gerufen haben.

Besonders demütigend war dann wieder eine andere Szene: Paris führte bereits 2:0, da tricksten sich Di María und Mbappé wenige Meter vom United-Strafraum entfernt die Bälle zu - eine Vorführung, die von den PSG-Fans lautstark gefeiert wurde. "Er ist ein sehr kompetitiver Spieler. Wenn man ihn reizt, macht ihn das nicht schwächer", sagte Tuchel, der von dem Empfang der Fans für Di María "überrascht" war.

Für das Rückspiel in drei Wochen stehen die Chancen für die Pariser um Di María auf ein Weiterkommen sehr gut: Zwar werden Neymar (sicher) und Cavani (wahrscheinlich) immer noch fehlen. Doch auch Manchester United muss auf seinen besten Mann verzichten: Paul Pogba kassierte wenige Minuten vor dem Abpfiff Gelb-Rot. "Sie waren eine Stufe besser als wir", sagte Manchester-Trainer Ole Gunnar Solskjaer.

Am knappsten fasste die englische Tageszeitung "Sun" das Spiel aus United-Sicht zusammen - mit einem Wort: "DiSaster".

Manchester United - Paris Saint-Germain 0:2 (0:0)
0:1 Kimpembe (53.)
0:2 Mbappé (59.)
United: De Gea - Young, Bailly, Lindelöf, Shaw - Herrera, Matic, Pogba - Lingard (45.+4 Alexis Sánchez), Rashford (84. Lukaku), Martial (46. Mata)
PSG: Buffon - Kehrer, Thiago Silva, Kimpembe - Dani Alves, Marquinhos, Verratti (75. Paredes), Bernat - Draxler, di María (81. Dagba) - Mbappé
Zuschauer: 74.054
Schiedsrichter: Daniele Orsato (Italien)
Gelbe Karten: Young, Lindelöf, Herrera, Shaw / Kimpembe, Draxler, Bernat, Alves
Gelb-Rot: Pogba (89.)

insgesamt 5 Beiträge
gnarze 13.02.2019
1. Unfassbar,
dass es möglich ist, in England eine Bierflasche mit ins Stadion zu schmuggeln. Und die richtige Antwort von AdM auf den pöbelnden Mob.
dass es möglich ist, in England eine Bierflasche mit ins Stadion zu schmuggeln. Und die richtige Antwort von AdM auf den pöbelnden Mob.
saschad 13.02.2019
2.
Es war keine Bierflasche, sondern eine Plastiktrinkflasche mit Druckverschluss, wie sie Sportler nutzen. Trotzdem natürlich ein Unding, einen Spieler damit zu bewerfen.
Es war keine Bierflasche, sondern eine Plastiktrinkflasche mit Druckverschluss, wie sie Sportler nutzen. Trotzdem natürlich ein Unding, einen Spieler damit zu bewerfen.
hansfrans79 13.02.2019
3.
Und ohne die genauen Fakten zu kennen, stürzen Sie sich "mobartig" auf die vermeintliche Sensation. Hätte Sie elitärer eingeschätzt.
Zitat von gnarzedass es möglich ist, in England eine Bierflasche mit ins Stadion zu schmuggeln. Und die richtige Antwort von AdM auf den pöbelnden Mob.
Und ohne die genauen Fakten zu kennen, stürzen Sie sich "mobartig" auf die vermeintliche Sensation. Hätte Sie elitärer eingeschätzt.
sebbi 13.02.2019
4.
Schauen Sie bitte nochmal genau. Das war eine Heineken Glasflasche!
Zitat von saschadEs war keine Bierflasche, sondern eine Plastiktrinkflasche mit Druckverschluss, wie sie Sportler nutzen. Trotzdem natürlich ein Unding, einen Spieler damit zu bewerfen.
Schauen Sie bitte nochmal genau. Das war eine Heineken Glasflasche!
Axel Schön 13.02.2019
5. Video?
Moin aus Kiel. Ich frage mich, warum das gleiche Video gleich doppelt, an 2 Stellen im Artikel eingebunden ist aber vor allem frage ich mich, frage ich Sie, warum im Video immer nur das laaaaaangweilige Interview von Tuchel zu [...]
Moin aus Kiel. Ich frage mich, warum das gleiche Video gleich doppelt, an 2 Stellen im Artikel eingebunden ist aber vor allem frage ich mich, frage ich Sie, warum im Video immer nur das laaaaaangweilige Interview von Tuchel zu sehen ist, zumal im Aufmacher das Bild von Di Maria und die Story dazu angetriggert wird...??!? Was soll das? Man kriegt ein Steak vor die Nase gehängt und auf dem Teller gibt´s wieder mal bloß Nudeln mit Tomatensoße?? Nicht Euer Ernst oder? Leider ist es nicht das erste Mal, dass mich diese Praxis bei SPON massiv ärgert. Da sollten Sie zumindest mal drüber nachdenken, ob Sie das 1. fair Ihren Lesern gegenüber finden und 2. ob das Ihrem journalistischen Selbstverständnis entspricht, die Leser derart an der Nase herumzuführen... Ganz ehrlich? Ich glaube ja nicht, dass mein Leserbrief Sie tatsächlich zu Nachdenklichkeit geschweige denn zum Ändern dieser dubiosen Praxis motiviert, aber es würde mich freuen, wenn doch. Mit freundlichen Grüßen

Mehr im Internet

Verwandte Themen

Sieger Uefa Champions League

Jahr Verein
2018 Real Madrid
2017 Real Madrid
2016 Real Madrid
2015 FC Barcelona
2014 Real Madrid
2013 FC Bayern München
2012 FC Chelsea
2011 FC Barcelona
2010 Inter Mailand
2009 FC Barcelona
2008 Manchester United
2007 AC Mailand
2006 FC Barcelona
2005 FC Liverpool
2004 FC Porto
2003 AC Mailand
2002 Real Madrid
2001 FC Bayern München
2000 Real Madrid
1999 Manchester United
1998 Real Madrid
1997 Borussia Dortmund
1996 Juventus Turin
1995 Ajax Amsterdam
1994 AC Mailand
1993 Olympique Marseille

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung

TOP