Wirtschaft

Heizkosten

So kommen Sie preiswert durch den Winter

Auch der längste Sommer geht irgendwann zu Ende. Inzwischen hat die Heizsaison begonnen - und die Preise für Gas und Öl ziehen wieder an. So können Sie dennoch sparen.

DPA
Eine Kolumne von
Samstag, 06.10.2018   08:25 Uhr

In Brandenburg soll in den vergangenen Tagen der Gefrierpunkt erreicht worden sein. Nichts Ungewöhnliches für Anfang Oktober. Mein Nachbar hat erkennbar schon die Heizung angedreht. Und Sie? Noch nicht?

Aber den Regler hochzudrehen, ist ja auch nicht kompliziert. Komplizierter schon: Sie wissen nicht, wie teuer es jetzt wird. Im heißen Frühling und Sommer 2018 haben Sie es vielleicht verpasst, die Angebote für Gas oder für Heizöl zu vergleichen. Es gab ja auch weniger Anlass: Um knapp ein Drittel war der Gasverbrauch von April bis Juli niedriger als im Vorjahr. Andererseits lässt sich seit einiger Zeit an den Tankstellen ein steigender Benzinpreis beobachten.

Vielleicht fragen Sie sich, ob jetzt der richtige Zeitpunkt ist, den Heizöltank zu füllen. Oder, falls Sie mit Gas heizen, ob Sie einen neuen Gasvertrag abschließen sollten. Meine Antwort lautet in beiden Fällen: Es ist der richtige Moment.

Zunächst zum Gas: In diesem Frühsommer hatten die Gaspreise unbemerkt von der Mehrzahl der Kunden das niedrigste Niveau seit 2011 erreicht. Seit einigen Wochen aber beginnen die Preise anzuziehen. Nicht überall, nicht viel, aber immer häufiger. Vor allem in Norddeutschland finden sich meist günstigere Tarife als im Herbst 2017 - im Schnitt sind sie drei Prozent günstiger, haben meine Kollegen in den vergangenen Wochen registriert. In Süddeutschland sind die Tarife dagegen eher gestiegen - im Schnitt um vier Prozent. Wenn Sie selbst das Gas für Ihre Heizung kaufen, als Hauseigentümer oder für Ihre Gasetagenheizung, dann sollten Sie jetzt zuschlagen.

Denn der Anstieg liegt vor allem daran, dass die Anbieter für den Einkauf von Erdgas selbst mehr zahlen müssen - um etwa die Hälfte ging es in den vergangenen zwölf Monaten nach oben: Im Import kostet Erdgas wieder so viel wie 2015. Obendrauf kommen zwei Umlagen (Bilanzierungsumlage und Konvertierungsumlage), die zum 1. Oktober leicht gestiegen sind. Die Frage ist nun, ob und wann die Gasanbieter diese Kosten an ihre Kunden weitergeben. Nutzen Sie daher die günstigen Angebote für Gastarife, solange es sie gibt.

Ein Vertrag mit einer Preisgarantie für die kommenden zwölf Monate, damit machen Sie nichts verkehrt. Entscheiden müssen Sie eigentlich nur, welche Art von Vertrag Sie wollen.

Sind Sie gewissenhaft und sehr gut im Vertragsmanagement, können Sie einen Gasanbieter wählen, der mit hohem Bonus wirbt. In Bonn zum Beispiel wirbt der baden-württembergische Energiekonzern EnBW für Neukunden mit Einfamilienhaus (18.000 Kilowattstunden Verbrauch) mit einem Sofortbonus von 545 Euro und einer Rechnung von 741 Euro. Sie müssen dann nur rechtzeitig wieder kündigen. Nach Ablauf des Bonuszeitraumes kostet Sie das Gas dieser Anbieter nämlich automatisch mehr.

Im konkreten Fall wären Sie nach dem Jahr eins im Jahr zwei rund 80 Euro teurer dran als beim Grundversorger, den Stadtwerken Bonn. Und weil der Preisanstieg durch den wegfallenden Bonus schon vorher angekündigt ist, zählt er nicht einmal als Preiserhöhung. Haben Sie den regulären Kündigungstermin verpasst, haben Sie deshalb nicht einmal ein Sonderkündigungsrecht.

