Wirtschaft

Immobilienkonzern

Deutsche Wohnen verkauft Tausende Wohnungen

"Deutsche Wohnen enteignen", fordern Zehntausende. Der Konzern steht für Mieterhöhungen in der Kritik. Und sucht neue Wege zum Geldverdienen.

DPA

Mietwohnungen von Deutsche Wohnen in Frankfurt am Main

Dienstag, 13.08.2019   20:10 Uhr

Der Immobilienkonzern Deutsche Wohnen verdient noch immer gut an seinen Wohnungen - trotz der Debatte um mehr Schutz für Mieter. Die neue Quartalsbilanz zeigt: Die Mieteinnahmen wachsen weiter.

Allerdings hinterlässt die Aussicht auf einen Mietendeckel im wichtigsten Markt Berlin erste Spuren. Der Konzern sucht neue Erlösquellen und nimmt verstärkt Pflegeheime in den Blick. Die hohen Wohnungspreise nutzt er für mehr Verkäufe.

"Es ist total klar," dass die Rolle des Verkäufers für seinen Konzern "mehr und mehr" Sinn ergebe, sagte Vorstandschef Michael Zahn in einer Analystenkonferenz. 6500 Wohnungen stünden in Norddeutschland zur Disposition, außerdem 3000 in Berlin.

Dies habe nichts mit dem geplanten Berliner Mietendeckel zu tun, betonte Zahn. "Wir sehen im Markt eine Menge billiges Geld und eine steigende Nachfrage."

Nach jahrelangen kräftigen Mietsteigerungen spüren Immobilienkonzerne besonders in Berlin starken Gegenwind. Kürzlich hat sich der Senat auf Eckpunkte geeinigt, mit denen die Mieten in der Hauptstadt in den kommenden fünf Jahren eingefroren werden sollen. An der prestigeträchtigen Karl-Marx-Allee schnappte das Land der Deutschen Wohnen mehrere Hundert Wohnungen vor der Nase weg.

Mehr als 70.000 Menschen unterschrieben zudem für eine Initiative, nach der Vermieter mit mehr als 3000 Wohnungen enteignet werden sollen. Der Senat prüft derzeit, ob das angestrebte Volksbegehren zugelassen werden kann.

Spielraum des Mietspiegels nicht ausgereizt

Erst am Wochenende kündigte das Wohnungsunternehmen Vonovia an, in Berlin vorerst keine Mieten mehr zu erhöhen, um die Situation nicht weiter anzuheizen. Dabei biete der jüngste Mietspiegel fünf Prozent Spielraum. Auch die Deutsche Wohnen hat den neuen Mietspiegel nach eigenen Angaben noch nicht für Erhöhungen genutzt.

Das Management reagierte auf die Kritik mit einer freiwilligen Maßnahme: Es soll keine Mieterhöhung geben, wenn ein Haushalt mehr als 30 Prozent seines Nettoeinkommens für die Nettokaltmiete einer angemessenen Wohnfläche aufwenden muss. Um diese Härtefallregelung zu nutzen, müssen Mieter ihr Einkommen offenlegen.

So teuer ist Wohnen seit 2008 geworden

Im Durchschnitt zahlen Mieter der Deutschen Wohnen pro Quadratmeter 6,73 Euro kalt, in Berlin waren es 6,82 Euro. Damit überwiesen Mieter auf vergleichbarer Basis im Schnitt 3,3 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum, in den 116.000 Berliner Wohnungen sogar 3,6 Prozent mehr.

Das ließ zwar den Gewinn im laufenden Geschäft um mehr als 13 Prozent auf 283,4 Millionen Euro wachsen. Unterm Strich ging der Konzerngewinn aber zurück. Mit 603 Millionen Euro lag das Halbjahresergebnis knapp 50 Millionen Euro unter dem Vorjahreswert.

Mehr Geschäfte mit Pflegeeinrichtungen

Dazu trug bei, dass der Wert von Wohnungen geringer eingeschätzt wird als vor einem Jahr. Die Konzernbilanz verweist in diesem Zusammenhang auf den Berliner Plan, die Mieten für fünf Jahre einzufrieren. Die Aktien der Deutsche Wohnen rutschten am Dienstag auf den niedrigsten Stand seit mehr als zwei Jahren.

Zuletzt war das Portfolio des Konzerns auf bundesweit gut 165.000 Wohnungen gewachsen. Nun werde man ein "Nettoverkäufer", sagte Zahn. Während in diesem Jahr insgesamt etwa 10.000 Wohnungen verkauft werden sollen, seien zugleich etwa 4000 Einheiten erworben worden. "Das ist etwas, was auch in den nächsten Jahren zu erwarten ist."

Er kündigte zudem für das dritte Quartal ein Konzept an, wie das Segment Pflegeimmobilien weiter wachsen könne. Die Konzernstrategie werde sich aber nicht fundamental ändern.

