Wirtschaft

CO2-Ausgleich

Klimaorganisation Atmosfair mit deutlichem Spendenanstieg

Bei den Deutschen wächst offenbar die Bereitschaft, für klimaschädliches Verhalten einen Ausgleich zu bezahlen. Die Organisation Atmosfair verzeichnete mehr Spenden.

Experiment e.V./privat/Experiment e.V./obs

Frau am Flugzeugfenster

Mittwoch, 12.06.2019   08:42 Uhr

Wenn schon nicht Verzicht, dann wenigstens draufzahlen: Nach diesem Motto verfahren beim Klimaschutz offenbar zunehmend Bürger und Unternehmen in Deutschland. So meldet die Kompensationsagentur Atmosfair einen deutlichen Anstieg der Spenden. 9,5 Millionen Euro Ausgleichszahlungen seien 2018 bei der Organisation eingegangen, 40 Prozent mehr als im Vorjahr, sagte Atmosfair-Mitarbeiterin Julia Zhu. Der Trend setze sich fort und könnte noch zunehmen: "2019 geht sehr stark weiter, es könnte noch einmal mehr werden als im vergangenen Jahr", sagte Zhu.

Der heiße und trockene Sommer 2018 habe die Erderhitzung ins Bewusstsein der Deutschen und nach oben auf die politische Agenda gebracht. "Wir sehen schon seit dem vergangenen Sommer einen deutlichen Zuwachs", berichtete Zhu über die Spendenbereitschaft.

Atmosfair ist einer von mehreren Anbietern, bei denen man unter anderem Flüge und Kreuzfahrten "kompensieren" kann, indem man Geld spendet. Damit werden weltweit Projekte etwa zum Energiesparen oder zur Erzeugung von Ökostrom gefördert. Andere Anbieter sind etwa Klima-Kollekte, Primaklima, Myclimate, ClimatePartner, Klimamanufaktur und Arktik. Atmosfair ist nach eigenen Angaben Marktführer in Deutschland.

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In Deutschland rufen Umweltschützer zu Einschränkungen beim Fliegen, zum Umstieg auf klimafreundlichere Verkehrsmittel wie die Bahn und zur CO2-Kompensation von Flügen auf. Immerhin werden laut der Europäischen Umweltagentur beim Fliegen pro Passagier und Kilometer 285 Gramm CO2 freigesetzt, beim Autofahren sind es 158 Gramm und beim Zugfahren 14 Gramm.

Dass Fliegen als extrem klimaschädlich bewertet wird, liegt auch daran, dass Flugzeuge das CO2 in großer Höhe ausstoßen, wo es dem Umweltbundesamt zufolge etwa dreimal so stark Einfluss auf das Klima nimmt wie die gleiche Menge aus einem Autoauspuff.

Die nun scheidende EU-Kommission hat die Auswirkungen einer europaweiten Kerosinsteuer untersuchen lassen, eine politische Mehrheit gibt es dafür aber nicht. Laut dem vom Verband Transport & Environment öffentlich gemachten Bericht könnte der CO2-Ausstoß durch rund zehn Prozent teurere Tickets um elf Prozent gedrückt werden.

Die Luftfahrtindustrie lehnt eine CO2-Steuer ab. Der Airline-Verband IATA setzt auf das zunächst freiwillige Kompensationsprogramm "Corsia", dem sich bislang vor allem westliche Staaten angeschlossen haben. Oberhalb des Schadstoff-Niveaus von 2020 muss jedes zusätzliche Gramm CO2 mit entsprechenden Zertifikaten kompensiert werden. Die Organisation rechnet bis 2035 mit einem Aufkommen von 2,5 Milliarden Tonnen mit einem Kompensationswert von annähernd 40 Milliarden Dollar, die an Klimaprojekte fließen sollen.

