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Chenin Blanc

Die besten Weißweine, von denen Sie nichts wissen

Chenin Blanc kennt der deutsche Verbraucher eher als braven Alltagswein aus Südafrika. Falls überhaupt. Nahezu unbekannt sind französische Spitzenprodukte, die zeigen, was in dieser weißen Rebsorte steckt.

Getty Images

Kalkige Böden prägen das Terroir an der Loire

Von Gerald Franz
Sonntag, 20.10.2019   17:13 Uhr

In Südafrika ist der Chenin Blanc, der dort auch Steen genannt wird, die meistangebaute Rebsorte. Hierzulande sind Chenin-Weine eher unbekannt und wenn, dann kommen sie meist als Massenware ins Supermarktregal: Ein bisschen Frucht, ein wenig Säure, ein braver Weißwein, der keinen verschreckt. Wer den Chenin Blanc nur so kennt, kennt ihn gar nicht.

Um zu verstehen, wozu die Traube in der Lage ist, muss man sich den Spezialisten zuwenden. An der Loire in Frankreich mit ihren super Böden gibt es einige davon. In dem 70.000 Hektar großen Anbaugebiet befinden sich sogar zwei Handvoll kleinere geschützte Ursprungsgebiete, in denen ausschließlich Chenin zugelassen ist.

Domaine du Clos Naudin, die Institution

Eines davon ist die Appellation Vouvray, benannt nach dem gleichnamigen Städtchen bei Tours. Eine Institution ist die Domaine du Clos Naudin. Winzer Philippe Foreau baut ausschließlich Chenin Blanc an - und holt alles aus der Rebsorte heraus: Schaumwein, trockenen, halbtrockenen und süßen Stillwein. Seine Weine sind fantastisch. In seinem in den Tuffstein geschlagenen Keller reifen die Flaschen langsam heran, kunstvoll übereinandergestapelt, anstatt in den gängigen Metallkäfigen. "So ist es schöner", begründet Foreau den Mehraufwand.

Foreaus 2013er Schaumwein "Classique", der vier Jahre auf der Hefe lag, duftet nach Brot, erfrischt aber den Gaumen mit Zitrusfrucht und vibriert geradezu vor Mineralität.

Bei den Stillweinen gefällt der trockene 2010er Chenin Blanc mit Jodnoten. Die Säure ist super eingebunden, der Wein verfügt über ein wunderbar fülliges Mundgefühl und einen langen mineralischen Nachhall. Der 2016er kommt dagegen sehr saftig rüber, mit Aromen weißer Früchte und Druck am Gaumen sowie einem Hauch Salzigkeit.

Dem 2008er Chenin halbtrocken merkt man den deutlichen Restzucker kaum an. Er riecht nach Jod und Rauch, am Gaumen zeigt er sich weich und tiefgründig und lässt Noten von Speck und Trockenfrüchten erahnen.

Kraftstrotze aus Vouvray

Ebenfalls in Vouvray beheimatet ist die Domaine Huet. Auch hier weiß man dem weißen Riesen Chenin sein Geheimnis zu entlocken. Der trockene 2017er Le Mont etwa fließt mit angenehmem Schmelz über die Zunge, feine Zitrusnoten und Gewürz prägen seinen Charakter. Eine dezente Aromatik mit floralen Anklängen und würzigen Noten zeigt der halbtrockene Le Haut-Lieu aus demselben Jahr. Der halbtrockene Le Clos du Bourg, ebenfalls 2017, zeigt ungeheure Kraft, die durch frische exotische Früchte ausbalanciert wird.

Appellation Montlouis

Ganz auf Chenin Blanc setzt auch die Appellation Montlouis. Der sehr trockene 2016er Les Bournais vom Weingut François Chidaine macht schon durch seinen Duft nach Karamell und Aprikosenkonfitüre Lust auf den ersten Schluck. Am Gaumen wird diese verlängert durch fruchtige Noten von Steinobst und Pomelo. Der Wein präsentiert sich wunderbar rund, bleibt aber durch ausreichend Säure und sogar etwas Gerbstoff jederzeit in Form. Der 2009er Süßwein (Moelleux) Les Lys schmeichelt durch rosinensüße Aromen, die ihren Kontrapunkt in einem fantastischen mineralischen Spiel finden.

Der Außergewöhnliche aus Saumur-Champigny

Selbst im rotweinlastigen Ursprungsgebiet Saumur-Champigny findet sich der ein oder andere Chenin Blanc mit Tiefgang. So etwa bei der Domaine des Roches Neuves, die häufig mit dem Namen des Winzers synonym gesetzt wird: Thierry Germain. Bei Degustationen im Weingut bekommt man die Roten vor den Weißen eingeschenkt. Das ist in der Gegend so üblich. Von wegen schwächlicher Chenin Blanc!

L'Insolite, der Außergewöhnliche, heißt einer von Thierrys Weißweinen. Aromen von Birne prägen den trockenen 2017er, aber da ist auch Kreide. Ein sehr gut strukturierter, schlank-mineralischer Weißwein. Ein gutes Stück darüber schwebt noch der Clos Romans aus demselben Erntejahr, der ein wenig Apfel, Grapefruit, Limette sowie Anklänge von Kräutertee zeigt, aber vor allem durch seine mineralische Strenge geprägt ist.

