Stil

Amphorenwein

Der Ton macht nicht die Musik

Der Ausbau in Amphoren ist die älteste Art, Wein zu machen. Heute gelten die Tongefäße als Geheimtipp für Ausnahmegewächse. Doch werden auch ganz normale Weine im Tonkrug besser? Drei Weine im Test.

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Bei der Hochzeit zu Kana spielten Amphoren auch eine Rolle, zumindest nach diesem Gemälde von Giotto di Bondone. Dass der Wein spitze war, lag laut Bibel aber an Jesus

Von Gerald Franz
Sonntag, 11.08.2019   20:14 Uhr

Wein herzustellen wie vor 8000 Jahren, ausgebaut in verbuddelten Tongefäßen, damit experimentieren unkonventionelle Winzer seit Langem. Vor allem Ausnahmeweine füllen sie in die bis zu 2000 Liter fassenden Tongefäße. Unter der Erde, in Verbindung mit dem Ton werden sie noch besser. Diese Art der Weinbereitung gilt als die älteste der Welt, traditionell verbreitet ist der Amphorenwein heute aber nur noch in Georgien, der Rest der Welt stieg vor rund zwei Jahrtausenden um auf Weinfässer. Die hölzernen Gebinde - eine Erfindung der Kelten - waren stabiler, dichter und sauberer.

Im modernen Weinbau kommen fruchtige Weine in Edelstahltanks und vollmundigere reifen in Holz. Ton war bisher nur etwas für Exoten und komplexe Gewächse. Gelingt das Experiment, verfeinert der Ton die Stilistik des Weins weiter. Scheitert es, gibt die Amphore dem Wein eine strenge, die Frucht überdeckende Aromatik. Gerade bei einfacheren Weinen ist das Risiko groß. Doch genau solche füllen nun immer mehr Winzer in die Tongefäße.

Was können die kleinen Amphorenweine?

Im Test sind italienischer Rotwein und Rosé sowie ein Grauburgunder aus Rheinhessen.

Der Grignolino d'Asti erscheint auf den ersten Blick am vielversprechendsten. Es ist einer der charaktervolleren Weine aus dem Piemont, auch wenn die Traube dort im Schatten der Star-Rebsorten Nebbiolo und Barbera steht. Der "Lanfora" vom Weingut Montalbera ist im Stahltank vergoren worden. In die Amphoren kommt er erst zur "Veredelung", wie es auf dem Rückenetikett heißt. Der 2016er hat relativ wenig rubinrote Farbe. Der Wein riecht nach Erde und herben roten Früchten. Geschwenkt wird die erdig-steinige Komponente noch intensiver, und es tritt sogar etwas metallisch-rostiges hinzu. Geschmacklich geht er in Richtung gekochter dunkler Beeren. Die Säure wirkt nicht gut eingebunden, das Tannin leicht austrocknend. Alles in allem ein unruhiger, unharmonischer Wein.

Das Weingut Zeni bringt seinen Amphorenwein als Rosé auf den Markt (Bardolino Chiaretto). Gekeltert aus Corvina- und Rondinella-Trauben vom Gardasee, kommt der "InAnfora" ebenfalls erst nach der Gärung in die Amphore. Der Jahrgang 2017 riecht erdig, hellrote Früchte und etwas Kräutriges kommen hinzu. Ein Schluck offenbart fruchtige Noten von Pflaume, Johannis- und Erdbeere. Der Wein ist frisch, mild, mit leichtem Schmelz und sogar zartem Gerbstoff. Auch hier findet sich zwar eine etwas unruhige Säure am Gaumen. Das leicht Herbe, das die Amphore einbringt, macht das Ergebnis aber interessanter: Statt eines nur nett-rotbeerigen Rosés bekommt man einen Wein mit Balance.

Grauburgunder aus der Amphore

Und der rheinhessische Weißwein? Der 2018er Grauburgunder "Amphore" vom Weingut Daniel Mattern ist als Naturwein vinifiziert worden. Dieser Begriff ist nicht geschützt, bedeutet aber grob gesagt größtmögliche Distanz zu gängigen Methoden wie Filtern, Schönen, Schwefeln und dergleichen. Der "Amphore" sieht aus wie ein Rosé, weil ein Teil der Trauben mit vergoren wird. Anders als die beiden Italiener wird der Wein komplett im Tongefäß ausgebaut. Der Wein riecht zitrisch, würzig-erdig und nach herbem Kernobst. Am Gaumen ist der erste Eindruck herb, sauer, etwas undefiniert in der Frucht. Bis jetzt stehen Alkohol, Säure und Aromatik noch ziemlich unverbunden nebeneinander. Gibt man dem Wein Luft, schmeckt er nach und nach besser. Richtig überzeugen kann er nicht.

Fazit

Der Ton allein macht nicht die Musik. Ins Gefäß muss ein Wein, der dem Material gewachsen ist. So charmant die Idee ist, experimentelle Weine, die sonst um die 40 Euro kosten, günstiger herzustellen - kleine Weine gehen in der Amphore einfach verloren. Das zeigt sich beim "Amphore" aus Mettenheim, vor allem aber beim "Lanfora" vom Weingut Montalbera. Am besten schneidet der Rosé "InAnfora" ab, er kommt mit dem Ton am besten zurecht.


Wein ist immer verflochten mit Menschen und ihren Geschichten. Einige davon zu erzählen, hat sich der Autor zur Aufgabe gemacht. Nachzulesen auf seinem Blog "Weinsprech".

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