Bei Preiserhöhungen haben Sie in jedem Fall ein Sonderkündigungsrecht

Haben Sie keine Lust auf solchen Stress und die ständige Wechselei? Dann suchen Sie sich einfach einen Anbieter, der auch ohne Bonus preiswert ist. Maingau Energie zum Beispiel nimmt beim gleichen Gasverbrauch in Bonn für das Jahr 863 Euro, ganz ohne Bonus. So wird das Gas im zweiten Jahr zumindest schon mal nicht automatisch wieder teurer. Und sollte der neue Anbieter doch einmal den Preis erhöhen, haben Sie in jedem Fall ein Sonderkündigungsrecht. Im konkreten Fall hätten Sie sogar ganz regulär die Möglichkeit, jederzeit mit zwei Wochen Frist zu kündigen.

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Solche günstigen Angebote ohne Fußangeln finden Sie mit richtig voreingestellten Rechnern wie bei Finanztip.

So ähnlich gilt die Empfehlung auch für den Kauf von Heizöl. Nur, dass 2018 nicht der Sommer der Allzeittiefs für Verbraucher war. Denn die Rohölpreise sind auf dem höchsten Stand seit vier Jahren, und ein großer Teil davon hat auch auf die Preise für Benzin und für Heizöl durchgeschlagen. Der Preis der Rohölsorte Brent hat sich von unter 30 Dollar Anfang 2016 auf heute 85 Dollar pro Barrel erhöht. Die Heizölpreise haben sich in der Folge seit Anfang 2016 in Deutschland glatt verdoppelt. Fünf Millionen Ölheizungen sind in Deutschland in Betrieb und halten mehr als neun Millionen Wohnungen warm.

Heizölkäufer unterschreiben normalerweise keine langfristigen Verträge. Sie kaufen einmal und vergleichen vorher lange die Preise. Das spart schnell ein paar Hundert Euro. Auf der Suche nach Heizölpreisen verzeichnet Google in Deutschland jeden Monat genauso viele Treffer wie auf der Suche nach Gaspreisen. Dabei heizen doppelt so viele Haushalte hierzulande mit Gas wie mit Öl.

Nutzen Sie Vergleichsportale

Allein im September sind die Preise für Heizöl noch einmal um acht Prozent gestiegen, heißt es bei Check24. Hinter dem Preisanstieg steckt sicher auch Spekulation. Trotzdem: Die aktuell brummende Weltwirtschaft verbunden mit den Krisenszenarien im Nahen Osten, insbesondere der Konflikt der USA mit Iran und der weiter schwelende Bürgerkrieg in Syrien, lassen weitere Preiserhöhungen heute weit wahrscheinlicher erscheinen als schnelle Preissenkungen. Nicht einmal nach dem 1. Januar müssen die Preise fallen. Sie tun es in vielen Jahren - aber bei Weitem nicht immer und nicht notwendig viel.

Wenn Sie sich entscheiden, bald zu kaufen: Der Weg zum relativ preiswerten Heizöl ist eigentlich ein ganz einfacher: Nutzen Sie auch hier Vergleichsportale, wir empfehlen Esyoil und Heizöl24, um den preiswertesten Anbieter in ihrer Region zu finden. Der Unterschied zwischen einem preiswerten und einem teuren Händler macht an vielen Tagen zehn Cent pro Liter aus, 300 Euro für die 3000-Liter-Füllung. In Bonn hat der preiswerteste Händler 3000 Liter am 3. Oktober für 79,2 Cent pro Liter angeboten, der teuerste für 93,9 Cent. Das sind 440 Euro Unterschied für die Tankfüllung. Diesen Preisvorteil sollten Sie sich ganz jenseits jeder Spekulation über künftig steigende Ölpreise unbedingt sichern.

