Stil

Stadtansichten von Stralsund bis Bayreuth

Schöner Stein

Fachwerkhäuser, Gründerzeit-Boulevards, Plattenbauten: Der Fotograf Jörg Dietrich reist seit zehn Jahren durch die Republik. Seine Bilder von Straßenzügen zeigen Deutschlands architektonische Vielfalt.

Jörg Dietrich
Von
Mittwoch, 30.10.2019   12:51 Uhr

Von Rostock im Norden bis Freiburg im Süden, von Monschau im Westen bis Görlitz im Osten. Die Aufnahmen von Jörg Dietrich zeigen Deutschlands architektonische Vielfalt auf eine besondere Art: Der Fotograf montiert die Häuserfronten digital zu Panoramen.

Seit knapp zehn Jahren reist er durch Deutschland, um Stadtansichten festzuhalten für sein Projekt " Germany Street Fronts". Mittlerweile umfasst sein Archiv rund 250 Orte.

Mithilfe der unterschiedlichen Fotos lassen sich Vergleiche anstellen: Was ist typisch im Westen? Welche regionalen Unterschiede und Traditionen gibt es? Worin gleichen sich Groß- und Kleinstädte, was unterscheidet sie? Welche Rolle spielt dabei das Baukulturerbe? "Ich will zeigen, wie sich Städte zusammensetzen und welche versteckte architektonische Vielfalt man finden kann", sagt Dietrich.

Die Zöllnerstraße in Celle etwa ist das typische Beispiel eines Fachwerkensembles, wie es in vielen niedersächsischen Städten steht. Exemplarisch für moderne Stadtarchitektur ist dagegen das Bauhaus in Dessau. Aber auch Plattenbauten aus Ost- und Westdeutschland oder die zeitgenössische Architektur der Hamburger HafenCity sind zu sehen.

Fotostrecke

Deutschlandreise: Einkaufsmeilen und Marktplätze

Fast hundert solcher Stadtansichten aus mehr als 40 Städten unterschiedlicher Regionen Deutschlands reisen derzeit in der Ausstellung "Germany Street Fronts" quer durch die USA. Sie sind ein Beitrag für das Jahr der deutsch-amerikanischen Freundschaft. Ein Gemeinschaftsprojekt von Goethe-Institut, Bundesverband der Deutschen Industrie und Auswärtigem Amt.

Die eigentliche Auswahl der Häuserfronten erfolgt erst in der Nachbearbeitung: Dietrich schaut sich alle Fotos am Rechner an und wählt dann die besten für seine Panoramen aus. Die Motive können ein Touristenmagnet sein oder klassische Industriearchitektur, aber auch Gebäude, die ein bestimmtes Problem aufzeigen.

Skalieren, überblenden, montieren: Wie ein Panorama entsteht

Dietrich fotografiert die Häuser von vorn aus ein paar Meter Entfernung. Dann bearbeitet er die einzelnen Frontansichten digital am Computer: Er korrigiert die Perspektive, skaliert, überblendet und montiert die Einzelbilder so zu einem Panorama. Eine zeitaufwändige Arbeit, die manchmal rund eine Woche dauert.

Das Projekt wird Dietrich weiterführen - unzählige unbearbeitete Bilder warten noch in seinem Archiv, und es werden immer mehr. Denn derzeit fotografiert er Städte in den USA, um in neuen Bildern die Unterschiede zwischen deutscher und amerikanischer Baukultur aufzuzeigen.

