Stil

Mixer für Hobbyköche

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Gemixt wird immer. Doch welches Gerät braucht man wirklich für welchen Küchenjob? Hobbykoch Peter Wagner verrät es Ihnen.

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Freitag, 09.08.2019   19:49 Uhr

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Auf die Frage, welche drei Dinge sie auf eine einsame Insel mitnehmen würden, antworten Menschen die seltsamsten Sachen. Anstatt naheliegend "Lebenspartner, Entsalzungsanlage, Gemüsegarten" zu sagen, hört man Antworten wie "Sonnenbrille, Kondome, Sangria-Eimer" oder "meinen Lockenstab".

Wenn bei den Befragten einer dabei ist, der sein Geld mit Kochen verdient, wird mit 99-Plus-Wahrscheinlichkeit "Zauberstab" unter den Antworten sein. Und das ist, vorbehaltlich der Frage nach einer stabilen Stromversorgung auf dem Eiland, eine absolut sinnvolle Idee. Denn gemixt wird ja immer. Und auch ich würde zum Fremdkochen nie ohne meinen Stabmixer auftauchen - man weiß ja nie, wo man da hineingerät.

ESGE-Zauberstab M 160 G Gourmet

Stabmixer gibt es zwar nicht wie Sand am Meer, aber das Angebot mehrerer Dutzend dieser Geräte macht die Wahl zur Qual. Es sei denn, man schaut sich vor dem Kauf an den Arbeitsplätzen der Berufsköche um. Nicht zu sehen sein werden da chromblitzende "Edelmixer im schicken Retrodesign". Ebenso wenig wie Geräte mit Akkubetrieb, geradem Kabel, Folientastern, heißlaufenden Motörchen, oder einer geschlossenen und nicht abschraubbaren Abdeckung um die Schlagscheibe/Mixmesser. Stattdessen sieht man bei den hauptberuflich Kochschaffenden so gut wie immer den "Zauberstab" in einem hohen Wassertöpfchen, das Spiralkabel in der Überkopf-Dose steckend. Dieser Einhandmixer püriert (fast) alles, ist ratzfatz gesäubert und ersetzt im Privathaushalt mit ein bisschen Zubehör sogar die Küchenmaschine.

Zum Autor

Der Schweizer Tüftler Roger Perrinjaquet hatte als erster die Idee, einen kräftigen, aber kompakten Elektromotor in einen Handgriff zu bauen, der seine Rotation mittels einer Antriebswelle an ein weiter unten angebrachtes Messer leitet - am 6. März 1950 meldete er in Lausanne sein Patent für ein "tragbares Haushaltsgerät" an. Das Prinzip wurde 1954 von eidgenössischen Firma ESGE erstmals zu einem Produkt weiterentwickelt. Trotz etlicher Besitzerwechsel (seit 1990 Teil des Hockenheimer Familienunternehmens Unold; in der Schweiz weiterhin als "bamix" im Handel) ist der geschützte ESGE-Begriff "Zauberstab" zum Synonym für diese Gerätefamilie geworden.

Der M 160 G rührt, mixt oder zerkleinert mit wechselbarer Schlagscheibe und Spezialmesser, bärenstarkem Motor, abschraubbarem Mixkopf (Spülmaschine!) und bis zu 15.000 Umdrehungen pro Minute alles, was in einem Hobbykochleben so anfällt. Serienmäßig ist ein Mixbecher dabei, sowie ein kleiner Plastik-Zerkleinerer für die Handvoll Nüsse, die man manchmal auf die Schnelle gemahlen braucht. Sinnvolles Extra-Zubehör: die Quirlscheibe zum Sahneschlagen und das spezielle Fleischmesser, mit dem sich sogar Farcen in Kleinmengen herstellen lassen. Und wer den großen Mixer/Raspler "Zauberette" zukauft, muss seine Zwei-Personen-Haushalt-Küche nicht mit irgendeiner Küchenmaschine zustellen.

Was ist das? Ein Elektro-Stabmixer, mit dem sich so ziemlich alles mixen, zerkleinern, aufschlagen und pürieren lässt.

Wer braucht das? Eigentlich jeder, der mehr als einmal pro Woche halbwegs ambitioniert Essen zubereitet.

Was kostet das? Der kleinste ESGE kostet circa 70 Euro (Eintauchtiefe 23 cm; 10.000U/Min.). Gastro-taugliche Geräte wie der M 160 G ab 140 Euro. Spitzenmodell ist der für Zuhause ein bisschen überdimensionierte G350 mit 22.000 U/Min. (circa 190 Euro) der 39 Zentimeter tief eingetaucht werden kann.