Und wenn Sie zuschlagen, vereinbaren Sie doch am besten gleich mit mehreren Nachbarn, jeweils den Tank zu füllen. Wenn der Händler mit seinem Laster nur einmal kommen muss, verringert das seine Kosten. Bei insgesamt 10.000 Litern Lieferung fällt der Preis bei Händlern im Schnitt um 1,5 Cent, das sind 45 Euro für Ihren 3000-Liter-Anteil davon. Ein Vorteil, den der Händler mit einem Preisnachlass an Sie weitergeben kann.

insgesamt 20 Beiträge
mundusvultdecipi 06.10.2018
1. Sehr geehrter Hrr Tenhagen..
..haben Sie auch mal Tips für Wohnungsmieter ,die von ihren Stadtwerken durch "Fernwärme"abgezockt werden?Mehr als ein Wohnungwechsel kommt mir da nicht in den Sinn.
..haben Sie auch mal Tips für Wohnungsmieter ,die von ihren Stadtwerken durch "Fernwärme"abgezockt werden?Mehr als ein Wohnungwechsel kommt mir da nicht in den Sinn.
Pinky McBrain 06.10.2018
2. Der allerwichtigste Tipp fehlt!
Sparen Sie Energie! Denn was Sie nicht verbrauchen, müssen Sie nicht bezahlen! Das ist heutzutage einfacher als man denkt. Bereits Heizungsthermostate ab 15 € pro Stück lassen sich so programmieren, dass sie die [...]
Sparen Sie Energie! Denn was Sie nicht verbrauchen, müssen Sie nicht bezahlen! Das ist heutzutage einfacher als man denkt. Bereits Heizungsthermostate ab 15 € pro Stück lassen sich so programmieren, dass sie die Aufenthaltsräume früh und abends heizen, tagsüber aber die Temperatur etwas absenken. Je geringer die Temperaturdifferenz nach außen, desto geringer der Wärmeverlust. Versehentliches Überheizen lässt sich so auch vollständig vermeiden. Für etwas mehr Geld gibt es ganze Systeme für alle Heizkörper, die sich auch von unterwegs steuern lassen, z.B. Fritz! von AVM, oder ihr erzählt es Alexa. Außerdem lassen sich - auch wenn man "nur" Mieter ist - Wärmeverluste reduzieren. Ein Dichtband beim inneren (sonst beschlägt es) Flügel des Kastendoppelfensters, neue Fenster so einstellen, dass sie dicht sind, ein Dichtband in der zugigen Wohnungstür. Kostet alles nichts und hilft sehr beim sparen.
PRAN1974 06.10.2018
3.
Tolle Tipps - für Eigenheimbesitzer. Als Mieterin habe ich auf meinen Öl- oder Gaspreis keinerlei Einfluss. Für die Mehrheit der Menschen in Deutschland sind diese Tipps also völlig nutzlos.
Tolle Tipps - für Eigenheimbesitzer. Als Mieterin habe ich auf meinen Öl- oder Gaspreis keinerlei Einfluss. Für die Mehrheit der Menschen in Deutschland sind diese Tipps also völlig nutzlos.
hileute 06.10.2018
4. Was ein Müll
haben sie schon mal von Mietwohnungen gehört, wo die Heizkosten in den Nebenkosten enthalten sind? Offenbar nicht, weil sonst hätte ich einen Tipp gelesen wie ich meine Heizung besonders effizient einstellen kann.
haben sie schon mal von Mietwohnungen gehört, wo die Heizkosten in den Nebenkosten enthalten sind? Offenbar nicht, weil sonst hätte ich einen Tipp gelesen wie ich meine Heizung besonders effizient einstellen kann.
mundusvultdecipi 06.10.2018
5. ausser Sie haben..
..die Gastherme in Ihrer Wohnung.Kommt auch vor!
Zitat von PRAN1974Tolle Tipps - für Eigenheimbesitzer. Als Mieterin habe ich auf meinen Öl- oder Gaspreis keinerlei Einfluss. Für die Mehrheit der Menschen in Deutschland sind diese Tipps also völlig nutzlos.
..die Gastherme in Ihrer Wohnung.Kommt auch vor!

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