Sport

Versuch in Wien

Läuft Eliud Kipchoge als erster Mensch einen Marathon unter zwei Stunden?

2017 fehlten Marathonstar Eliud Kipchoge nur 26 Sekunden, um die Zwei-Stunden-Marke zu knacken. Nun will er es erneut versuchen. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Projekt in Wien im Überblick.

Leonhard Foeger/REUTERS

Eliud Kipchoge will als erster Mensch die Marathonstrecke unter zwei Stunden laufen

Von und
Freitag, 11.10.2019   20:15 Uhr

Worum geht es?

Als erster Mensch will der Marathon-Weltrekordhalter Eliud Kipchoge am Samstag (8.15 Uhr; TV: Eurosport) die 42,195 Kilometer in unter zwei Stunden laufen. Dabei startet Kipchoge auf einer präparierten Laufstrecke im Wiener Prater unter Laborbedingungen. Der Untergrund des 9,6 Kilometer langen Rundkurses wurde neu asphaltiert, zudem stehen dem Kenianer gleich 41 Tempomacher zur Seite.

Finanziert werden soll das alles vom britischen Chemiekonzern Ineos, sagte ein Sprecher des Wien-Marathons der österreichischen Zeitung "Der Standard". Bereits 2017 versuchte Kipchoge unter ähnlichen Bedingungen, die Marke zu unterbieten. Auf der Rennstrecke im italienischen Monza benötigte er jedoch 2:00,25 Stunden. Die Zwei-Stunden-Grenze gilt als die letzte knackbare Stundengrenze im Marathon.

Was kostet der Versuch?

Zahlen von Ineos sind nicht bekannt. Der Versuch von 2017, der vom US-Sportartikelhersteller Nike gesponsert wurde, soll rund 30 Millionen Euro gekostet haben. Es wird davon ausgegangen, dass der erneute Versuch noch etwas teurer sein wird. Gründe dafür sind unter anderem die aufwendig umgebaute Strecke und die Weltklasseläufer, die Kipchoge während des Rennens unterstützen sollen. Dabei sind auch die drei Ingebrigtsen-Brüder Henrik, Filip und Jakob.

Würde die Zeit anerkannt?

Nein, weil der Versuch unter Laborbedingungen stattfindet, entspricht er nicht den Regeln des Weltverbands IAAF. Weil die Tempomacher regelmäßig ausgetauscht werden, wird der Versuch nicht als offizielles Rennen anerkannt. Das ist für den Läufer ein großer Vorteil, weil er dadurch über die komplette Renndauer im Windschatten laufen kann. Es gibt zudem keine vorgeschriebenen Verpflegungspunkte, Kipchoge bekommt Verpflegung, wann er will. Der deutsche Marathonläufer Philipp Pflieger sagte im SPIEGEL-Interview zu dem Laborversuch: "Das hat dann nicht mehr viel mit dem klassischen Marathonwettbewerb zu tun, wie ihn der internationale Weltverband definiert hat."

Warum Kipchoge?

Der Kenianer ist Olympiasieger und einer der besten, wenn nicht der beste Marathonläufer der Geschichte. Er kann auch ohne Tempoläufer Bestmarken aufstellen, wie er beim Berlin-Marathon 2018 zeigte, als er mit 2:01,39 Stunden einen Weltrekord aufstellte. Dort konnte ihm bereits in einer sehr frühen Rennphase niemand folgen und er lief spätestens ab der Hälfte das Rennen allein vorneweg. Dazu ist Kipchoge der bekannteste Läufer, was ihn für Sponsoren interessant macht. Für ihn selbst gehe es darum, Geschichte zu schreiben. "Als Erster einen Marathon unter zwei Stunden zu laufen - das wäre wie die Mondlandung. Es geht darum, ein Vermächtnis im Sport zu hinterlassen", sagte er.

Alex Halada/AFP

Eliud Kipchoge vor der Pressekonferenz in Wien

Was sind die Motive von Ineos?

