Sport

Bahnrad-Olympiasiegerin

Kristina Vogel plant vorerst keine Paralympics-Karriere

Für die querschnittgelähmte Kristina Vogel liegt eine Zukunft im Parasport in weiter Ferne. "Weil ich nicht Zweite werden will", sagte die Rekord-Weltmeisterin der französischen Sportzeitung "L'Équipe".

DPA

Kristina Vogel

Sonntag, 02.12.2018   19:21 Uhr

Im Sommer war Kristina Vogel im Training verunglückt. Seither ist die zweifache Olympiasiegerin vom siebten Brustwirbel abwärts gelähmt, arbeitet im Unfallkrankenhaus Berlin intensiv in der Reha. Eine zweite Karriere im Parasport scheint für Deutschlands erfolgreichste Bahnradsportlerin dabei vorerst nicht geplant.

"Im Moment bin ich froh, keine Wettkämpfe bestreiten zu müssen", sagte Vogel der französischen Sportzeitung "L'Équipe": "Um bei den Paralympics wettbewerbsfähig zu sein, würde es Jahre dauern. Weil ich nicht Zweite werden will, ich will gewinnen."

Vogel war im Juni beim Training auf der Betonbahn in Cottbus mit einem anderen Fahrer bei hoher Geschwindigkeit zusammengestoßen und dabei schwer verletzt worden. Seither sitzt sie im Rollstuhl. An den Unfall habe sie bis heute keine Erinnerungen. "Ich erinnere mich an alles, was vorher passiert ist. Aber dann ist da für ein paar Sekunden ein schwarzes Loch." Dann sehe sie sich erst wieder, "wie ich auf dem Beton liege".

"Ich will leben, das ist alles"

Ihrer Zukunft plant Vogel zunächst ohne Leistungssport: "Ich will leben, das ist alles. Leben wie jede in meinem Alter", sagte die 28-Jährige, räumte aber auch schwere Momente ein. "Ich will nicht lügen: Natürlich hasse ich es manchmal, was mir passiert ist. Und ich bin auf die eifersüchtig, die einfach so die Straße langlaufen können."

Der Wettkampf fehle ihr indes nicht. "Auf dem Niveau, auf dem ich meinen Sport in den letzten Jahren betrieben habe, das war schon anstrengend: Tag für Tag denkst du an nichts anderes als ans nächste Training, das übernächste Training, den nächsten Wettkampf."

Vielmehr sei es die Gemeinschaft, die ihr fehle. "Ich habe sehr viele gute und schlimme Momente mit ihnen geteilt. Das ist meine Radsport-Familie." Eine Familie, die sie am Samstag getroffen hat, als Vogel erstmals auf ein Holzoval zurückkehrte. Im Berliner Velodrom, wo sie noch im Oktober 2017 zweimal EM-Gold und einmal -Silber gewonnen hatte, wurde Vogel als Radsportlerin des Jahres ausgezeichnet.

sak

insgesamt 1 Beitrag
Nordstadtbewohner 02.12.2018
1. Ganz ehrlich: Ich schwanke
Beim Lesen des Artikels schwanke ich zwischen zwei Seiten. Die eine Seite: Ich denke, die Frau hat den Mut nicht verloren und sieht ihre Chancen als paralympische Sportlerin realistisch. Die andere Seite: Ich kann mir nur schwer [...]
Beim Lesen des Artikels schwanke ich zwischen zwei Seiten. Die eine Seite: Ich denke, die Frau hat den Mut nicht verloren und sieht ihre Chancen als paralympische Sportlerin realistisch. Die andere Seite: Ich kann mir nur schwer stellen, dass sie ihre wohl dauerhafte Behinderung so sehr verarbeitet hat, als dass sie so wie im Artikelfoto überall so lächeln kann. Irgendwann brechen die größten Illusionen zusammen, wenn sie den Bezug zur Realität verlieren. Der Unfall bedeutet einen schweren Einschnitt in ihr weiteres Leben und sie tut dabei ein wenig so, als wäre keine große Sache. Trotz alledem: Ich wünsche Kristina Vogel für ihre Zukunft wirklich alles erdenklich Gute!

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