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NHL-Star Draisaitl

Der Eisbrecher

Leon Draisaitl ist in der nordamerikanischen Eishockey-Profiliga ein Star - in Deutschland kennt man ihn weniger. Der 23-Jährige ist dabei, in dieser Saison eine magische Marke zu knacken.

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Leon Draisaitl: Gelingt in der Nacht der 100. Punkt?

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Donnerstag, 28.03.2019   20:27 Uhr

Einen besseren Zeitpunkt hätte sich Franz Reindl nicht aussuchen können. Der Präsident des Deutschen Eishockey-Bundes ist derzeit zu Gesprächen mit NHL-Vertretern in den USA. Während Reindl mit seinen Verhandlungspartnern in Detroit tafelte, verzauberte sein Landsmann Leon Draisaitl das Publikum beim Spiel der Edmonton Oilers gegen die Los Angeles Kings mit drei Toren.

Immer wieder richteten sich die Blicke der Eishockey-Funktionäre auf die Handys, die Bildschirme und den Star des Abends: einen 23-Jährigen aus Köln. Reindls Fazit des Abends: "Mir hat's super geschmeckt."

Reindl hat mit Leon Draisaitls Vater Peter in den Achtzigerjahren in der deutschen Nationalmannschaft gespielt und den Weg von Draisaitl junior schon früh verfolgt. Dass der ein außergewöhnlich guter Stürmer werden würde, deutete sich schon in den U-Nationalmannschaften und in der kanadischen Junioren-Liga an, in die er mit 16 wechselte. "Doch dass die Kurve so steil nach oben gehen würde und Leon auf Weltniveau ein dominierender Spieler wird, das hatte ich nicht erwartet", räumt Reindl ein.

Deutsche Eishockey-Karrieren sind international eher selten

Viele Eishockey-Karrieren in Deutschland hatten stets etwas Unvollendetes. Die Stars früherer Tage wie Erich Kühnhackl oder Gerd Truntschka hatten kein Interesse, in der NHL - der besten Liga der Welt - zu spielen. Uwe Krupp gewann zwar zweimal den Stanley Cup, die höchste Trophäe, allerdings in einer klar definierten Rolle als rustikaler Verteidiger.

Und selbst Marco Sturm, seit dem von ihm als Bundestrainer verantworteten zweiten Platz im Olympia-Turnier 2018 Deutschlands Eis-Heiliger, stellte als NHL-Spieler nicht mehr als gehobene Mittelklasse dar. Aus seiner besten Saison ging er mit 56 Scorerpunkten in 80 Spielen, Leon Draisaitl steht aktuell nach 76 Partien bei 99 Punkten. Möglich ist, dass er in der Nacht zum Freitag seinen 100. Punkt einfährt.

Mehr Tore als Draisaitl (46) hat nur der russische Weltstar Alexander Owetschkin (49) erzielt, und in der Gesamtwertung aus Treffern und Torvorlagen ist der Deutsche Vierter. Im Laufe der nächsten Saison wird er - Verletzungsfreiheit vorausgesetzt - schon so viele NHL-Spiele bestritten haben (über 400), dass er nach der Karriere Rentenansprüche an die Liga geltend machen kann. Aber mit seinem 2017 abgeschlossenen Achtjahresvertrag über ein Gesamtvolumen von 68 Millionen Dollar hat er ohnehin ausgesorgt.

"Leon hat sich in allem verbessert"

Kritik ist kaum noch zu vernehmen an Draisaitl. Zu Beginn seiner Profilaufbahn hieß es noch, er profitiere von Namen seines Vaters und davon, dass dieser ihn geschickt bei den Scouts und Klubs platziert habe. Im ersten NHL-Jahr, 2014/15, wurde Leon Draisaitl bei den Edmonton Oilers degradiert und zu den Junioren geschickt. War er doch nicht das großartigste deutsche Talent? Und noch bis in diese Saison hinein merkten Statistik-Nerds an, dass Draisaitl seine Scoring-Bilanzen vor allem der noch größeren Qualität seines Sturmpartners Connor McDavid, 22, zu verdanken habe.

Jason Franson DPA

Draisaitl im Duell mit Matt Duchene von den Columbus Blue Jackets

Eishockey-Praktiker Franz Reindl sieht das nicht so, sondern registriert eine stetige Entwicklung: "Leon hat sich in allem verbessert: im Schuss, im Blick für den Augenblick, in seinen Bewegungen. Wie er zur Mitte zieht, das ist hochgefährlich für den Gegner." Das möge leicht aussehen, "dahinter steckt aber harte Arbeit".

