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Englands WM-Stürmerin White

Eine Hommage an die Bundesliga

England gehört spätestens nach dem Sieg gegen Schottland zum Favoritenkreis der WM 2019. Beste Spielerin war Stürmerin Ellen White, die nach ihrem Tor wie Kölns Anthony Modeste jubelte: "Ich liebe deutschen Fußball."

Richard Sellers DPA

Ellen White feiert ihr Tor im WM-Auftaktspiel gegen Schottland

Aus Nizza berichtet
Montag, 10.06.2019   10:05 Uhr

Englands Nationaltrainer Phil Neville hat in seiner Spielerkarriere mit vielen Topstürmern zusammengespielt: Ruud van Nistelrooy, Andy Cole, Eric Cantona, um nur ein paar zu nennen. Er weiß, wie wichtig Angreifer mit einer exzellenten Torquote für Titel sind. Deshalb überlegte er lange, welche Stürmerin er im ersten Gruppenspiel der WM 2019 gegen Schottland ins Zentrum stellen sollte. Er entschied sich bei ihrer dritten WM-Teilnahme für Ellen White - und lag richtig.

Neville hätte auch Jodie Taylor aufstellen können, die Torschützenkönigin der EM 2017. Oder Rachel Daly, die in der amerikanischen Profiliga NWSL bei Houston Dash regelmäßig trifft. Oder Toni Duggan vom Champions-League-Finalisten Barcelona. White erhielt den Vorzug, obwohl sie in der vergangenen Saison bei ihrem Klub Birmingham City WFC aufgrund einer Rückenverletzung nur acht Spiele bestreiten konnte. Dabei erzielte sie aber sechs Treffer.

Beim 2:1-Sieg gegen Schottland im Auftaktspiel der Gruppe D schoss sie das entscheidende Tor zum 2:0. Doch das allein machte die 30-Jährige nicht zur besten Spielerin auf dem Rasen im Stade de Nice, auch wenn die Auszeichnung als Woman of the match an die andere Torschützin Nikita Parris ging. White war immer anspielbar, setzte die schottischen Abwehrspielerinnen im Aufbau erfolgreich unter Druck, hatte drei weitere gute Torchancen und bekam einen Treffer wegen einer Abseitsstellung aberkannt (23. Minute).

White jubelt wie Modeste

Schon in dieser Szene, als White nach einem gelupften Pass von Fran Kirby per Kopf traf, jubelte sie mit Daumen und Zeigefinger vor ihren Augen, musste die angedeutete Brille nach dem Abseitspfiff von Schiedsrichterin Jana Adamkova aber wieder abnehmen. In der 41. Minute wiederholte sie den Jubel. Kirby spielte sie im Strafraum mit etwas Glück frei und White schob den Ball überlegt ins linke Eck.

In Deutschland ist diese Art des Jubelns bekannt. Anthony Modeste fing damit in seinen beiden Bundesliga-Jahren (2015 bis 2017) beim 1. FC Köln an. Darstellen sollte es einen bebrillten Smiley, da der Franzose in Messenger-Nachrichten gerne Smileys verwendet. "Mein Mann und ich lieben deutschen Fußball und die Atmosphäre in den Stadien", sagte White nach dem Spiel. "Ich habe irgendwann angefangen, wie mein Lieblingsspieler Modeste zu jubeln und kann damit nicht mehr aufhören." Erstmals aufgefallen ist die Stürmerin mit diesem Jubel beim She-Believes-Cup 2017, als sie beim 1:0-Sieg gegen die USA den Siegtreffer erzielte.

Die 1,70 Meter große Angreiferin kommt mittlerweile auf 81 Länderspiele für England, sie erzielte dabei 29 Tore und gehört in dem verjüngten Team der Lionesses zusammen mit Abwehrchefin Steph Houghton, Mittelfeldspielerin Jill Scott und Torhüterin Karen Bardsley zu den erfahrenen Stützen.

Wechsel zu Manchester City

Neville ging im Vorfeld offen mit dem Ziel WM-Titel um. Immerhin stand England sowohl bei der WM 2015 als auch bei der EM 2017 jeweils im Halbfinale. Und das Spiel gegen Schottland hat gezeigt, wie groß das Potenzial bei den Three Lionesses ist:

Vor 13.188 Zuschauern, erstaunlich viele davon in weißen und roten England-Shirts gekleidet, hätte England nach der ersten Hälfte höher führen müssen. Auf der rechten Seite bildeten Parris und die vermutlich beste Rechtsverteidigerin der Welt, Lucy Bronze, ein explosives Duo. Auf der anderen Seite zeigte Beth Mead viel Zug zum Tor. Zusammen mit White und Spielmacherin Kirby hat Neville eine äußerst variable Offensive beisammen.

