Stil

Gefaltete und geklebte Vogelskulpturen

Papierflieger

Die Künstlerin Diana Beltran Herrera bastelt aus klitzekleinen Papierschnipseln Vogelskulpturen, die täuschend echt aussehen. Mindestens fünf Tage braucht sie pro Tier. Warum macht sie das?

Diana Beltran Herrera
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Freitag, 13.09.2019   11:58 Uhr

Wenn Diana Beltran Herrera arbeitet, braucht sie vor allem Papier, Klebstoff und eine Schere. Daraus gestaltet sie in akribischer Feinarbeit kleine Schnäbel, Flügel und Beinchen. Tage später sind sie fertig: Lebensgroße Vögel aus Papier. Selbst auf den zweiten Blick sehen die Skulpturen der Kolumbianerin täuschend echt aus.

Bevor sie Vögel bastelte, zeichnete Beltran Herrera sie. Vor ein paar Jahren reiste die Künstlerin nach Finnland und war begeistert von der Natur dort. Bei einem Spaziergang an einem See in der Nähe von Helsinki fing sie an, die Vögel, die dort leben, zu zeichnen. Wieder zu Hause kam sie auf die Idee, dreidimensionale Vogelfiguren aus Papier zu gestalten.

Bereits in der Schulzeit fing Beltran Herrera an, mit Papier zu arbeiten: "Ich fühlte mich dem Material sehr verbunden, aber es war auch das preiswerteste, das ich zu Hause hatte." Ihre Leidenschaft ist bis heute ungebrochen. Ihre Vögel bestehen komplett aus Papier. Für ihre Arbeit verwendet sie zahlreiche unterschiedliche Sorten wie Seidenpapier, Karton oder farbiges Zeichen- und Künstlerpapier. Nur für die Füße nutzt die 32-jährige Künstlerin manchmal etwas Draht, damit die Tiere stehen können.

Bevor sie beginnt, recherchiert Beltran Herrera sehr lange, wie die Vögel aus unterschiedlichen Perspektiven und in Bewegung aussehen. Sie schaut sich Bücher, Illustrationen oder Briefmarken an, berät sich manchmal auch mit Experten. Dann erstellt sie eine digitale Skizze mithilfe derer sie zuerst ein Skelett aus Papier baut.

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Dann schneidet sie kleine Teile aus, bemalt sie manchmal noch. So kann sie bestimmte Details ergänzen oder Schattierungen und Töne des Papiers perfektionieren. Wenn sie alle Einzelteile hat, ordnet sie die Stücke und klebt sie sorgfältig zusammen. Für einen Papiervogel braucht sie mindestens fünf Tage, oft aber auch mehr.

Am schwierigsten findet die Papierkünstlerin die Gesichter, weil die Vögel möglichst realistisch, aber gleichzeitig auch lustig aussehen sollen. Auch den genauen Maßstab einzuhalten, ist nicht immer einfach - besonders bei großen Exemplaren, die schnell instabil werden. Das schwerste Projekt bislang war allerdings eine kleine Mandarinente, bei der allein das Gefieder unzählige Details aufweist.

Rund 200 Vögel hat Beltran Herrera bereits gebastelt, darunter Hühner, Rotkehlchen, Flamingos Tukane, Kolibris oder Eisvögel. Welche Vögel Beltran Herrera gern noch gestalten würde? Vor allem gewöhnliche wie Tauben oder Möwen, aber auch einen Pelikan oder einen Pieper hat sie sich vorgenommen. An Eulen oder Adler hat sie sich bislang noch nicht herangewagt. "Ich denke, es ist möglich, aber die Muster sind schwierig", sagt sie. "Das wird viel Zeit in Anspruch nehmen."

Mit ihrem Projekt verfolgt die Künstlerin ein klares Ziel: "Indem ich die Natur auf interessante Weise präsentiere, hoffe ich, dass wir uns bewusst werden, was es da draußen alles gibt. Und wie schön, zerbrechlich und wichtig die Tiere sind und, dass wir uns mehr um sie sorgen sollten."

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