Wirtschaft

Milliarden aus dubiosen Quellen

Geldwäscheskandal um Danske und Deutsche Bank weitet sich aus

Im Geldwäscheskandal um die Danske Bank war die Deutsche Bank nach SPIEGEL-Informationen früh gewarnt, reagierte aber spät. Ein Versagen der Risikokontrollen des Geldhauses.

REUTERS

Deutsche Bank in Frankfurt

Von , Frankfurt am Main
Freitag, 23.11.2018   18:03 Uhr

Die Deutsche Bank ist offenbar tiefer in den Geldwäscheskandal der Danske Bank verwickelt als bislang bekannt. Zwischen Frühjahr 2013 und Herbst 2014 hat der Konzern mindestens ein Dutzend Mal Überweisungen von Danske-Kunden auf Deutsche-Bank-Konten zurückgewiesen, weil offenbar Zweifel an der Seriosität der Kontoinhaber bestand. Trotzdem brachen die Frankfurter ihre Geschäftsbeziehung zu Danske erst 2015 ab. Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

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Die Danske Bank stand von 2007 bis 2015 im Mittelpunkt eines großangelegten Geldwäschesystems. Mutmaßlich Osteuropäer transferierten über Konten bei der estnischen Danske-Tochter Geld in den Westen. Um die Transfers im Umfang von rund 230 Milliarden Dollar abzuwickeln, kooperierte Danske mit Korrespondenzbanken, die daran verdienten - darunter die Deutsche Bank. Allein über sie sollen rund 150 Milliarden Dollar geflossen sein.

Das Geldwäschesystem hätte nicht funktioniert, wenn die kleine Danske nicht mehrere große Banken eingeschaltet hätte, um die Transfers abzuwickeln: JPMorgan Chase, Bank of America und eben die Deutsche Bank. Diese Korrespondenzbanken sind dank ihrer Größe und Vernetzung eminent wichtig für den internationalen Zahlungsverkehr, der quasi das Herzstück der globalisierten Weltwirtschaft ist.

Erst 2015 wurde die Kooperation eingestellt

Die Deutsche Bank ist traditionell stark in diesem Geschäft, wurde sie doch 1870 gegründet, um den Exportdrang der deutschen Industrie zu finanzieren. Allerdings ist sie genau deshalb auch besonders anfällig für illegale Geldtransfers rund um die Welt. Laut dem damaligen Leiter des Handelsgeschäfts der estnischen Danske-Bank-Filiale, Howard Wilkinson, lief sogar der Großteil der Geldwäsche über Konten der Deutschen Bank: etwa 150 Milliarden der 230 Milliarden Dollar. Erst 2015 stellten die Frankfurter die Kooperation mit Danske ein, "nachdem wir einen Anstieg von verdächtigen Transaktionen von Danske-Kunden identifiziert hatten", wie sie mitteilt.

Die Deutsche Bank argumentiert, es habe sich nicht um ihre eigenen, sondern um Kunden der Danske Bank gehandelt. Daher habe sie diese Kunden nicht im Rahmen ihrer Know-Your-Client-Prozesse überprüfen können.

Allerdings schlugen ihre Risikosysteme mehrfach Alarm beim Versuch britischer Briefkastenfirmen, Geld von Danske- auf Deutsche-Bank-Konten zu überweisen. Nach Erkenntnissen des "Organized Crime and Corruption Reporting Project" soll das aserbaidschanische Regime um Präsident Ilcham Alijew Briefkastenfirmen wie LCM und Hilux genutzt haben, um Geld zu waschen und westliche Politiker zu beeinflussen.

"Solange es sich um Einzelfälle handelt, führt dies nicht automatisch dazu, dass auch die Korrespondenzbeziehung insgesamt beendet wird", erklärte die Deutsche Bank. Das geschah erst 2015. Deutliche Hinweise darauf hatte es indes schon zwei Jahre zuvor gegeben.

Zweierlei ist an den geplatzten Transfers bemerkenswert: Es zeigt, dass die viel gescholtenen Risikosysteme der Deutschen Bank zumindest in Einzelfällen anschlugen. Allerdings ist fraglich, warum es noch zwei Jahre nach den ersten Alarmsignalen dauerte, bis die Deutsche Bank ihre Geschäftsbeziehung zur Danske Bank abbrach. JPMorgan Chase etwa hatte bereits 2013 die Reißleine gezogen.

