Stil

Streetstyle

Brüsseler Allerlei

Die Anzugdichte ist hoch in Brüssel, besonders im Europaviertel. Doch eigentlich ist Belgiens Hauptstadt bunt. Diese Stadt hat nicht eine Farbe, sondern viele Farben: belgische, europäische, afrikanische.

Kevin Faingnaert
Von Eric Bonse
Mittwoch, 22.05.2019   06:29 Uhr

Diese Stadt hat nicht eine Farbe, sondern viele Farben: belgische, europäische, afrikanische. Die Einflüsse kommen aus Antwerpen und Gent, aus Paris und London. Sogar der Kongo setzt Akzente, vor allem im Matonge-Viertel, das auch "Klein-Kinshasa" genannt wird. Wer hier zu Besuch ist, wähnt sich fast in Afrika, so bunt und folkloristisch sind die Kleider.

Vielleicht liegt es an dieser Vielfalt, dass das gediegene Schwarz - Markenzeichen vieler flämischer Modeschöpfer - immer mehr Farbtupfer bekommt. "Die Belgier sind viel experimenteller geworden", sagt die deutsche Designerin Conni Kaminski, die seit zehn Jahren eine eigene Boutique im historischen Zentrum von Brüssel unterhält. "Sie trauen sich an Farbe und wagen den Kulturmix."

Ein bunt bedrucktes Batikhemd aus Afrika zu einer blauen Denim-Jeans made in USA, das ist noch die leichteste Übung. Fortgeschrittene tragen mehrere Lagen mit verschiedenen Mustern. Secondhand- Klamotten gehen mit Designer-Stücken von Dries Van Noten oder Haider Ackerman zusammen. Und wenn es mal wieder regnet, darf es auch ein schwarzer Blouson sein - natürlich mit einem farbigen Tuch, s'il vous plaît.

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Fotostrecke: Die Farben von Brüssel

Das ist kein Downgrading und erst recht kein Stilbruch, sondern belgische Lebensart, die immer irgendwie an die Maler Magritte und Hergé erinnert - halb surreal und halb Comicstrip. Zur Meisterschaft hat diesen abgedrehten Mix der Musiker Stromae gebracht. Mit seinem eigenen Modelabel Mosaert versucht er neuerdings, Tim und Struppi neu einzukleiden, so wirkt es jedenfalls manchmal.

Wer sich nach Brüsseler Art kleiden will und Inspirationen sucht, wird in der Rue Dansaert fündig. Seit Sonja Noël hier 1984 ihre mittlerweile legendäre Boutique STIJL mit einer Auswahl belgischer Kollektionen von Ann Demeulemeester oder A.F. Vandevorst eröffnet hat, ist die früher unscheinbare Straße im historischen Kanalviertel zur Flaniermeile für Modeliebhaber aus aller Welt geworden. Was Rang und Namen hat, findet sich hier. Auch Vintage ist reichlich vertreten.

Aus dem S-Magazin

Und was sagt die Grande Dame des Brüsseler Modeviertels zu den Farben der Saison? "Unsere Farbe ist die Kreativität", antwortet Noël. Man könne alles mixen, es gebe keine Tabus. Und dann verrät sie doch noch einen Trend. "Wir haben viel Glück, dieses Jahr kommen Rot und Grün ganz groß raus". Der Frühling in Brüssel ist politisch.


Anmerkung: In einer früheren Version des Textes haben wir den Namen des Malers mit Hervé angegeben. Es gab zwar einen französischen Impressionisten namens Jules-René Hervé, gemeint war aber der Brüsseler Maler und Zeichner Georges Prosper Remi alias Hergé. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

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