Bosch Standmixer SilentMixx Pro

Im Dasein vieler Hobbyköche kommt irgendwann der Punkt, wo das Leben zum Rührstück wird. Zum Beispiel, wenn die Tochter in die Smoothie-Pubertät kommt, die Freunde immer lautstarker nach Longdrinks mit Crushed Ice verlangen, das Urban Farming plötzlich kaum zu bewältigende Fruchtmengen abwirft oder ein Familienmitglied den neuen Diätratgeber "Schlank mit Milchshake" nach Hause schleppt. Dann ist Schluss mit lustigem Pürierstabschwingen. Ein Blender muss her. Blender kommt vom englischen Wort für mixen ("blend") und steht für leistungsstarke Standmixer, die in ihrem Becheraufsatz mehr als zwei Liter Wasauchimmer in Sekundenschnelle in einen gebissfreundlichen Brei verwandeln können. Von der schieren Zerkleinerungsleistung her gesehen spielt hier der von vielen heißgeliebte, aber auch genauso oft innig gehasste Thermomix natürlich in der ersten Liga mit. Aber nicht jeder braucht die Kochfunktion, weswegen der klassische Standmixer noch lange nicht auf der Liste der vom Aussterben bedrohten Küchen-Arten steht.

Wie immer im Leben kann man da am Anfang jede Menge Fehler machen, indem man sich zum Beispiel von cleverer TV-Werbung zum Kauf eines scheinbar günstigen Alleskönners verleiten lässt, der sich dann im harten Küchenalltag als so gut wie unreinigbar herausstellt - und beim ersten Versuch, Paranüsse zu schreddern, erst den hochgelobten "Tritan"-Plastikbecher zerschießt, und kurz darauf raucht der heißgelaufene Motor ab. Jenseits der 100-Euro-Schwelle gibt es dagegen viele brauchbare Standmixer, von denen der Bosch MMB66G5MDE ein bisschen die Nase vorn hat: superstabiler Thermoglas-Behälter mit 2,3 Liter Inhalt und einem praktischen Deckelstöpsel, durch den man im laufenden Betrieb mit dem mitgelieferten Stopfer im zähen oberen Bereich des Mixgutes herumstößeln kann. Die scharfen Messer können mit einem Handgriff zum Reinigen entnommen werden, die meisten Teile dürfen in die Spülmaschine - und selbst in der Turbostufe bei 33.000 Umdrehungen ist die Kiste noch nicht so laut, dass die Nachbarn die GSG 9 rufen.

Was ist das? Ein solider, nicht zu lauter Standmixer für alles, was klein gemacht werden muss.

Wer braucht das? Smoothietrinker und andere Freunde gepflegter kulinarischer Blend-Werke.

Was kostet das? Ab etwa 100 Euro.

RÖSLE Spiralbesen

Wenige alltäglich benutzte Küchengeräte tragen Namen, die derart aus der Zeit gefallen scheinen wie der "Schneebesen". Okay, es gibt noch den Saucenpassierer "Flotte Lotte", der in dieser Disziplin natürlich unerreicht bleiben wird. Auf Dauer kommt kein Haushalt ohne diesen so simplen wie ergonomisch ausgefuchsten Emulgator aus, mit dem im wortsinnlichen Handumdrehen Pfannkuchenteige glatt gerührt, eine schnelle Mayo gequirlt oder die Sauce in der Sauteuse vom drohenden Anbrennen gerettet werden kann. Einen Standard-Rührer mit Edelstahlgriff und Planeten-Drähten hatte ich schon lange, bis mir ein wohlmeinender Geburtstagsgratulant einen neumodischen "Rührblitz" mit kleinen Silikonkugeln am Ende der ellenlangen dünnen Streben mitbrachte und mich belehrte: "Das ist die Zukunft des Schneebesens."

Nun ist bekanntlich die Zukunft schon lange nicht mehr das, was sie früher einmal war, und nachdem ich am nächsten Tag mühsam die halbe Küche bis hinauf zur Decke von den Sahnesaucenspritzern gereinigt hatte, die der Gebrauch des "Rührblitzes" blitzeschnell mit sich brachte, wusste ich: "Chromagarn ist nicht alles". Doch in einem Punkt hatte mich der heiße Besen geflasht - er kam viel besser in den unteren Sauteusenrand hinein als mein Altgerät.

