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Das macht nachhaltige Mode aus

Der Markt für fair und umweltschonend produzierte Kleidung wächst. Auch viele günstigere Ketten haben inzwischen Eco-Linien. Doch was macht nachhaltige und faire Mode aus, und wie erkennt man sie?

TMN/ Armedangels
Mittwoch, 20.03.2019   10:43 Uhr

Vier Modekollektionen jährlich, für jede Jahreszeit eine - so war das mal. Längst bringen die Firmen bis zu zwölf Kollektionen im Jahr in die Läden. "Die Preise werden günstiger und die Qualität gleichzeitig schlechter", sagt Verena Bax, Ressourcenexpertin vom Naturschutzbund (Nabu). Rund 70 Stücke kauft jeder Deutsche im Jahr, die meisten sind weder fair noch umweltschonend produziert. Doch es gibt einen Gegentrend: Neben ökologischem Material wollen immer mehr Menschen, dass ihre Kleidung unter menschenwürdigen Arbeitsbedingungen hergestellt wird.

Fair, nachhaltig oder eco-fair - wo liegen die Unterschiede?

Viele Begriffe tummeln sich in der nachhaltigen Modewelt. Auf den ersten Blick scheinen sie ähnlich, doch es gibt Unterschiede. "Faire" Mode meint gute Arbeitsbedingungen entlang der Produktionskette. "Grün" ist Mode, wenn sie aus ökologisch abbaubaren Materialien besteht und weitestgehend auf Chemikalien verzichtet wurde. Beide Aspekte ließen sich aber auch vereinen, erklärt Sophia Schneider-Esleben, Designerin für Nachhaltigkeit aus Kassel und Mitglied im Verband der deutschen Mode- und Textildesigner. "Eco-fair fasst ökologische Materialien und faire Produktionsbedingungen zusammen."

Schwierig wird es bei dem Begriff "nachhaltig". Denn was nachhaltig ist und was nicht, wird von jedem Designer und Label anders interpretiert. "Die meisten setzen daher Schwerpunkte und spezialisieren sich entweder auf den fairen oder ökologischen Aspekt", sagt Dominique van de Pol, Expertin für nachhaltige Mode aus Essen. Nur wenige vereinten beides. Was einem selbst am Herzen liege, müsse also jeder für sich selbst entscheiden.

Wie erkennt man faire und ökologische Mode?

Ob auf diese Aspekte geachtet wurde, zeigen zertifizierte Siegel. Meistens sind sie direkt am Etikett angebracht. Die App Siegelklarheit, initiiert vom Bundesentwicklungsministerium (kostenlos in iTunes und im Google Play Store), kann helfen, sie zu verstehen. Dazu müssen Nutzer einfach das Siegel mit der Kamera des Smartphones scannen und die Informationen so abrufen.

Welche Siegel sind am bekanntesten?

Allen voran steht das Global-Organic-Textile-Siegel (GOTS). Es hat strenge ökologische und soziale Kriterien entsprechend der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO). Die strengsten Richtlinien für eine nachhaltige und soziale Textilproduktion in Europa hat das Naturtextil-IVN-zertifiziert-BEST-Siegel vom Internationalen Verband der Naturtextilwirtschaft (IVN). "Bei Outdoor-Produkten weist das Siegel von Blue Sign darauf hin", ergänzt Nabu-Expertin Bax.

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Faire und ökologische Mode: Labels und Siegel

Von Fairtrade gibt es gleich zwei Siegel: Das Baumwollsiegel deckt die erste Stufe der Textilproduktion ab und steht für umweltschonend und fair produzierte Rohbaumwolle. Von dort bis hin zum fertigen Produkt setzt der Fairtrade-Textilstandard an. Er achtet auch auf faire Arbeitssituation entlang der Lieferkette. Dafür steht auch das Siegel der Fair Wear Foundation (FWF).

Das Problem: "Manche Labels können sich eine Zertifizierung nicht leisten", erklärt Designerin Schneider-Esleben. Sie empfiehlt, sich gerade bei kleineren Labels im Internet oder im Geschäft beim Händler über die Produktionsbedingungen zu informieren.

Welches Material ist nachhaltig?

Am besten sind zertifizierte Ökobaumwolle und Naturfasern, da bei deren Herstellung weniger giftige Abwasser entstehen. Vermeiden sollte man Materialien, die stark mit Chemikalien behandelt werden oder aus Kunststoffen bestehen. "Zu den synthetischen Chemiefasern gehören Polyester, Polyethylen und Elastan", erläutert Bax. Schon bei der Herstellung gelangen giftige Chemikalien ins Abwasser. Später beim Waschen sind es Mikroplastiken.

Da Kunststofffasern sich nicht kompostieren lassen, sollte man sie so lange wie möglich tragen. "Am besten, man wäscht, trocknet und bügelt sie nur so wenig wie möglich und lüftet sie nur aus", rät Bax. Wichtig ist schließlich auch das Recycling. "Ausrangierte Stücke lieber verschenken, als Putzlappen recyceln oder zum Wertstoffhof bringen." In die Restmülltonne gehören sie nur, wenn sie stark mit Chemikalien belastet sind.

Sind diese Kleidungsstücke nicht vergleichsweise teuer?

