Wirtschaft

EU-Entscheidung

Politiker revoltieren gegen Glühbirnenverbot

"Sondermüll als Lichtquelle": Deutsche EU-Politiker unternehmen einen neuen Anlauf, das Verbot der beliebten, klassischen Glühbirne aufzuhalten. Das Umweltbundesamt hat erst jüngst vor Gefahren durch Quecksilber in den künftig vorgeschriebenen Energiesparlampen gewarnt.

ddp

60-Watt-Glühbirne, Energiesparlampe: Zoff um EU-Gesetz

Mittwoch, 22.12.2010   08:53 Uhr

Berlin - Führende deutsche Abgeordnete des EU-Parlaments wollen das Verbot von herkömmlichen Glühbirnen in Europa zu Fall bringen: "Ich werde alles tun, um das Glühbirnenverbot in der EU doch noch zu kippen", sagte der Vorsitzende des Industrie-Ausschusses, Herbert Reul (CDU), der "Welt". Er forderte die EU-Kommission auf, das Verbot "unverzüglich" außer Kraft zu setzen.

Brüssel müsse prüfen, so Reul, ob die als Alternative zur Glühbirne vorgesehene Energiesparlampe aufgrund der nachgewiesenen Gesundheitsgefahren überhaupt noch vertrieben werden dürfe.

Das Umweltbundesamt hatte Anfang Dezember vor Gesundheitsrisiken durch Quecksilber in Energiesparlampen gewarnt. Geht eine Ökoleuchte zu Bruch, so könne laut der Untersuchung eine Quecksilberkonzentration freigesetzt werden, die den Richtwert von 0,35 Mikrogramm pro Kubikmeter um das 20fache überschreitet. Darum sollten sich insbesondere Kinder und Schwangere von Energiesparlampen fernhalten, empfiehlt die Bundesbehörde.

Die Produktsicherheit und die Gesundheit der Verbraucher müssten oberste Priorität haben, forderte Reul. Der Ausschussvorsitzende warf der Brüsseler Gesetzesbehörde vor, dass sie mit dem Glühbirnenverbot "getrieben vom Klimaschutzwahn Symbolpolitik betrieben hat, die weder dem Klimaschutz noch der Gesundheit der Menschen dient".

"Sondermüll als Lichtquelle"

Auch die Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments, , forderte eine Aussetzung des Verbots. Solange nach wissenschaftlichen Erkenntnissen davon auszugehen sei, dass Energiesparlampen zu erheblichen Gesundheitsschäden führen könnten, müsse die EU das Glühbirnenverbot zumindest für Privathaushalte aussetzen. "Es kann doch nicht sein, dass unter dem Deckmantel des Umweltschutzes die beim Verbraucher beliebten und bewährten Glühbirnen vom Markt genommen und durch gesundheitsgefährdende Produkte ersetzt werden", sagte Koch-Mehrin. Durch das "unsinnige Glühbirnenverbot" werde "Sondermüll als Lichtquelle" vorgeschrieben.

Herkömmliche Glühbirnen mit 100 und 75 Watt dürfen in der EU nicht mehr verkauft werden, da sie als Energiefresser gelten. Ab September kommenden Jahres dürfen auch die am meisten verbreiteten 60-Watt-Birnen nicht mehr auf den Markt gebracht werden.

hut/AFP

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