Exzellenz in Cravant-les-Côteaux

Bei der Domaine Lambert in Cravant-les-Côteaux, in der Appellation Chinon gibt es ebenfalls exzellenten Chenin Blanc. Pascal Lambert ist erzbiodynamisch. Weniger ist bei ihm immer mehr, wenn es um Eingriffe bei Rebe und Wein geht. Zum Abfüllen etwa hebt er das Fass mit dem Traktor in die Höhe, um ohne Pumpen auszukommen. Woran auch immer es am Ende liegt, seine Weine überzeugen.

Der trockene 2015er Rochette erinnert minimal an Sherry: Nussige Noten und Jod sowie eine leichte Salzigkeit zeichnen diesen Wein aus. Während der gerade noch trockene 2015er Antoine sich stoffig anfühlt und exotische Aromen von Mango und Ananas zeigt, punktet der Chesnais aus demselben Jahr durch sein kontrastreiches Bouquet von nassem Stein und Speck. Geschwenkt treten allerdings komplementäre fruchtige Aromen von Melone und Pfirsich hinzu, am Gaumen außerdem Zitrusfrüchte.

In Deutschland werden einem diese Nischenprodukte kaum jemals aktiv angeboten. Wer sie aber sucht, erweitert definitiv seinen Horizont!


Wein ist immer verflochten mit Menschen und ihren Geschichten. Einige davon zu erzählen, hat sich der Autor zur Aufgabe gemacht. Nachzulesen auf seinem Blog Weinsprech.

insgesamt 16 Beiträge
CharlySmith 20.10.2019
1. Soll das etwa eine Werbung für Alkohol sein?
Zweifellos gibt es in Frankreich hervorragende Weine - aber deren Preise dürften ebenso hervorragend hoch sein. Bier ist dort schon teuer, aber ganz durchschnittliche Weine kosten nach unserer Erfahrung im angeblichen Weinland [...]
Zweifellos gibt es in Frankreich hervorragende Weine - aber deren Preise dürften ebenso hervorragend hoch sein. Bier ist dort schon teuer, aber ganz durchschnittliche Weine kosten nach unserer Erfahrung im angeblichen Weinland Frankreich etwa das 3-fache. Wer soll denn dann diese tollen Weine bezahlen können?
ambulans 20.10.2019
2. @charly smith,
wenns um frankreich - kulinarisch gesehen - geht, spricht man besser nicht über "bier": kronenbourg ist, na ja, selbst für die düsseldorfer altstadt zu schlecht (es gibt aber einen netten song von lemmy & [...]
wenns um frankreich - kulinarisch gesehen - geht, spricht man besser nicht über "bier": kronenbourg ist, na ja, selbst für die düsseldorfer altstadt zu schlecht (es gibt aber einen netten song von lemmy & motorhead, gesponsort von dieser marke). ansonsten: weine (in frankreich und anderswo) sind nun mal alkoholische getränke - warum beschweren, wenn man >maßvoll >genießen kann?
Denker0815 20.10.2019
3. abgefahrene Preise ab 40 Euro aufwärts
Gerne bin ich bereit, für einen guten Wein mehr Geld auszugeben, gerne auch bis 30 Euro pro Flasche für einen wirklich sehr guten Wein. Leider sind die meisten der im Artikel besprochenen Weine erst ab 40 Euro/Flasche [...]
Gerne bin ich bereit, für einen guten Wein mehr Geld auszugeben, gerne auch bis 30 Euro pro Flasche für einen wirklich sehr guten Wein. Leider sind die meisten der im Artikel besprochenen Weine erst ab 40 Euro/Flasche erhältlich. Es fragt sich, wer hier die Zielgruppe des Artikels sein soll: Menschen/Weinliebhaber, die für eine Flasche Wein über 40 Euro bezahlen?Ich glaube, dass dies wohl nur einem kleinen Teil der Spiegel Abonnenten entspricht. Mag ja sein, dass die Weine gut sind, aber das ist dann preislich doch etwas übertrieben.
brux 20.10.2019
4.
Ihre Erfahrung kann nicht sehr umfassend sein. Wo ich lebe, im Minervois, kostet ein sehr guter roter oder weisser nicht mehr als 7 Euro pro Flasche. Einen wirklich guten Rotwein mit 6 Monaten Lagerung im Eichenfass gibt es [...]
Zitat von CharlySmithZweifellos gibt es in Frankreich hervorragende Weine - aber deren Preise dürften ebenso hervorragend hoch sein. Bier ist dort schon teuer, aber ganz durchschnittliche Weine kosten nach unserer Erfahrung im angeblichen Weinland Frankreich etwa das 3-fache. Wer soll denn dann diese tollen Weine bezahlen können?
Ihre Erfahrung kann nicht sehr umfassend sein. Wo ich lebe, im Minervois, kostet ein sehr guter roter oder weisser nicht mehr als 7 Euro pro Flasche. Einen wirklich guten Rotwein mit 6 Monaten Lagerung im Eichenfass gibt es für 10 Euro. Mehr als 20 Euro verlangt kein Winzer und das sind dann wirklich Spitzenweine. Und das sind die normalen Preise. Im Herbst, wenn die Keller für die neue Ernte geräumt werden müssen, sind 50% Rabatt durchaus üblich. Wein ähnlicher Qualität kostet in Deutschland deutlich mehr und etwas weniger in Spanien. Die Einheimischen hier trinken übrigens vom Fass für 1.50 Euro pro Liter.
satissa 20.10.2019
5. @3
Gute Saumur Champigny blanc gibt es schon ab 12 Euro.
Gute Saumur Champigny blanc gibt es schon ab 12 Euro.

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