Stil

Kulturelle Aneignung

Louis Vuitton soll Stickmuster kopiert haben

Ärger für Louis Vuitton. Die mexikanische Regierung wirft der Luxusmarke kulturelle Aneignung vor. Die Firma versucht nun, die Wogen zu glätten und möchte mit mexikanischen Kunsthandwerkern kooperieren.

Louis Vuitton

Wer hat's erfunden? Der Stuhl aus der Dolls-Serie von Louis Vuitton

Donnerstag, 11.07.2019   12:17 Uhr

Die französische Luxusmarke Louis Vuitton hat auf Vorwürfe kultureller Aneignung aus Mexiko reagiert. Das Unternehmen teilte am Mittwoch mit, es stehe derzeit in Kontakt mit Kunsthandwerkern aus der Stadt Tenango de Doria, um Möglichkeiten einer Zusammenarbeit auszuloten. Konkret geht es um die Herstellung eines Stuhls aus der Möbelserie Objets Nomades.

Das Designerstück sorgt in Mexiko für Empörung, weil der Stoffbezug traditionellen Textilmustern aus dem zentralmexikanischen Bundesstaat Hidalgo ähnelt. Die Regierung wirft dem Modehaus daher vor, in dem farbenfrohen Sitz aus der Kollektion "Dolls by Raw Edge" mexikanisches Kunsthandwerk kopiert zu haben.

Das Design mit Tier- und Pflanzenmotiven beinhalte Elemente der Stickereien, welche in Tenango de Doria gefertigt werden und zum geistigen Eigentum seiner Hersteller und der Gemeinde gehören, hatte Mexikos Kulturministerin Alejandra Frausto vergangene Woche an den Vertreter von Louis Vuitton in Mexiko, Héctor Pardo, geschrieben.

Wie die Produkte von Louis Vuitton zeichne sich auch Mexikos Kulturgut durch Originalität und Qualität aus, und die Regierung schütze dies, so Frausto. Und weiter: "Wir sehen uns in der Pflicht, respektvoll zu fragen, ob sie für die Herstellung des Sitzes die Zusammenarbeit mit der Gemeinde und ihrer Handarbeiter gesucht und diese auch einbezogen haben." Frausto regte zur Klärung der Vorwürfe Gespräche zwischen dem Unternehmen, der Gemeinde und der Regierung an.

"Erbe des Reisens"

Auf der Webseite von Louis Vuitton heißt es zu dem 14.000 Euro teuren Stuhl: "Klassische Handwerkskunst aus aller Welt sowie das umfassende Erbe des Reisens des Hauses Louis Vuitton dienten den Designern als Inspiration." Der Entwurf stammt von Shay Alkalay und Yael Mer. Das Ehepaar bildet zusammen das Designerduo Raw Edges. Seit 2015 arbeitet ihr Londoner Büro für das Möbelprogramm von Louis Vuitton.

Zur Einführung des Stuhls sagten die Designer in einem Interview mit dem Architekturmagazin "Architectural Digest", ihre Arbeit sei sehr farbintensiv, die Designs fußten aber immer auf einem Prinzip. Inspiration zögen sie aus allem - von Volkskunst bis hin zu Arbeiten des Textildesigners Alexander Girard. "Das sind unsere Richtlinien, aber wir wollen immer etwas anderes machen", so Mer.

Die Vorwürfe gegen Louis Vuitton sind die jüngsten in einer ganzen Reihe vergleichbarer Anschuldigungen gegen Modemarken und Designer. Zuletzt stand Kim Kardashian in der Kritik, weil sie ihre neue Unterwäschelinie "Kimono" getauft hatte. Nach heftigen Protesten in sozialen Medien und aus Japan gab Kardashian schließlich nach und kündigte an, den Markennamen zu ändern.

löw/dpa/AP

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