Selbst mit kleinem Budget findet man mittlerweile bei den großen Ketten Kollektionen aus Biomaterialien. "Durch den gezielten Kauf von Biokollektionen zeigt man dem Unternehmen, wohin die Richtung gehen sollte", sagt van de Pol. Der Preis für ein T-Shirt aus Biobaumwolle liegt dabei oft nur minimal höher als der für ein Marken-T-Shirt aus konventioneller Baumwolle. Preiswerter und noch umweltschonender sind gebrauchte Stücke. "Secondhand hat die beste Ökobilanz, was den Wasserverbrauch und Pestizide angeht", so van de Pol.

löw / Jule Zentek, dpa

insgesamt 5 Beiträge
dasfred 20.03.2019
1. Klamotten sind zu billig
Wie viel Kleidung brauchen wir. Diese Frage stellt heute kaum noch jemand. Die Zeiten, als ein Wintermantel zehn Jahre getragen wurde sind lange vorbei. Kleidung ist zum Suchtmittel verkommen. Es muss ständig neu gekauft werden. [...]
Wie viel Kleidung brauchen wir. Diese Frage stellt heute kaum noch jemand. Die Zeiten, als ein Wintermantel zehn Jahre getragen wurde sind lange vorbei. Kleidung ist zum Suchtmittel verkommen. Es muss ständig neu gekauft werden. Was nützt es, wenn ein Teil biologisch, nachhaltig und fair produziert wird. Die Masse will Masse. Bunt und billig. Unser Konsum darf nicht nur auf öko gelenkt werden, er muss wieder nach Nutzen und Sinnhaftigkeit fragen.
bartnelke 20.03.2019
2. Elastan, Mode und schlechter Geschmack
in den letzten Jahren hat der Elastananteil in Biojeans zugenommen, dieser dämliche used look, mit Gebrauchsspuren an unmöglichsten Stellen, nimmt auch überhand. Hinzu kommt der schlechte Geschmack des Kunden heute nicht mehr [...]
in den letzten Jahren hat der Elastananteil in Biojeans zugenommen, dieser dämliche used look, mit Gebrauchsspuren an unmöglichsten Stellen, nimmt auch überhand. Hinzu kommt der schlechte Geschmack des Kunden heute nicht mehr zu mögen was er erst gestern gekauft hat. jeder der billig kauft sollte sich selbst mit Mindestlohn zufrieden geben
varesino 21.03.2019
3. Nachhaltige Mode?
Nachhaltige Mode? Mode, also permanent, mehrmals im Jahr etwas "Neues". Wie soll dieser Unfug nachhaltig werden? Nachhaltig heisst langlebig, etwas wird ersetzt wenn es verschlissen ist, die Funktion nicht mehr [...]
Nachhaltige Mode? Mode, also permanent, mehrmals im Jahr etwas "Neues". Wie soll dieser Unfug nachhaltig werden? Nachhaltig heisst langlebig, etwas wird ersetzt wenn es verschlissen ist, die Funktion nicht mehr gewährleistet. Der Artikel macht einmal mehr Werbung für eine Art modernen Ablasshandels.
austie13 21.03.2019
4. "fair &öko" ist zwar gut, aber WIRKLICH nachhaltig ist..
"Nachhaltig" bedeutet so viel mehr als nur, aus welchem Materiel unser Kleidung gemacht ist. Wir müssen nicht nur an die Auswirkungen auf unsere Natur denken, weil das ist nur ein Teil, ja, ein enorm wichtiger Teil, [...]
"Nachhaltig" bedeutet so viel mehr als nur, aus welchem Materiel unser Kleidung gemacht ist. Wir müssen nicht nur an die Auswirkungen auf unsere Natur denken, weil das ist nur ein Teil, ja, ein enorm wichtiger Teil, aber nur ein Teil. Nachhaltige Kleidung sollte auch eine positive Auswirkung für die Menschen haben, die die Kleidung herstellen. Unsere Kaufentscheidung kann einen großen Unterschied machen, nicht nur für "die Welt" sondern auch für jede Person, die in die Produktion involviert ist. Firmen wie Made in Freedomarbeitet mit Frauen, die aus der Sex-Sklaverei in Indien befreit wurden. Die T-Shirts sind alle "fair & Eco", GOTS und WFTO zertifiziert, und blah blah blah, aber was am WICHTIGSTEN ist: diese Frauen haben eine neues Leben in Freiheit bekommen. DAS ist nachhaltig.
PRAN1974 22.03.2019
5.
"Da Kunststofffasern sich nicht kompostieren lassen, sollte man sie so lange wie möglich tragen. "Am besten, man wäscht, trocknet und bügelt sie nur so wenig wie möglich und lüftet sie nur aus", rät Bax." [...]
"Da Kunststofffasern sich nicht kompostieren lassen, sollte man sie so lange wie möglich tragen. "Am besten, man wäscht, trocknet und bügelt sie nur so wenig wie möglich und lüftet sie nur aus", rät Bax." Pech nur, dass gerade Kunststofffasern schnell stinken wie die Pest, wenn mal mal kurz ins Schwitzen geraten ist oder im Winter die Heizung ordentlich aufdreht. Acrylpullis oder Polyester-Oberteile kann man oft keine zwei Tage hintereinander anziehen. Die Empfehlung, sie nur auszulüften, finde ich geradezu lächerlich. Lieber gar nicht erst kaufen. Naturmaterialien sind nicht nur besser fürs Klima, sondern auch besser fürs eigene Wohlgefühl in der Kleidung.

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