Selbst als in der zweiten Hälfte die Passgenauigkeit nachließ, und Schottland durch Claire Emslie zum Anschlusstreffer kam (79.), zeigte England Titelreife. In der Schlussphase beherrschten die Favoritinnen das Spiel wieder und ließen keine weitere Torchance mehr zu. "Wir haben noch einen langen Weg zu gehen", sagte Neville. "Aber nach dem schottischen Tor haben wir es wieder sehr gut gemacht." Im nächsten Spiel trifft England am 14. Juni erstmal auf Argentinien (21 Uhr Liveticker SPIEGEL ONLINE).

White möchte nach der WM auch im Vereinsfußball durchstarten. Sie wechselt zu Manchester City, spielt kommende Saison in der Champions League - und wird dann wohl auf der nächsten großen Bühne mit Brille jubeln.

England - Schottland 2:1 (2:0)
1:0 Parris (14., Handelfmeter)
2:0 White (41.)
2:1 Emslie (79.)
England: Bardsley - Bronze, Houghton, Bright (55. McManus), Greenwood - Walsh, Kirby (82. Stanway), Scott - Parris, White, Mead (71. Carney)
Schottland: Alexander - Howard (75. Arthur), Corsie, Beattie, Docherty (55. Smith) - Evans, Murray (87. Arnot), Little, Weir, Emslie - Cuthbert
Schiedsrichterin: Adamkova
Gelbe Karten:
Beattie, Docherty
Zuschauer: 13.188

insgesamt 7 Beiträge
Ishibashi 10.06.2019
1. Bravo
die Berichterstattung von SPON über die WM ist wirklich vorbildlich. Frauen Füßball finde ich eh sympatischer als der finaziell völlig aus dem Ruder gelaufene Männer Fußball.
die Berichterstattung von SPON über die WM ist wirklich vorbildlich. Frauen Füßball finde ich eh sympatischer als der finaziell völlig aus dem Ruder gelaufene Männer Fußball.
hausfeen 10.06.2019
2. Tatsächlich ein Fortschritt. Das Bashing von Frauenfussball ...
... ist deutich weniger geworden. Jetzt müssen noch die Medien auf den Zug aufspringen und z.B. die Frauenbundesliga in der Sportschau gleichwertig behandeln. Egal, ob da weniger Zuschauer in den Rängen sind. [...]
... ist deutich weniger geworden. Jetzt müssen noch die Medien auf den Zug aufspringen und z.B. die Frauenbundesliga in der Sportschau gleichwertig behandeln. Egal, ob da weniger Zuschauer in den Rängen sind. "Echokammer" sollte doch kein Fremdwort sein. Außerdem ist "Bundesliga" dann doch genauer "1. Bundesliga der Männer" - an die Adressen der Sportredaktion und Webmaster/in von Spon.
spon1899 10.06.2019
3.
@2: Die Medien müssen gar nichts. Die zeigen das was die Leute interessiert. Und da gehen nun mal zu der einen Bundesliga 50.000 Leute und zur anderen 500 Leute hin. Entsprechend reagieren die Medien. Würde das gleichberechtigt [...]
@2: Die Medien müssen gar nichts. Die zeigen das was die Leute interessiert. Und da gehen nun mal zu der einen Bundesliga 50.000 Leute und zur anderen 500 Leute hin. Entsprechend reagieren die Medien. Würde das gleichberechtigt gezeigt, ist die Quote garantiert dahin. Frauenfußball ist eine Randsportart. Ich sehe das weder negativ noch positiv, sondern als Fakt. Politisch korrekt ist das natürlich nicht, schon klar.
RealSim 10.06.2019
4. Obacht
Nein es heißt schon richtig "Fußball-Bundesliga". Ich weiß allerdings gar nicht, ob es für Frauen verboten ist in dieser Spielklasse zu spielen. Kann sein, dass das nicht so ist, dann wäre der Zusatz "Der [...]
Zitat von hausfeen... ist deutich weniger geworden. Jetzt müssen noch die Medien auf den Zug aufspringen und z.B. die Frauenbundesliga in der Sportschau gleichwertig behandeln. Egal, ob da weniger Zuschauer in den Rängen sind. "Echokammer" sollte doch kein Fremdwort sein. Außerdem ist "Bundesliga" dann doch genauer "1. Bundesliga der Männer" - an die Adressen der Sportredaktion und Webmaster/in von Spon.
Nein es heißt schon richtig "Fußball-Bundesliga". Ich weiß allerdings gar nicht, ob es für Frauen verboten ist in dieser Spielklasse zu spielen. Kann sein, dass das nicht so ist, dann wäre der Zusatz "Der Männer" auch diskriminierend gegenüber Frauen und Transgendern die dann ebenfalls spielberechtigt wären.
dernameistprogramm 10.06.2019
5. @#3: Frauenfußball Randsportart? Da schauen Sie
bitte einfach mal in andere Länder. Und vergessen Sie niemals die soziale Konstruktion von Sport. Gleichzeitig können Sie an Ihren Satzzeichen arbeiten. Viele Grüße.
bitte einfach mal in andere Länder. Und vergessen Sie niemals die soziale Konstruktion von Sport. Gleichzeitig können Sie an Ihren Satzzeichen arbeiten. Viele Grüße.

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