Stil

Dior-Modenschau in Marokko

Made in Africa

Das Modehaus Dior hat in Marrakesch eine afrikanisch inspirierte Kollektion gezeigt. Dem Vorwurf kultureller Ausbeutung will Designerin Maria Grazia Chiuri entgehen: Sie engagiert vor allem einheimische Kollegen.

REUTERS
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Dienstag, 30.04.2019   16:03 Uhr

Cruise-Kollektionen waren ursprünglich für Kundinnen gedacht, die sich für ihre Sommerurlaube ausstaffieren wollten. Und weil die wohlbetuchte Klientel Zerstreuung früher häufig auf Kreuzfahrtschiffen suchte, tauften die Modemarken ihre zwischen den offiziellen Saisons präsentierte Ware eben nach den Vergnügungsdampfern (englisch cruise ships). Welche Bedeutung diese Kollektionen inzwischen für die Häuser haben, zeigte sich am Montagabend in Marrakesch, wo Dior mit viel Tamtam seine neueste Damenkollektion inszenierte.

Als Kulisse diente der El-Badi-Palast, eine ehemalige Königsresidenz aus dem 16. Jahrhundert mitten im Stadtzentrum. Aus Hollywood wurden extra die Oscar-Preisträgerin Lupita Nyong'o und ihre Schauspielkollegin Shailene Woodley eingeflogen, um in der ersten Reihe Platz zu nehmen. Davor erleuchteten Hunderte schwimmende Kerzen den Laufsteg für eine westafrikanisch inspirierte Damenkollektion.

114 Looks hatte die Dior-Designerin Maria Grazia Chiuri im Gepäck. Bunte, großflächige Muster sind das offensichtlichste Bindeglied der Kollektion. Ansonsten ist das Angebot breit und groß genug, um sicherzustellen, dass für jeden Geschmack etwas dabei ist: Safari-Jacken und klassische Anzüge, elegante Abendgarderobe und luftige Sommerkleider, Workwear und Jeanslooks. Das Material reicht von Seide über Denim und Wachsstoff bis hin zu Lammfell.

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Chiuris Palette deckt auch deshalb so viele Stilrichtungen ab, weil derartige Zwischenkollektionen längst ein wichtiger Umsatztreiber geworden sind - nicht zuletzt, weil die Teile mehr Ladenzeit bekommen als reguläre Saisonware.

Abgesehen von den Teilen aus Jeansstoff sind die Farben erdig, vor allem Braun- und Grüntöne waren zu sehen, hier und da ein Tupfer Gelb, manchmal sogar Gold. Außerdem natürlich die Klassiker Blau, Schwarz und Weiß. Bis auf ein roséfarbenes Abendkleid und ein paar blassgrüne Outfits verzichtet Chiuri auf angesagte Pastellfarben. Den kommenden Batik-Trend nutzt sie aber für Jeanshosen, zu denen Stoffe mit Grafiken in Indigoblau passen.

Die Schnitte sind körperbetont, aber nie ordinär - die Dior-Frau war schon immer elegant. Nur wenige Säume enden über dem Knie. Hotpants oder die zuletzt wieder vermehrt auf Laufstegen gesichteten Radlerhosen stehen nicht auf dem Programm. Die Hosen sind weit und lang, so wie sie Chiuri selbst am liebsten trägt.

Wachsstoffe und Design aus Westafrika

Einen Teil der Stoffe für die Kollektion bezog das Modehaus von der Elfenbeinküste. Der Auftrag dafür ging an Uniwax, eine Fabrik in Abidjan am Golf von Guinea, die sich auf Wachsstoffe spezialisiert hat. Geliefert wurden aufwendig produzierte, teilweise beidseitig mit Blumen- und Figurmotiven bedruckte Textilien. "Wir reden hier von richtiger Handarbeit, wie bei der Couture", sagte Chiuri einem Reporter von Reuters wenige Tage vor der Schau.

Unterstützung holte sich die Dior-Designerin aber noch aus anderen westafrikanischen Ländern. Der Designer Pathé Ouedraogo aus Burkina Faso, zu dessen Kunden Nelson Mandela zählte, entwarf für Chiuri ein Hemd im Stil jener, die der ehemalige südafrikanische Präsident früher von ihm gekauft hatte. Auf der Rückseite prangt denn auch das Konterfei Madibas. Die Hüte machte die nigerianische Hutmacherin Daniella Osemadewa.

An der Kollektion mitgewirkt hat außerdem die britische Designerin Grace Wales Bonner, die bereits 2014 mit einer Mischung aus europäischer und westafrikanischer Mode für Aufsehen gesorgt und damit den L'Oréal Professional Talent Award gewonnen hatte. Sie bekam von Chiuri den Auftrag, das ikonische "Bar Jacket" von Christian Dior neu zu interpretieren.

Die interkontinentale Zusammenarbeit ist ein kluger Schachzug Chiuris, nicht nur unter ästhetischen Gesichtspunkten. Damit nimmt sie auch all jenen Kritikern die Luft aus den Segeln, die ihr andernfalls leicht eine ausbeuterische Aneignung fremder Kulturen hätten vorwerfen können, wie sie gerade afrikanische Designer zuletzt häufiger geäußert hatten. "Es hilft uns, eine andere Blickweise einzunehmen", sagte die Designerin über ihre Strategie. Alles andere sei heutzutage unglaubwürdig. Wer Chiuri und ihre Arbeit kennt, weiß, dass es ihr damit ernst ist.

Mit Material von Reuters

insgesamt 1 Beitrag
dasfred 01.05.2019
1. Ich finde die Kollektion gelungen
Die Schnitte sind sehr feminin und wirken auch in größeren Größen. Besonders die Stoffe haben es mir angetan. Afrikanische Batikstoffe bestechen meist durch ihre Farbkombinationen, allerdings ist nicht jede für jeden Typ Frau [...]
Die Schnitte sind sehr feminin und wirken auch in größeren Größen. Besonders die Stoffe haben es mir angetan. Afrikanische Batikstoffe bestechen meist durch ihre Farbkombinationen, allerdings ist nicht jede für jeden Typ Frau geeignet. Die Übernahme traditioneller Elemente hat der Kollektion gut getan. Sie wirkt seltsam vertraut, obwohl sie völlig neu interpretiert.

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