mmq/dpa

insgesamt 43 Beiträge
ptb29 12.06.2019
1. Ist das moderner Ablaßhandel?
Ich kaufe mir einen 2,5t SUV und spende bei jeder Tankfüllung 1 Euro für die Umwelt. Damit wird die Umwelt natürlich gerettet, genauso wie von einer CO2-Steuer.
Ich kaufe mir einen 2,5t SUV und spende bei jeder Tankfüllung 1 Euro für die Umwelt. Damit wird die Umwelt natürlich gerettet, genauso wie von einer CO2-Steuer.
Rheingold (Goldwäsche) 12.06.2019
2. Ablasshandel
"Sobald das Geld im Kasten klingt, das Abgas aus dem Himmel springt!" Ich sage es ja immer, Umweltverschmutzung muss man sich halt leisten können, dann lebt es sich ganz entspannt. Ich bin davon überzeugt, dass sich [...]
"Sobald das Geld im Kasten klingt, das Abgas aus dem Himmel springt!" Ich sage es ja immer, Umweltverschmutzung muss man sich halt leisten können, dann lebt es sich ganz entspannt. Ich bin davon überzeugt, dass sich der CO2 Fußabdruck von Menschen parallel mit dem Einkommen vergrößert. Ausnahmen bestätigen die Regel. Was erhalten noch mal deutsche Abgeordnete so im Monat, 10.000 Euro + ?
Magna Carta 12.06.2019
3. Geshaeftsmodel Wohlfahrtsorganisation
Kannst du nix, gruende Wohlfahrtsverein, und schon rollt die Kohle. Besser mal nachsehen was die Gehaelter sind, beim Chef angefangen.
Kannst du nix, gruende Wohlfahrtsverein, und schon rollt die Kohle. Besser mal nachsehen was die Gehaelter sind, beim Chef angefangen.
lupo44 12.06.2019
4. Wir Alle sollten lernen mit der geziehlten Hysterie ......
durch eine bestimmte Lobby an Menschen mit Macht in der Welt und Europa besser um zu gehen. Es ist mir bewußt ,dass diese Meinung derzeitig voll kommen aus dem Ruder läuft gegenüber der öffentlichen veröffentlichen Meinung [...]
durch eine bestimmte Lobby an Menschen mit Macht in der Welt und Europa besser um zu gehen. Es ist mir bewußt ,dass diese Meinung derzeitig voll kommen aus dem Ruder läuft gegenüber der öffentlichen veröffentlichen Meinung hier Deutschland. Besonders hier. Wir Alle tragen die politische Verantwortung für die Jahrzehnte langen Atombombenversuche in der Welt. Megatonnen wurden hier unterirdisch gezündet. Die gesammten Kriege die Jahrzehnte lang schon andauern erzeugen Millionen Tonnen von CO2 .Die Politiker die hier Jahrzehntelang Verantwortung tragen machen jetzt die Rolle rückwärts und geben uns normale Bürger die Schuld und versuchen über enorme Geldansammlungen durch Steuern hier etwas dagegen zu tun. Es sollen Flugzeuge ,Auto;s,Schiffe ,nicht mehr auf den Straßen und in der Luft unterwegs sein.Dabei vergessen Sie noch eine wichtige Aussage -was ist neben Deutschland mit den Anderen Staaten dieser Welt? Keine Beteiligung? Wenn das dann passieren soll nach den Hysterikern,dann sollten sie ganz schnell handeln.Alles verbieten und selbst aus ihren Dienstwagen steigen und andere Umweltfreundliche Verkehrsmittel benutzen. Es gibt genügend renomierte Publikationen in Deutschland von nahmhaften Wissenschaftler die diese meine Meinung vertreten und diese Hysterie untersagen und sich mehr den Tatsachen stellen sollten. Der Gang unserer Welt zeigt einfach auf das Epochen schon immer da waren und auch da sein werden. Wir sollten zu Recht viele Dinge die zu unserem Leben gehören einschränken und uns bescheidener benehmen mit unserer Umwelt.Aber Bestrafung über die Geldbörse ist der falsche Weg.Der gute alte Einkaufsbeutel aus Stoff sollte wieder bei uns sein.Der öffentliche Nahverkehr zu soliden Preisen wäre der nächste Schritt. Größere Sammelcontainer getrennt nach Hausüll(früher hatten wir noch Asche im Winter) Glas Statt Plaste in jeglicher Art wären Sofortmaßnahmen.2% des gesammten Co2 Aufkommen erzeugt der Mensch.Die CO2 Vernichter -Bäume und Sträucher werden vernichtet um Freiflächen zu erhalten für Bauten und Fußballstadien.Die Widersprüche könnten nicht größer sein. Es gibt ein Buch 1954 in der DDR erschienen mit den Titel "Weltall,Erde,Mensch" das sollte Pflichtliteratur in den Schulen werden.Hier steht alles drin über die Zeitepochen der Welt.Alles ist erklärbar ohne Hysterie mit plausiblen Lösungen
marenghi 12.06.2019
5. Ja, das ist Ablasshandel...
...einer, der funktioniert! Zur Aufklärung: Die Kompensation wird in Klimaprojekte gesteckt, die so gut es geht berechnet genau den CO2-Anteil entsprechen, den man in die Luft geblasen hat (beim Flug, bei der Kreuzfahrt usw). Es [...]
...einer, der funktioniert! Zur Aufklärung: Die Kompensation wird in Klimaprojekte gesteckt, die so gut es geht berechnet genau den CO2-Anteil entsprechen, den man in die Luft geblasen hat (beim Flug, bei der Kreuzfahrt usw). Es ist also tatsächlich so, als wäre man daheim auf Balkonien geblieben ...und hätte motzende Spiegel-Online-Kommentare verfasst ohne Ahnung der Materie. :)

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