Stil

Pritzker-Preis 2019

Arata Isozaki gewinnt wichtigste Architektur-Auszeichnung

Nicht die Wände und das Dach machen ein Haus, sondern der Raum den sie umschließen. Nach diesem Konzept baut der japanische Architekt Arata Isozaki. Nun erhält er die höchste Auszeichnung für Architektur.

DANIEL DAL ZENNARO/EPA-EFE/REX
Mittwoch, 06.03.2019   01:18 Uhr

Der Japaner Arata Isozaki, 87, erhält den diesjährigen Pritzker-Preis und damit die höchste Auszeichnung für Architektur. Mit seinen "frischen" Bauten, die "stilistischen Kategorien trotzen", sei Isozaki niemals Trends gefolgt, sondern stets seinem eigenen Weg, schrieb die Jury in ihrer Entscheidung. Isozaki sei "ein vielseitiger, maßgebender und wahrhaft internationaler Architekt". Mit seinem vorausschauenden Denken gelte er als Visionär seiner Generation.

Isozaki habe als einer der ersten japanischen Architekten außerhalb Japans gebaut in einer Zeit, als westliche Gesellschaften eher den Osten beeinflussten, sagte Tom Pritzker, Vorsitzender der Hyatt Foundation. Die Stiftung mit Sitz in Chicago steht hinter dem mit 100.000 Dollar (umgerechnet etwa 88.000 Euro) dotierten Preis.

Isozaki ist der achte Japaner, der die seit 1979 verliehene Auszeichnung gewinnt. Zu den geehrten japanischen Architekten gehört auch Kenzo Tange (1987), als dessen Schüler Isozaka nach dem Studium an der renommierten Tokioter Universität seine Karriere vor fünf Jahrzehnten begann.

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Fotostrecke: Die Arbeiten von Arata Isozaki

Isozaki stammt aus Oita auf der Insel Kyushu im Südwesten Japans. Frühe Erfolge hatte er während der Besatzung der Alliierten nach Ende des Zweiten Weltkriegs. Er half in den Achtzigerjahren, japanisches Design nach Europa und in die USA zu exportieren. Teil seiner Methode ist das japanische Konzept "Ma", das sich etwa als Zwischenraum, Pause, Distanz oder Abstand verstehen lässt. Demnach ist die Leere - zum Beispiel ein lichtdurchfluteter Raum - der eigentliche Inhalt. Nach dieser Philosophie erzeugt Arata Isozaki in seinen Bauten negativen Raum.

Seine Modernismus-Bauten wirkten "geometrisch simpel", steckten aber voller "Theorie und Zweck", hieß es dazu in der Mitteilung zum Preis. Isozaki sei dabei aber niemals Trends gefolgt, sondern stets seinem eigenen Weg. Er ist auch nicht auf eine bestimmte Stilrichtung fixiert. Das mache ihn zu einem vielseitigen, maßgebenden und wahrhaft internationalen Architekten, einem "Visionär seiner Generation", der aus einem reichen Schatz an Architekturgeschichte und -theorie schöpft, dabei aber nie einfach nur den Status quo kopiert.

Sein erster internationaler Auftrag war das Museum of Contemporary Art in Los Angeles, an dem von 1981 bis 1986 arbeitete und das heute zu den bekanntesten Bauten Isozakis zählt. Die Inspiration für seinen Entwurf habe er in den roten Sandsteingebäuden Indiens gefunden, erzählte der weitgereiste Baumeister einmal.

Von ihm stammen auch das Olympia Stadion Palau Sant Jordi in Barcelona und die Eishockey-Arena in Turin. In Berlin baute Isozaki, der weltweit mehr als hundert Bauprojekte umgesetzt hat, mit weiteren Architekten die Daimler-Benz-Hochhäuser am Potsdamer Platz. Er entwarf Museen wie den Ceramic Park Mino im japanischen Gifu, Konzertsäle wie die Shanghai Symphony Hall in China und den Allianz-Turm in Mailand.

"Meine erste Erfahrung war das Fehlen von Architektur."

Isozaki kam 1931 in Oita auf der Insel Kyushu im Südwesten Japans zur Welt, nur wenige hundert Kilometer von Hiroshima entfernt. "Ich wuchs im Ground Zero auf", sagte er einmal. Die Verwüstungen der Atombombe veränderten seine Sicht auf die Dinge. "Alles war in Schutt und Asche, dort war keine Architektur, keine Gebäude, nicht einmal eine Stadt", zitiert ihn die Hyatt Stiftung. Diese Erfahrung habe ihm geholfen, Architekt zu werden. "Meine erste Erfahrung war das Fehlen von Architektur."

