Sport

Hoeneß bei Fanklub-Besuch

"Breitner ist nicht Opfer, sondern Täter"

Wenn Uli Hoeneß einen Bayern-Fanklub besucht, ist das für den Präsidenten immer noch ein Heimspiel: Paul Breitner werde zu Unrecht "zum Märtyrer gemacht". Zudem ende die Zeit von Ribéry und Robben in München.

Getty Images

Uli Hoeneß

Sonntag, 02.12.2018   16:36 Uhr

Uli Hoeneß hat es derzeit nicht leicht. Bei der Jahreshauptversammlung am vergangenen Freitag musste der Bayern-Präsident viel Kritik und Häme einstecken, da tat der sonntägliche Fanklub-Besuch in Kersbach gut. Es gab Blasmusik, Folklore, vor allem aber freundlichen Applaus. Dass beim Frühschoppen kritische Töne ausblieben, wärmte die gekränkte Hoeneß-Seele. Außerdem hatte der 66-Jährige einiges zu erzählen.

Über seine eigene Zukunft will Hoeneß noch nicht entscheiden. "Ich werde in aller Ruhe die nächsten Wochen und Monate beobachten, wie sich das alles entwickelt, werde mir viele Gedanken machen und entscheiden, was ich will und was nicht", sagte Hoeneß. "Dieser Abend geht nicht spurlos an einem vorüber und man kann nicht zur Tagesordnung übergehen."

Hoeneß sah auf der Jahreshauptversammlung von "einem ganz kleinen Teil" seinen "tadellosen Ruf als Manager, Vorstand und Präsident" beschädigt. "Da muss ich ehrlich sagen: Ich war schockiert, ich war überrascht und deshalb bin ich sehr glücklich, dass ich so besonnen reagiert habe", sagte Hoeneß.

Keine Versöhnung mit Breitner

Darüber hinaus äußerte sich Hoeneß beim Thema Paul Breitner unmissverständlich. "Dieses Verhältnis ist nicht mehr zu kitten, er hat den Rubikon überschritten", sagte Hoeneß. Breitner werde jetzt "zum Märtyrer gemacht. Aber Paul Breitner ist nicht Opfer, sondern Täter".

Breitner habe laut Hoeneß vom deutschen Rekordmeister in den vergangenen acht Jahren "fast zwei Millionen Euro Honorar bekommen für 15 bis 20 Vorträge vor Sponsoren". Anfang 2017 habe Breitner dann nach einer Auseinandersetzung mit Karl-Heinz Rummenigge den Vertrag hingeschmissen.

Nach dem "unsäglichen Auftritt" im Bayerischen Rundfunk habe die Bayern-Führung daraufhin beschlossen, "dass wir ihm nahelegen, nicht mehr in den Ehrengastbereich zu kommen. Denn er hat in einer unsäglichen Art und Weise den FC Bayern beschädigt", polterte Hoeneß: "Wenn er ein Problem mit uns hat, soll er uns das selbst sagen - und nicht den Weg über die Presse gehen."

Breitner hatte zuletzt heftige Kritik an Hoeneß und Vorstandschef Rummenigge nach deren umstrittener Pressekonferenz geäußert. Der Klub reagierte mit dem Ausschluss Breitners aus dem Ehrengastbereich. Breitner schickte daraufhin seine zwei Ehrenkarten zurück, die er als Ehrenspielführer auf Lebenszeit besitzt.

Robben und Ribéry hören auf

Außerdem sollen nach dieser Saison tatsächlich die Karrieren von Franck Ribéry und Arjen Robben bei den Münchnern enden. Die beiden Flügelspieler "machen sehr wahrscheinlich ihr letztes Jahr", sagte Hoeneß. Robben besuchte laut "Algemeen Dagblad" ebenfalls einen Fanklub und bestätigte das Aus: "Das ist mein letztes Jahr beim FC Bayern", sagte Robben. "Es waren zehn wundervolle Jahre. Und dann ist es auch gut. Die Entscheidung habe ich schon vor ein paar Wochen getroffen."

DPA

Arjen Robben (r.) und Franck Ribéry (M.)

Der 35 Jahre alte Franzose Ribéry spielt seit 2007 für den deutschen Rekordmeister, der ein Jahr jüngere Niederländer Robben seit 2009. Der größte Erfolg des FC Bayern mit der Flügelzange war neben zahlreichen Meisterschaften der Gewinn der Champions League 2013.