Nach längerer Suche fand ich in dem Rösle Spiralbesen mit seinem halboffenen, im flachen Winkel abgespreizten Rührgeflecht, eine würdige Alternative zum anbrennfreien Saucenkochen, die ebenso gut in die Untiefen des Kochgeschirrs gelangt, die Sauce aber stets dort lässt, wo sie hingehört: im Topf, und nicht an der Wand.

Was ist das? Ein genial geformter Spiralrührer als perfekte Ergänzung zum konventionellen Schneebesen.

Wer braucht das? Saucenfans und alle, die auch mal da rühren wollen, wo andere im Traum nicht hinkommen.

Was kostet das? In 23 oder (besser) 27 Zentimeter Länge etwa gleich viel: rund 17 Euro.

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insgesamt 11 Beiträge
k70-ingo 09.08.2019
1. Wo sind die Klassiker?
Warum erwähnt Herr Wagner, der doch immer so ein Bohei um die Optik macht, nicht die wahren Klassiker Braun KM3 und KM32? Ist das originale Zubehörprogramm komplett vorhanden, mangelt es dem Hobbykoch an nichts - und das gute [...]
Warum erwähnt Herr Wagner, der doch immer so ein Bohei um die Optik macht, nicht die wahren Klassiker Braun KM3 und KM32? Ist das originale Zubehörprogramm komplett vorhanden, mangelt es dem Hobbykoch an nichts - und das gute Gefühl, einen legendären Klassiker bestimmungsgemäß zu nutzen, gibt es kostenlos dazu. Die Beschaffung, auch von Ersatzteilen, ist übrigens problemlos, vorausgesetzt, man hat ein paar Connections.
dasfred 09.08.2019
2. Billiges ist nix für die Arbeit
Trotzdem muss man nicht gleich zu Profi Geräten greifen, die für den täglichen Einsatz gedacht sind. Meine, mittlerweile vierzig Jahren alten Stand- und Stabmixer haben mich noch nicht enttäuscht, im Gegensatz zu billigen [...]
Trotzdem muss man nicht gleich zu Profi Geräten greifen, die für den täglichen Einsatz gedacht sind. Meine, mittlerweile vierzig Jahren alten Stand- und Stabmixer haben mich noch nicht enttäuscht, im Gegensatz zu billigen Geräten, bei denen man erst in der Gebrauchsanweisung ließt, dass man sie nach 15 Sekunden Gebrauch zehn Minuten abkühlen lassen muss. Lieber auf dem Flohmarkt nach den Klassikern suchen. Die sind oft unverwüstlich.
widower+2 09.08.2019
3. Spiralkabel in Überkopfsteckdose?
Das mag Vorteile bei der Handhabung haben, ist aber gerade in einer Profiküche schwer zu reinigen. Ein gerades Kabel in geeigneter Länge hätte da echte Vorteile und würde nicht zur Keimschleuder.
Das mag Vorteile bei der Handhabung haben, ist aber gerade in einer Profiküche schwer zu reinigen. Ein gerades Kabel in geeigneter Länge hätte da echte Vorteile und würde nicht zur Keimschleuder.
cuisinier81 09.08.2019
4. @widower+2
Es kommen beide Varianten zum Einsatz... Spiralkabel und eben gerade. Bei den Spiralkabeln ist es eher, daß sie um einiges länger als die gerade en sind, gerade bei ESGE! Was die Reinigung betrifft, wir hängen selten die Kabel [...]
Es kommen beide Varianten zum Einsatz... Spiralkabel und eben gerade. Bei den Spiralkabeln ist es eher, daß sie um einiges länger als die gerade en sind, gerade bei ESGE! Was die Reinigung betrifft, wir hängen selten die Kabel in die Suppe... Und wenn es mal passiert, dann wird das Kabel eben mit Wasser abgespült. Ist net wirklich ein Hinderniss...
widower+2 09.08.2019
5. Danke!
Immerhin haben Sie damit bestätigt, dass Wagner wieder mal Unsinn verzapft hat. Der meinte ja, dass man die geraden Kabel in einer Profiküche nie zu sehen bekäme.
Zitat von cuisinier81Es kommen beide Varianten zum Einsatz... Spiralkabel und eben gerade. Bei den Spiralkabeln ist es eher, daß sie um einiges länger als die gerade en sind, gerade bei ESGE! Was die Reinigung betrifft, wir hängen selten die Kabel in die Suppe... Und wenn es mal passiert, dann wird das Kabel eben mit Wasser abgespült. Ist net wirklich ein Hinderniss...
Immerhin haben Sie damit bestätigt, dass Wagner wieder mal Unsinn verzapft hat. Der meinte ja, dass man die geraden Kabel in einer Profiküche nie zu sehen bekäme.

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