Anders als Nike 2017 will Ineos mit dem Versuch keine Sportprodukte vermarkten. Dem Chemiekonzern geht es eher darum, sich ein neues Image mithilfe des Sports aufzubauen. Ineos steht bei Umweltaktivisten stark in der Kritik, weil der Konzern das Fracking unterstützt, eine umstrittene Methode zur Öl- und Gasförderung, und wegen der Produktion und Entsorgung von Plastikmüll. Zuvor ist Ineos bereits in anderen Sportarten eingestiegen: Im Radsport übernahm der Konzern in diesem Jahr das Team Sky, im Fußball übernahm Ineos den französischen Erstligisten OGC Nizza.

insgesamt 21 Beiträge
cat69 11.10.2019
1. Unter 3 Stunden ist schon eine Herrausforderung
Das ist ein Ziel für Hobbyläufer wie mich was langes Training benötigt und dennoch für viele ein Traum bleibt. Das sind dann im Verhältnis zu den Weltspitzen nicht vorstellbare galaktische Unterschiede. Ich konnte nie [...]
Das ist ein Ziel für Hobbyläufer wie mich was langes Training benötigt und dennoch für viele ein Traum bleibt. Das sind dann im Verhältnis zu den Weltspitzen nicht vorstellbare galaktische Unterschiede. Ich konnte nie begreifen wie jemand bei so einer Strecke fast eine Stunde schneller sein kann. Im Langstrecken-Triathlon sind die Unterschiede sehr viel kleiner. Es wäre in der Tat ein sehr seltener Eintrag für die Geschichtsbücher.
ArmeOhren 11.10.2019
2. Ich weiss nicht...
Der spezielle Asphalt und variable Verpflegung ok - dann sind es halt nur keine klassischen Wettkampf-Bedingungen. Aber Windschatten nach Belieben? Das klingt fuer mich irgendwie unbefriedigend, dann ist es ja nicht wirklich die [...]
Der spezielle Asphalt und variable Verpflegung ok - dann sind es halt nur keine klassischen Wettkampf-Bedingungen. Aber Windschatten nach Belieben? Das klingt fuer mich irgendwie unbefriedigend, dann ist es ja nicht wirklich die reelle Leistung eines Menschen rein aus eigener Kraft.
schwanal 11.10.2019
3.
@ArmeOhren schonmal das Tempo länger als 5 Minuten gelaufen ....? Das ist kein Radrennen; der Mann läuft auch so unter 2:02...
@ArmeOhren schonmal das Tempo länger als 5 Minuten gelaufen ....? Das ist kein Radrennen; der Mann läuft auch so unter 2:02...
swandue 12.10.2019
4.
Da wurde z.B. noch die Steilkurve an der Wende vergessen: https://www.tagesspiegel.de/themen/reportage/erster-marathon-unter-zwei-stunden-1-59-wie-der-schnellste-mann-der-welt-einen-fabelrekord-aufstellen-will/25103648.html Das [...]
Da wurde z.B. noch die Steilkurve an der Wende vergessen: https://www.tagesspiegel.de/themen/reportage/erster-marathon-unter-zwei-stunden-1-59-wie-der-schnellste-mann-der-welt-einen-fabelrekord-aufstellen-will/25103648.html Das Ganze ist sowas von irregulär, da darf auch ein Hund vorbeikommen, der Kipchoge ins Beim beißt. Wenn beim Berlin-Marathon ein Hund in den Wettkampf eingreift, dann finde ich das megaärgerlich.
mayazi 12.10.2019
5. @ArmeOhren #2
Kipchoge wird weder geschoben, noch gefahren, er läuft jeden einzelnen Schritt selber. Er ist nur nicht zu Wettkampfbedingungen unterwegs.
Kipchoge wird weder geschoben, noch gefahren, er läuft jeden einzelnen Schritt selber. Er ist nur nicht zu Wettkampfbedingungen unterwegs.

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