In den Sommern bereitet sich Draisaitl in Köln auf die neue NHL-Saison vor. Er betreibt sein Athletik-Training in "intelligenter Kleidung", ein Shirt misst seine Kraft- und Beweglichkeitsübungen, die Daten werden in Echtzeit ausgewertet. Auf dem Eis arbeitete er mit einem Privattrainer: Thomas Brandl, Mitte der 90er Jahre der beste deutsche Eishockeyspieler. Draisaitl hat ein ähnliches Programm wie Basketballstar Dirk Nowitzki, der unter seinem Entdecker und Mentor Holger Geschwindner immer wieder die Basics verfeinert.

Schon der Vater erntete Berühmtheit

Ähnlich wie bei Nowitzki kommt bei Draisaitl die familiäre Vorprägung dazu. Vater Peter war weit über Eishockeykreise hinaus bekannt: Als Spieler bestritt er das Olympia-Viertelfinale 1992 gegen Kanada, die deutsche Mannschaft war der Sensation nahe, es ging ins Penaltyschießen. Peter Draisaitl brachte den Puck zwar am kanadischen Torhüter vorbei, doch die Scheibe blieb auf der Linie liegen. Deutschland schied aus. Es war der berühmteste Fehlschuss der deutschen Eishockeygeschichte - vor dem größten Fernsehpublikum: 9,99 Millionen schauten zu. Viele, weil 20 Uhr war und sie zur Tagesschau eingeschaltet hatten, deren Beginn sich verzögerte. Nun lernten sie Draisaitl kennen.

Der junge Draisaitl und seine Tore wurden am Mittwoch in den ZDF-Nachrichten gezeigt. Er wird zur Marke. Ein neuer deutscher Sportstar. Auch wenn man wenig über ihn als Typen weiß. 2016 war er im "Aktuellen Sportstudio". Verbindlich, aber keine Plaudertasche. Moderator Sven Voss war irritiert, als er Draisaitl auf den damals Besten der Welt, den Kanadier Sydney Crosby, als Vorbild festlegen wollte, sein Gast aber beharrlich den bei Weitem nicht so bekannten Russen Pawel Dazjuk nannte. Das Gespräch kam nicht richtig in Gang. Doch Draisaitl drängt es auch gar nicht zur öffentlichen Darstellung, ein Prädikat wie "German Gretzky" empfindet er als befremdlich.

Mit dem Original-Gretzky erlebte Edmonton seine größte Zeit. Mit McDavid/Draisaitl soll es so werden, wie es in den Achtzigerjahren war. Doch wie es aussieht, werden die Oilers erneut die Playoffs verpassen und ab 7. April in Urlaub gehen. Trotzdem, so hat Franz Reindl es bei seiner Nordamerika-Visite festgestellt, herrsche in Edmonton keine Tristesse: "Leon hat es in den vergangenen Wochen geschafft, den Blick der Fans weg von der Gesamtsituation zu lenken. Sie feiern eben ihn."

Günter Klein ist Chefreporter des "Münchner Merkur" und begleitet das Eishockey seit mehreren Jahrzehnten.