Isozaki wird die Pritzker-Medaille im Mai in Paris verliehen bekommen. Frühere Preisträger waren unter anderem Zaha Hadid, Rem Koolhaas, Norman Foster und Peter Zumthor. Vergangenes Jahr gewann der Inder Balkrishna Doshi den Pritzker-Preis. Dieses Jahr hatten Beobachter auch dem Dänen Bjarke Ingels, US-Architekt Steven Holl und dem Briten David Chipperfield, der unter anderem in Berlin die Sanierung der Neuen Nationalgalerie leitet, gute Chancen ausgerechnet.

Die Pritzker-Preisträger seit 2010:

löw/aar/dpa

insgesamt 10 Beiträge
dasfred 06.03.2019
1. Ausdrucksstark
Was ich hier in den Fotos gesehen habe, macht Eindruck. Ohne übertriebene Schnörkel, aber trotzdem starke Formen. Macht Lust, mehr von ihm zu sehen.
Was ich hier in den Fotos gesehen habe, macht Eindruck. Ohne übertriebene Schnörkel, aber trotzdem starke Formen. Macht Lust, mehr von ihm zu sehen.
Papazaca 06.03.2019
2. Ein überfälliger Preis für einen Ausnahme-Architekten
Mir persönlich gefällt sein Ceramic-Park in Japan, sehr gut eingepasst in die Natur. Aber bei der Vielzahl seiner Entwürfe muß ich mir das mal genauer im Internet ansehen. Auffällig ist für mich, das er zwar oft skulptural [...]
Mir persönlich gefällt sein Ceramic-Park in Japan, sehr gut eingepasst in die Natur. Aber bei der Vielzahl seiner Entwürfe muß ich mir das mal genauer im Internet ansehen. Auffällig ist für mich, das er zwar oft skulptural baut, aber immer wieder ganz anders. Seine Handschrift ist wirklich seine Vielseitigkeit. Er hat diesen "Nobelpreis" für Architekten wirklich verdient, schon seit langem.
noalk 06.03.2019
3. Bilderserie
"Nicht die Wände und das Dach machen ein Haus, sondern der Raum den sie umschließen." Leider zeigen 16 von den 18 Bildern genau jene Wände und Dächer. Gibt's keine von den Innereien der Gebäude?
"Nicht die Wände und das Dach machen ein Haus, sondern der Raum den sie umschließen." Leider zeigen 16 von den 18 Bildern genau jene Wände und Dächer. Gibt's keine von den Innereien der Gebäude?
ky3 06.03.2019
4. Orte zum traurig werden
Wenn so ein Stil als Leitbild ausgewählt wird, wundert es nicht, dass unsere heutige Architektur so kalt, hässlich, klotzig, unnachhaltig, monoton ... aussieht.
Wenn so ein Stil als Leitbild ausgewählt wird, wundert es nicht, dass unsere heutige Architektur so kalt, hässlich, klotzig, unnachhaltig, monoton ... aussieht.
Papazaca 07.03.2019
5. Diskussion über moderne Architektur. Die wir schon so hatten.
Einer der Orientierungspunkte für die moderne Architektur ist der Pritzker-Preis. Stimmt, Neuschwanstein ist da kein Thema, obwohl sich Millionen von Touristen eigentlich nicht irren können. Was in Ihrer kurzen [...]
Zitat von ky3Wenn so ein Stil als Leitbild ausgewählt wird, wundert es nicht, dass unsere heutige Architektur so kalt, hässlich, klotzig, unnachhaltig, monoton ... aussieht.
Einer der Orientierungspunkte für die moderne Architektur ist der Pritzker-Preis. Stimmt, Neuschwanstein ist da kein Thema, obwohl sich Millionen von Touristen eigentlich nicht irren können. Was in Ihrer kurzen Anmerkung unerwähnt bleibt: Das wahre Problem sind nicht moderne Bauten von Stararchitekten, über die man streiten kann, wie über die Elb-Philo. Über die kann man sich ja wenigstens noch freuen oder ärgern, weil man sie wahrnimmt. Das wirkliche Problem ist die langweilige Durchschnittsarchitektur unserer Städte. die nimmt kaum jemand wahr, die ist scheinbar von Gott gewollt. Aber die haben sie ja geflissentlich übersehen, obwohl die kaum zu übersehen ist.

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