insgesamt 5 Beiträge
joachimwenk 30.10.2019
1. Noch mehr Stadtansichten
Wirklich einen interessanten Artikel haben Sie geschrieben. Es gibt aber durchaus mehr und ältere solcher Aktivitäten: Ich mache das bereits seit 1988 und bin seit Ende 1999 damit im Internet vertreten. Auf meiner Webseite [...]
Wirklich einen interessanten Artikel haben Sie geschrieben. Es gibt aber durchaus mehr und ältere solcher Aktivitäten: Ich mache das bereits seit 1988 und bin seit Ende 1999 damit im Internet vertreten. Auf meiner Webseite (www.cityalbum.de) finden Sie Städte-Fotos aus Deutschland, Dänemark, United Kingdom, Frankreich, Italien, Fürstentum Liechtenstein, der Schweiz, Österreich, Tschechien, Slowenien, Ungarn, den Niederlanden, Belgien und dem Großherzogtum Luxemburg, insgesamt Bilder aus über 600 Städten.
HeinerLeiska 30.10.2019
2. @joachimwenk
Als Fotograf sollten Sie genauer hingesehen und auch gelesen haben: Die genannten Ansichten sind montiert aus mehreren Aufnahmen von verschiedenen Standpunkten, sind sogenannte Abwickler. Sie sind zwar handwerklich und [...]
Als Fotograf sollten Sie genauer hingesehen und auch gelesen haben: Die genannten Ansichten sind montiert aus mehreren Aufnahmen von verschiedenen Standpunkten, sind sogenannte Abwickler. Sie sind zwar handwerklich und perspektivisch nicht sonderlich sauber gemacht, sind aber doch sehr unterschieden von Ihren vielen Fleißfotos.
kemosch 30.10.2019
3. ?
Berlin wurde ab 2000 architektonisch vollkommen vers.ut! "Berlins Museen sind alt, beliebt - und baufällig. Der Bundesrechnungshof schlägt Alarm. Gefährdet sind nicht nur die verfallenden Bauten, sondern auch etliche [...]
Berlin wurde ab 2000 architektonisch vollkommen vers.ut! "Berlins Museen sind alt, beliebt - und baufällig. Der Bundesrechnungshof schlägt Alarm. Gefährdet sind nicht nur die verfallenden Bauten, sondern auch etliche Kunstwerke. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz räumt Probleme ein und kündigt einen Plan an." Es kostet dem Steuerzahler "gar nichts"!!! Der "nephrokalyptische ;-)Vorbau des neues "Neuen Museums" ist eine Katastrophe für das alte Gebäude. Aber in Berlin darf sich jeder Architekt austoben, der in anderen Länder keien Auftrag bekommt! Architekt BER -Flughafen + Spaßbad Potsdam(23mio€) ! Gut, daß Sachsen auf seine Städte aufpasst!
j.w.pepper 30.10.2019
4. Mich erinnern die hiesigen "Stadtansichten"...
...an Modelleisenbahn-Hintergründe, in denen die Häuser ebenso bewusst ohne Perspektive dargestellt waren, damit sie nicht sofort als Fremdkörper auffallen, wenn man am falschen Ort steht. Und sowohl meine Frau als auch ich [...]
...an Modelleisenbahn-Hintergründe, in denen die Häuser ebenso bewusst ohne Perspektive dargestellt waren, damit sie nicht sofort als Fremdkörper auffallen, wenn man am falschen Ort steht. Und sowohl meine Frau als auch ich dachten zunächst beim Düsseldorfer Anreißer-Foto, hier tobe sich ein naiver Maler aus. Kann man mögen, muss man aber nicht.
dirk.resuehr 31.10.2019
5. Vielfalt ja, Schönheit?
Dauerhaft, funktional und schön solls sein. Ist ein Rechteck mit Schießscharten schön? Das ist die Frage. Die Zeitgenössische Architektur ist eh ein mehr oder weniger verzweifelter Versuch, das -Bauhaus zu imitieren oder zu [...]
Dauerhaft, funktional und schön solls sein. Ist ein Rechteck mit Schießscharten schön? Das ist die Frage. Die Zeitgenössische Architektur ist eh ein mehr oder weniger verzweifelter Versuch, das -Bauhaus zu imitieren oder zu übertreffen. In den Bauten davor und im Bauhaus kann man Schönheit entdecken, danach kaum. Gequälter Einheitsbrei.

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