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insgesamt 9 Beiträge
giostamm11 23.11.2018
1. nicht überraschend
die DeBa war so ziemlich in alle Skandale der letzten Jahre verwickelt. Wen wunderts? Deutschland ist heute Geldwaschmaschine Nummer 1 in Europa und die kleinen schlechten und schwachen deutschen Banken mischen fröhlich mit
die DeBa war so ziemlich in alle Skandale der letzten Jahre verwickelt. Wen wunderts? Deutschland ist heute Geldwaschmaschine Nummer 1 in Europa und die kleinen schlechten und schwachen deutschen Banken mischen fröhlich mit
sikasuu 23.11.2018
2. Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?
(c)B.Brecht Dreigroschenoper Lehmann, HSBC, Lux-Leak. Panama-Papiere, Libor, Cum-Cum-EX, Deutsche Bank, Landesbanken usw. usf. (gegen unendlich zu verlängern) . Alles normale "Finanzgeschäfte", die im Einzelfall [...]
(c)B.Brecht Dreigroschenoper Lehmann, HSBC, Lux-Leak. Panama-Papiere, Libor, Cum-Cum-EX, Deutsche Bank, Landesbanken usw. usf. (gegen unendlich zu verlängern) . Alles normale "Finanzgeschäfte", die im Einzelfall mal ein wenig aus dem Ruder gelaufen sind! . "To big to JAIL!" zieht sich dabei wie eine rote Linie durch den gesamten Sektor.... . Wenn man sich auf eine Metaebene zurückzieht & diesen Sektor mal von außen betrachtet, dabei nur die Grundlagen des StGBs als Messlatte nimmt... was käme da wohl raus? . Wer hat da "kriminelle Vereinigungen" gesagt? Ne, kann nicht sein, denn die Branche, die durch ihre produktive Arbeit den größten Mehrwert in allen hochentwickelten Ländern schafft,kann das nicht sein! Mal drüber nachdenken . Ps. Wer beim Nachdenken auf die veraltete Idee kommt: Banken&das Finanzsystem seien so was wie "Hilfsfunktion" der Real-Wirtschaft, braucht dringend Nachhilfe. Das ist genau so eine veraltete Idee wie "in Demokratien entscheidet die Regierung ohne Druck im Sinne des Volkes"
brutus972 23.11.2018
3. Diese Rechtsanwaltskanzlei mit angeschlossener Bank
sollte von der BaFin zerschlagen werden. Es gibt kaum einen Skandal, wo diese Bank nicht dabei war. Den Kaufleuten in der Ausbildung erzählen die dann was vom -Ehrbaren Kaufmann-, den es bei den Banken bestimmt nicht gibt!
sollte von der BaFin zerschlagen werden. Es gibt kaum einen Skandal, wo diese Bank nicht dabei war. Den Kaufleuten in der Ausbildung erzählen die dann was vom -Ehrbaren Kaufmann-, den es bei den Banken bestimmt nicht gibt!
brutus972 23.11.2018
4. Klagen durch alle Instanzen, Vergleiche und Deals!
Die AFD denkt, wir reden hier von Flüchtlingen, nein! Die haben nur 3 Instanzen. Unsere Deutsche Bank hat schon tausendfach unser Rechtssystem missbraucht. Wieso sitzt da noch keiner vom Vorstand im Gefängnis?
Die AFD denkt, wir reden hier von Flüchtlingen, nein! Die haben nur 3 Instanzen. Unsere Deutsche Bank hat schon tausendfach unser Rechtssystem missbraucht. Wieso sitzt da noch keiner vom Vorstand im Gefängnis?
brutus972 23.11.2018
5. 59% der europäischen Bankfilialen in den USA sind in Delaware,
in einem Gebäude, das -The Heaven- heißt. Dort sind auch Apple, Coca Cola und etwa 140 000 weitere Firmen. Quelle Christine Kerdellant 2018, eine französische Journalistin & Autorin. Das Problem ist, dass der [...]
Zitat von sikasuu(c)B.Brecht Dreigroschenoper Lehmann, HSBC, Lux-Leak. Panama-Papiere, Libor, Cum-Cum-EX, Deutsche Bank, Landesbanken usw. usf. (gegen unendlich zu verlängern) . Alles normale "Finanzgeschäfte", die im Einzelfall mal ein wenig aus dem Ruder gelaufen sind! . "To big to JAIL!" zieht sich dabei wie eine rote Linie durch den gesamten Sektor.... . Wenn man sich auf eine Metaebene zurückzieht & diesen Sektor mal von außen betrachtet, dabei nur die Grundlagen des StGBs als Messlatte nimmt... was käme da wohl raus? . Wer hat da "kriminelle Vereinigungen" gesagt? Ne, kann nicht sein, denn die Branche, die durch ihre produktive Arbeit den größten Mehrwert in allen hochentwickelten Ländern schafft,kann das nicht sein! Mal drüber nachdenken . Ps. Wer beim Nachdenken auf die veraltete Idee kommt: Banken&das Finanzsystem seien so was wie "Hilfsfunktion" der Real-Wirtschaft, braucht dringend Nachhilfe. Das ist genau so eine veraltete Idee wie "in Demokratien entscheidet die Regierung ohne Druck im Sinne des Volkes"
in einem Gebäude, das -The Heaven- heißt. Dort sind auch Apple, Coca Cola und etwa 140 000 weitere Firmen. Quelle Christine Kerdellant 2018, eine französische Journalistin & Autorin. Das Problem ist, dass der unregulierte Markt schon eine unheilvolle Größe angenommen hat. Der regulierte Markt ist ist ein Buddy System, wo keiner dem Anderen was tut! Siehe Deutsche Bank!

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