Wirtschaft

Längere Fristen, Online-Formulare

Das ändert sich bei der Steuererklärung

Steuererklärungen sollen künftig vollständig online bearbeitet und eingereicht werden können. Was müssen Sie beachten? Die wichtigsten Antworten.

DPA

Formular für Steuererklärung

Donnerstag, 12.05.2016   16:38 Uhr

Steuerzahler erhalten künftig zwei Monate mehr Zeit für die Abgabe ihrer Steuererklärung. Im Gegenzug droht schneller ein Zuschlag für verspätet eingereichte Unterlagen. Der Bundestag billigte am Donnerstag entsprechende Gesetzespläne in Berlin. Was bedeutet das konkret für Sie? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Was soll sich für Steuerzahler ändern?

Ziel ist ein besserer Service: Künftig sollen Steuerzahler ihre Daten über das elektronische Steuerverfahren Elster jederzeit vollständig online verwalten können. Daneben soll auch die Möglichkeit ausgeweitet werden, vom Finanzamt vorausgefüllte Erklärungen nur noch zu prüfen und anschließend per Mausklick einzureichen. So soll die Bearbeitungszeit insgesamt verkürzt werden. Zudem sollen die Steuerzahler über Elster auch schneller an ihren Steuerbescheid kommen und Rückzahlungen zügiger einfordern können.

Wie werden Belege künftig eingereicht?

Belege wie etwa Quittungen von Spenden oder Kapitalerträgen müssen nicht mehr grundsätzlich mit eingereicht werden. Wegwerfen darf man sie aber nicht; das Finanzamt kann sie bei Bedarf anfordern. Die Belege sollen allerdings dann anders als heute ebenfalls online übermittelt werden können.

Wen betreffen die Veränderungen?

Die Umstellung auf ein vollautomatisches Verfahren soll vor allem für die meist wenig komplizierten Steuererklärungen von Arbeitnehmern gelten - also für den überwiegenden Teil aller Steuerzahler. Die Bearbeitung betrieblicher Steuererklärungen ist nicht betroffen.

Was hat der Staat von der Modernisierung?

Die Steuerverwaltungen sollen durch die Automatisierung des Großteils der Verfahren personell entlastet und so effizienter werden. Ein Personalabbau ist damit laut Bundesfinanzministerium aber nicht verbunden. Durch den Wegfall vieler Bearbeitungsfälle sollen Finanzbeamte vielmehr zusätzliche Zeit für komplexere Sachverhalte haben. Dies betrifft etwa Fälle, in denen Bürger selbst um eine genauere Prüfung ihrer Steuerdaten bitten, und solche, in denen der Fiskus detailliertere Kontrollen für nötig hält.

Wie kommen Finanzämter verdächtigen Fällen auf die Spur?

Ein elektronisches Risikomanagementsystem soll den Beamten helfen. Wie bei der bereits existierenden Plausibilitätsprüfung werden Verdachtsfälle anhand verschiedener Kriterien digital ausgesiebt und anschließend überprüft. Laut Ministerium wird damit "anders geprüft, aber nicht weniger oder schlechter".

Muss die Steuererklärung zwingend online eingereicht werden?

Die Nutzung des erweiterten Online-Angebots soll freiwillig sein. Wer möchte, kann seine Steuererklärung weiterhin auf Papier einreichen. Und wer Zweifel an der korrekten Bearbeitung seiner digitalen Daten hat, soll eine klassische Prüfung durch einen Mitarbeiter beantragen können. Auch soll ein Freitextfeld beim elektronischen Verfahren Steuerzahlern ermöglichen, dem Finanzamt aus ihrer Sicht wichtige Zusatzangaben beizufügen.

Werden die Kontrollen mit der Modernisierung strenger?

Ja. Wer seine Erklärung zu spät einreicht, dem droht künftig ein Verspätungszuschlag von 25 Euro pro angefangenem Monat. Dafür aber wird die Abgabefrist von Ende Mai auf Ende Juli des Folgejahres verlängert. Zudem können individuelle Fristverlängerungen beantragt werden. Die Regelungen gelten auch, wenn ein Steuerberater beauftragt wurde.

Ab wann soll die Digitalisierung umgesetzt werden?

Ab dem 1. Januar 2017 sollen die meisten gesetzlichen Änderungen in Kraft treten. Damit wird allerdings nur der rechtliche Rahmen geschaffen - die flächendeckende technische Umsetzung ist in mehreren Schritten bis 2022 geplant.

ssu/AFP/dpa

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