Trainingslager auch 2019 in Katar

Die schon länger andauernde und bei der Jahreshauptversammlung erneuerte Kritik an Bayerns Verbindungen zu Katar hält Hoeneß aber nicht davon ab, die Mannschaft von Trainer Niko Kovac auch im kommenden Winter ins Trainingslager in dem Emirat zu schicken.

"Dort gibt es hervorragende Trainingsbedingungen", sagte Hoeneß. Die Bayern werden wohl vom 4. bis 10. Januar nach Katar reisen. Münchens Verbindungen nach Katar sorgen wegen der Menschenrechtssituation im Gastgeberland der WM-Endrunde 2022 wiederholt für Kritik. Die Fluglinie Qatar Airways ist Ärmelsponsor der Münchner.

krä/sid/dpa

insgesamt 89 Beiträge
comfortzone 02.12.2018
1. bei Breitner sehe ich das auch so wie Hoeneß
man kann sich nicht als "Ehrengast" behandeln lassen - und dann per TV die Marke "FC Bayern" so beschädigen wie Breitner dies getan hat. Die Internes und das was Breitner sich geleistet hat, bekommt der [...]
man kann sich nicht als "Ehrengast" behandeln lassen - und dann per TV die Marke "FC Bayern" so beschädigen wie Breitner dies getan hat. Die Internes und das was Breitner sich geleistet hat, bekommt der Durchschnittsbeobachter doch ohnehin nicht mit. Menschlich unter aller Sau. Dass Hoeneß seit 5 Jahren keinen Kontakt zu Breitner hat, berechtigt Breitner nicht seine Schmutzwäsche öffentlich zu waschen !
el_jefe 02.12.2018
2. Es wird weiter so hingewürschtelt...
bis die Schwarte kracht. Selbst der Gefängnisaufenthalt hat der Teflon-Hoeneß nicht geschadet, solange wenigstens ein Titel (bessern zwei) gewonnen wurde. Aber wehe, die jahrelange Misswirtschaft – das Geld wurde für das [...]
bis die Schwarte kracht. Selbst der Gefängnisaufenthalt hat der Teflon-Hoeneß nicht geschadet, solange wenigstens ein Titel (bessern zwei) gewonnen wurde. Aber wehe, die jahrelange Misswirtschaft – das Geld wurde für das gezielte Schwächen von anderen Bundesligavereinen verplempert, statt für den ganz großen Wurf – und sie bleiben ohne Titel oder gar CL-Teilnahme!
ray8 02.12.2018
3. tadelloser Ruf
Der Präsident von tadellosem Ruf. Soso. Und weiterhin lebt Ulrich H. in seiner eigenen kleinen Welt. Null Kritikfähigkeit. Eigentlich untragbar als Führungsfigur. Aber nicht so beim großen über jeden Zweifel erhabenen FCB.
Der Präsident von tadellosem Ruf. Soso. Und weiterhin lebt Ulrich H. in seiner eigenen kleinen Welt. Null Kritikfähigkeit. Eigentlich untragbar als Führungsfigur. Aber nicht so beim großen über jeden Zweifel erhabenen FCB.
schorri 02.12.2018
4. Typische Hoeneß-Arroganz und Ignoranz
Da ist sie wieder, die typische Hoeneß-Arroganz und Ignoranz. Er behauptet schankweg, Breitner habe mit sener Kritik an ihm (Hoeneß) und Rummenigge wegen der unsäglichen Pressekonferenz dem FC Bayern geschadet. Nun stimmt es [...]
Da ist sie wieder, die typische Hoeneß-Arroganz und Ignoranz. Er behauptet schankweg, Breitner habe mit sener Kritik an ihm (Hoeneß) und Rummenigge wegen der unsäglichen Pressekonferenz dem FC Bayern geschadet. Nun stimmt es zwar, dass Breitner gern den Ober-Kritiker gibt, um sein entsprechendes Image zu pflegen. Aber nicht er hat dem Verein geschadet, sondern allerfalls Hoeneß und Rummenigge mit dieser amateuraften Aktion. Und der kritische Fan auf der JHV hatte vollkommen recht: Der Verein gehört nichr Rummenigge und Hoeneß und se können nicht nach Gutsherrenart schalten und walten wie sie wollen. Das Image der beleidigten Leberwürste haben sie beide, besonders Hoeneß, aber wieder ordentlich gepflegt.
eigener 02.12.2018
5. Treppenwitz ...
"Paul Breitner ist nicht Opfer, sondern Täter." Sagt ausgerechnet ein vorbestrafter Ex-Häftling. Ausgerechnet.
"Paul Breitner ist nicht Opfer, sondern Täter." Sagt ausgerechnet ein vorbestrafter Ex-Häftling. Ausgerechnet.
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