mamk/Burkhard Fraune, dpa

insgesamt 15 Beiträge
Titanus 13.08.2019
1. Berliner Irrsinn
Die Berliner Ultra-Links-Regierung schafft es, Investoren zu verschrecken (sowohl kommerzielle als auch private) und heizt so die Problematik des teuren Wohnraumes weiter an. Gegen hohe Mieten hilft nur, neue Wohnungen zu [...]
Die Berliner Ultra-Links-Regierung schafft es, Investoren zu verschrecken (sowohl kommerzielle als auch private) und heizt so die Problematik des teuren Wohnraumes weiter an. Gegen hohe Mieten hilft nur, neue Wohnungen zu schaffen. Und dazu braucht es eben Investitionen (und die kommen überwiegend nicht von öffentlicher, sondern eben von privater Seite)
xcountzerox 13.08.2019
2. Jetzt Pflegeheime...
dann ist jetzt schon klar, wohin die Reise geht. Die Samwers (Rocket) sind da auch schon tätig. All die Goldgräber beuten die versprechenden Quellen aus. Kapitalismus vom feinsten.
dann ist jetzt schon klar, wohin die Reise geht. Die Samwers (Rocket) sind da auch schon tätig. All die Goldgräber beuten die versprechenden Quellen aus. Kapitalismus vom feinsten.
Strangelove 13.08.2019
3. Sie glauben auch an den Weihnachtsmann bzw.
Sie glauben tatsächlich, dass diese Investoren nicht lieber den Gewinn einstreichen sondern massiv in neue Wohnungen investieren und sich so das schöne Geschäftsmodell mit seinen Traumrenditen zerstören. Der Mietspiegel [...]
Zitat von TitanusDie Berliner Ultra-Links-Regierung schafft es, Investoren zu verschrecken (sowohl kommerzielle als auch private) und heizt so die Problematik des teuren Wohnraumes weiter an. Gegen hohe Mieten hilft nur, neue Wohnungen zu schaffen. Und dazu braucht es eben Investitionen (und die kommen überwiegend nicht von öffentlicher, sondern eben von privater Seite)
Sie glauben tatsächlich, dass diese Investoren nicht lieber den Gewinn einstreichen sondern massiv in neue Wohnungen investieren und sich so das schöne Geschäftsmodell mit seinen Traumrenditen zerstören. Der Mietspiegel ist zudem kein soziales Instrument für Mieter sondern ein Notnagel um überhaupt die Mieten zu begrenzen. Da er durch die Spekulation weiter steigt (wären da nicht einige soziale Vermieter) können sich die Wohnungskonzerne mit diesem legalen Mittel selber die Miete bestimmen wenn sie nur genug Wohnraum besitzen. Mir kommen dann fast die Tränen wie "sozial" die Unternehmen sich haben, maximal 1/3 des Nettolohns wollen sie nehmen. Dieser Wert dient aber als Richjtwert für das absolut Maximale was man nehmen soll und ist für manche Familien schon kurz vorm Erstickungstod. Aber warum sollen die Gören auch eine Kindheit haben mit Urlaub, Spielzeug etc. sind ja die Eltern schuld wenn kein Geld da ist.... Bei Kommentaren wie Ihrem kann ich nur hoffen, dass sich die noch zahme Berliner Regierung tatsächlich mal "Ultra-Links" verhält. Davon ist nämlich bislang nichts zu sehen.
rechercher 13.08.2019
4. Die Berliner Ultra-Links Regierung
"Die Berliner Ultra-Links Regierung ..." Es war erst 20:32 und Sie haben bereits so viel getrunken? Wenn ich Ihre Zeilen richtig verstehe, soll man solch ekelerregende Auswüchse kapitalistischer Gewissenlosigkeit [...]
Zitat von TitanusDie Berliner Ultra-Links-Regierung schafft es, Investoren zu verschrecken (sowohl kommerzielle als auch private) und heizt so die Problematik des teuren Wohnraumes weiter an. Gegen hohe Mieten hilft nur, neue Wohnungen zu schaffen. Und dazu braucht es eben Investitionen (und die kommen überwiegend nicht von öffentlicher, sondern eben von privater Seite)
"Die Berliner Ultra-Links Regierung ..." Es war erst 20:32 und Sie haben bereits so viel getrunken? Wenn ich Ihre Zeilen richtig verstehe, soll man solch ekelerregende Auswüchse kapitalistischer Gewissenlosigkeit wie Deutsche Wohnen, Vonovia & Co unbehelligt schalten und walten lassen. Viele Hunderttausend Wohnungen im Besitz einiger weniger Gesellschaften führt zwangsläufig zu Mißbrauch. Nichts gegen Unternehmen die 40, oder gar 100 Wohnungen besitzen, nichts gegen die Privatpersonen, die eine oder zwei Wohnungen haben und vermieten. Aber gebündelter Immobilienbesitz in der genannten Größenordnung gehört in die Hand der Kommunen. Dass viele, auch SPD und Grün geführte Städte ihre Wohnungen vor einiger Zeit an Deutsche Wohnen (von der Deutschen Bank ins Leben gerufen, Anteilseigner u.a. BlackRock Inc. mit 10,20%) und ähnliche Firmen verkauft haben, führte genau zu den aktuell auf dem Wohnungsmarkt herrschenden Zustände. Wer das nicht sieht, muss einiges an hochprozentigem zu sich genommen haben.
Mach999 14.08.2019
5.
Das ist auch der Grund, warum sich die deutsche Wohnen mit dem Volksbegehren schon angefreundet hat. Einfacher als durch eine Enteignung kommt sie nämlich gar nicht aus ihrem Wohnungsbestand raus, noch dazu zum Marktwert für [...]
Das ist auch der Grund, warum sich die deutsche Wohnen mit dem Volksbegehren schon angefreundet hat. Einfacher als durch eine Enteignung kommt sie nämlich gar nicht aus ihrem Wohnungsbestand raus, noch dazu zum Marktwert für jede einzelne Wohnung, statt zu einem billigeren Preis bei einem Paketverkauf an einen Konkurrenten. Das Volksbegehren nützt aber der Deutschen Wohnen nicht nur, sondern sie schadet auch den sozial Schwachen. Mit dem Geld, das der Staat hier in bestehende Wohnungen stecken müsste, könnte er zehntausende von Sozialwohnungen bauen. Das Volksbegehren ist zwar nett gedacht, aber auf den zweiten Blick kontraproduktiv.

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