insgesamt 9 Beiträge
coyot3 28.03.2019
1. in Deutschland kennt man ihn weniger???
liegt vielleicht daran weil das Medieninteresse am Eishockey sehr gering ist. Allein das aktuell die Playoffs laufen in der DEL und hier bis dato noch nichts darüber berichtet wurde. Da sind schon spannende Duelle dabei. Wer sich [...]
liegt vielleicht daran weil das Medieninteresse am Eishockey sehr gering ist. Allein das aktuell die Playoffs laufen in der DEL und hier bis dato noch nichts darüber berichtet wurde. Da sind schon spannende Duelle dabei. Wer sich für Eishockey interessiert kennt auch Leon Draisaitl!!!
Hans_Dampf 28.03.2019
2. Kein Wunder...
..., dass ihn in Deutschland "keiner" kennt, wenn Eishockey-Artikel immer noch von "Journalisten" wie Herrn Klein verfasst werden... Richtig recherchiert hätte man anstatt dem verjährten Sportstudio-Auftritt [...]
..., dass ihn in Deutschland "keiner" kennt, wenn Eishockey-Artikel immer noch von "Journalisten" wie Herrn Klein verfasst werden... Richtig recherchiert hätte man anstatt dem verjährten Sportstudio-Auftritt auch sein gar nicht mal so zurückhaltendes Interview auf dem Spittin Chiclets Podcast (nr 1 Hockey podcast in Nordamerika, sicherlich noch nie gehört von Herrn Klein) mit einigen lustigen Anekdoten verweisen können.
realshadow 28.03.2019
3. Fantastische Saison - individuell gesehen
Dass die Oilers leider dieses Jahr scheinbar wieder die playoffs verpassen ist zu schade, aber was Draisaitl und McDavid in den letzten Spielen abgeliefert haben ist einfach nur fantastisch. Als Deutscher lebe ich seit 6 Jahren in [...]
Dass die Oilers leider dieses Jahr scheinbar wieder die playoffs verpassen ist zu schade, aber was Draisaitl und McDavid in den letzten Spielen abgeliefert haben ist einfach nur fantastisch. Als Deutscher lebe ich seit 6 Jahren in Edmonton und verpasse kein Spiel, insbesondere seit ein Landsmann im Team spielt. LET'S GO OILERS!!!
eggshen 28.03.2019
4. Manchmal...
frage ich mich, ob Draisaitl sportlich bei den Oilers so gut aufgehoben ist (finanziell sollte er ausgesorgt haben). Als man dort vor zwei Jahren nach längerer Abstinenz mal wieder in die Playoffs einziehen konnte, war ich [...]
frage ich mich, ob Draisaitl sportlich bei den Oilers so gut aufgehoben ist (finanziell sollte er ausgesorgt haben). Als man dort vor zwei Jahren nach längerer Abstinenz mal wieder in die Playoffs einziehen konnte, war ich eigentlich ganz zuversichtlich. Endlich schien die Team-Chemie zu stimmen. Die beiden letzten Seasons zeigten jedoch erneut, daß bei den Oilers irgendwo der Wurm drin ist. Es verlangt bestimmt niemand, daß die einen Durchmarsch wie heuer die Bolts hinlegen. Aber nach jahrelangem Aufbau, begleitet von hohen Draft Picks und einer Reihe von Trainer- und Management-Wechseln, hat sich immer noch kein Spitzenteam entwickelt. Da fehlt einfach die Konsistenz. Wie auch immer - ich wünsche Leon Draisaitl (dessen Spielweise mich manchmal eher an Mario Lemieux erinnert - um mal einen der ganz Großen zu nennen...) und den Oilers, daß es in diesem Jahr doch noch reicht. Aber bei noch sechs verbleibenden Spielen und sieben Punkten Rückstand auf den letzten Playoff-Spot müßte schon ein Wunder geschehen. Die Hoffnung stirbt zuletzt. In diesem Sinne: Go Oilers Go!
Edenjung 28.03.2019
5. Mehr Eishockey
Tja, dass deutsche MEdien generell kaum Eishockey zeigen hat sich letztes jahr zur WM wieder bestätigt. Es ist ein Trauerspiel. Ich hab letztes jahr mal an Das erste und das ZDF eschrieben und gefragt ob sie mehr DEl senden [...]
Tja, dass deutsche MEdien generell kaum Eishockey zeigen hat sich letztes jahr zur WM wieder bestätigt. Es ist ein Trauerspiel. Ich hab letztes jahr mal an Das erste und das ZDF eschrieben und gefragt ob sie mehr DEl senden könne, da sie ja jetzt nicht mehr die Champions league haben, also zumindest die playoff partien am mittwoch oder sich in zukunft um die WM austrahlungsrechte bemühen. zurück kam die antwort (sehr schnell und freundlich), dass sich das nicht lohne, weil nur 1,6% der deutschen das Finale der WM gesehen haben und man dem Fußball keine Zeit nehmen möchte (obwohl eishockey billiger ist). Kein Wunder, dass sich nur wenige für Eishockey in Deutschland interessieren, der Fußball dominert alles in den Medien. Und wenn die mal dem Eishockey zumindest in der Winterpause mehr aufmerksamkeit schenken würden, dann würde auch das interesse wachsen. macht ihr aber nicht. Kein wunder, dass so viele Eishockey vereine vor dem aus stehen in deutschland, wenn den kindern nur eine Sportart eingetrichtert wird: FUßBALL!!!! Fangt endlich mal an die Randsportarten vernünftig zu repräsentieren, dann gehen auch mehr kinder aufs Eis bzw. die Vereine können es sich endlich leisten die Kinder zu trainieren und die Eishallen könnten wieder in Stand gesetzt werden. Bei 82 Millionen MEnschen in Deutschland könnten wir eines der besten teams der Welt sein, aber so wie es heute ist wird das wohl nix.

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