Wirtschaft

Haftprüfung

Middelhoff muss im Gefängnis bleiben

Der frühere Top-Manager Thomas Middelhoff ist vorerst mit seinem Versuch gescheitert, vor Gericht eine Aussetzung des Haftbefehls gegen ihn zu erreichen. Nun bleibt er in Untersuchungshaft.

DPA

Ex-Arcandor-Chef Middelhoff (am Freitag in Essen): Untreue in 27 Fällen

Montag, 17.11.2014   16:19 Uhr

Düsseldorf - Thomas Middelhoff muss weiter bangen. Hoffnungen, er könne nach einem Haftprüfungstermin bereits am Montag wieder auf freien Fuß kommen, erfüllten sich nicht. Der ehemalige Spitzenmanager bleibt zunächst in Untersuchungshaft. Ein Anhörungstermin zu einer möglichen Aussetzung des Haftbefehls endete ohne Ergebnis, teilte das Landgericht Essen mit.

"Eine Entscheidung ist noch nicht getroffen", sagte ein Gerichtssprecher. Bei dem Haftprüfungstermin habe Middelhoff Gelegenheit bekommen, sich zur Sache zu äußern, sagte der Sprecher. Die Verteidigung habe angekündigt, kurzfristig weitere schriftliche Unterlagen zu übersenden, die für die Entscheidung der Kammer von Bedeutung sein könnten. Das Gericht werde diese Unterlagen sofort nach Eingang prüfen und dann im Laufe dieser Woche eine Entscheidung treffen.

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Bilder-Chronik: Der unaufhaltsame Abstieg des Thomas Middelhoff
Middelhoff, einst einer der einflussreichsten deutschen Manager, war am Freitag überraschend verhaftet worden. Die 15. Strafkammer verurteilte ihn wegen Untreue in 27 Fällen und Steuerhinterziehung zu drei Jahren Haft. Nach Überzeugung des Gerichts hat der frühere Chef des pleitegegangen Karstadt-Mutterkonzerns Arcandor das Unternehmen um mehr als 500.000 Euro geschädigt - vor allem durch die Abrechnung privater Flugreisen. In dem Strafverfahren ging es auch um eine Festschrift für Ex-Bertelsmann-Chef Mark Wössner, die Middelhoff teils über Arcandor abgerechnet hatte.

Den Haftbefehl hatten die Richter wegen Fluchtgefahr gegen den Manager erlassen. Als Gründe dafür nannten sie die Höhe der verhängten Freiheitsstrafe, Middelhoffs Wohnsitz im Ausland, aber auch die unklare berufliche Situation des Managers. Rechtskräftig ist das Urteil noch nicht. Middelhoffs Anwalt Winfried Holtermüller hatte am Wochenende bereits angekündigt, Revision einzulegen und vor den Bundesgerichtshof zu ziehen.

Middelhoffs Zivilprozess gegen Sal. Oppenheim beginnt Dienstag

Unklar blieb zunächst, welche Auswirkungen die Untersuchungshaft des Managers auf eine Reihe von Zivilverfahren haben wird, in denen der 61-Jährige als Kläger oder Beklagter auftritt. So soll am Dienstag vor dem Kölner Landgericht ein Zivilprozess von Middelhoff gegen die Bank Sal. Oppenheim beginnen. Das Ehepaar Middelhoff fordert die Rückabwicklung seiner Beteiligungen an diversen Fonds und die Freigabe von gut 23 Millionen Euro Festgeldern. Der Streitwert sei mit 30 Millionen Euro beziffert, sagte ein Gerichtssprecher.

In dem Kölner Zivilverfahren gibt es auch eine Widerklage: Darin fordert Sal. Oppenheim von dem Ehepaar Darlehensraten zurück, die angeblich noch ausstehen. Zahlen nannte das Gericht dazu nicht.

Das Gericht ordnete das persönliche Erscheinen des Managers an. Der Sprecher sagte, grundsätzlich ordne eine Kammer dies dann an, wenn es noch direkte Fragen an den Kläger gebe. Eine solche Befragung könne man aber theoretisch auch auf einen anderen Prozesstag verschieben. Zugleich sei es möglich, auch einen Kläger zu einem Prozesstermin "vorzuführen", wenn sich dieser in Haft befinde.

bos/stk/dpa/Reuters

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