Wirtschaft

Steuern sparen

Wozu brauch ich Panama?

Der Durchschnittsbürger kann sich keine Briefkastenfirma in einer Steueroase leisten - für ihn liegt Panama dafür beim Finanzamt. Mit einer ordentlichen Steuererklärung kann er Hunderte Euro sparen.

AP

Finanzamt (in Heidelberg): Fast so lukrativ wie Panama

Eine Kolumne von
Samstag, 09.04.2016   16:51 Uhr

Der Verdacht, dass Firmen und Menschen, die Briefkastenfirmen gründen, damit auch etwas vor der Steuer verheimlichen wollen, wurde selten so eindrucksvoll belegt wie jetzt durch die Panama Papers. Der britische "Guardian" zitiert aus einem internen Memo eines Teilhabers der panamaischen Kanzlei Mossack Fonseca: "95 Prozent unserer Arbeit besteht zufälligerweise daraus, Strukturen zu schaffen, um Steuern zu vermeiden."

Die Briefkasten-Masche ist nicht neu: Die Commerzbank zum Beispiel musste im vergangenen Herbst 17 Millionen Euro Strafe zahlen wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung, weil sie Kunden geholfen hatte, Schwarzgeld in Panama zu parken.

Sehr illustrativ ist der Fall der Großbank HSBC in Genf: 2008 machte ein Whistleblower 100.000 Kundenprofile bekannt. Am Ende fanden sich darin Details über knapp 3000 Konten und Briefkastenfirmen französischer Kunden. Frankreichs Steuerfahnder werteten zentral aus, wie viele davon bei den französischen Finanzbehörden bekannt waren: Es waren weniger als zehn.

Es wird Zeit, dieses Steuersparmodell wirksam zu unterbinden.

Für den deutschen Durchschnittsbürger liegt Panama beim Finanzamt. Er kann mit einer ordentlichen Steuererklärung nämlich Hunderte, manchmal Tausende Euro Steuern sparen. Er und sie können das tun, ohne Gesetze zu verbiegen, ohne Heimlichtuerei und in dem guten Gefühl, mit den dann noch zu entrichtenden Steuern Lehrer, Polizeibeamte, Feuerwehrleute und neue Bahntrassen zu finanzieren. Also Vernünftiges zu tun. Und das geht so:

Es gibt noch zahlreiche weitere legale (und legitime) Möglichkeiten, um Steuern zu sparen. Detailinfos für eine besonders erfolgreiche Steuererklärung finden Sie in dem kostenlosen 57 Seiten starken E-Booklet, das meine Kollegen zusammengestellt haben.

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insgesamt 64 Beiträge
Leser161 09.04.2016
1. Ho Ho said the clown
Da sollen wir uns jetzt drüber freuen, dass wir ein bisschen was durche eine ordentliche Steuererklärung sparen können, während die Superreichen ihre Einkünfte komplett vor dem Fiskus in Sicherheit bringen können, mit [...]
Da sollen wir uns jetzt drüber freuen, dass wir ein bisschen was durche eine ordentliche Steuererklärung sparen können, während die Superreichen ihre Einkünfte komplett vor dem Fiskus in Sicherheit bringen können, mit Techniken die zwar verpönt aber deren Illegalität zunächst noch bewiesen werden müsste. Für wie begeisterungsfähig hält uns der Autor?
silenced 09.04.2016
2.
Jetzt fehlen nur noch Thesen wie: "Würden weniger Leute Steuern hinterziehen müssten die Steuern gar nicht so hoch sein weil mit weniger Steuern dann viel mehr eingenommen werden könnte." Asoziales Verhalten wird [...]
Jetzt fehlen nur noch Thesen wie: "Würden weniger Leute Steuern hinterziehen müssten die Steuern gar nicht so hoch sein weil mit weniger Steuern dann viel mehr eingenommen werden könnte." Asoziales Verhalten wird niemals durch irgendwas verhindert werden können. Der Mensch ist geistig noch nicht so weit.
exHotelmanager 09.04.2016
3. Steuern
Durch Abgabe einer Steuererklären kann man u. U. zuviel voraus gezahlte Steuern zurückfordern. "Sparen" kann man Steuern so nicht. Das könnte nur der Staat.
Durch Abgabe einer Steuererklären kann man u. U. zuviel voraus gezahlte Steuern zurückfordern. "Sparen" kann man Steuern so nicht. Das könnte nur der Staat.
Nobody X 09.04.2016
4.
... liegt Panama beim Finanzamt". Was ist denn das für ein Blödsinn? Wenn der Durchschnittsbürger eine ordentliche Steuererklärung abgeben will, dann muss er dafür in aller Regel kostenpflichtige Hilfe in Anspruch [...]
... liegt Panama beim Finanzamt". Was ist denn das für ein Blödsinn? Wenn der Durchschnittsbürger eine ordentliche Steuererklärung abgeben will, dann muss er dafür in aller Regel kostenpflichtige Hilfe in Anspruch nehmen. Das heißt: Wenn ich das mir zustehende Geld haben möchte, dann muss ich dafür bezahlen - und genau das ist schon ein Verbrechen am Steuerzahler. Die Aussage "Für den deutschen Durchschnittsbürger liegt Panama beim Finanzamt" ist doch wohl mehr als daneben.
butzibart13 09.04.2016
5. Reisen - absetzbar (auch nach Panama)
Dem neuesten SPIEGEL ist eine Leserreise nach Chile/Argentinien/Uruguay zu Weianbaugebieten beigelegt. Alle Personen, die mit Wein zu tun haben, sei es Gastronomen oder auch Lehrer, die im Gastronomiegewerbe unterrichten, [...]
Dem neuesten SPIEGEL ist eine Leserreise nach Chile/Argentinien/Uruguay zu Weianbaugebieten beigelegt. Alle Personen, die mit Wein zu tun haben, sei es Gastronomen oder auch Lehrer, die im Gastronomiegewerbe unterrichten, müssten diese Reise steuerlich absetzen können. Und wenn wir wie in Italien Weinkunde als Schulfach einführen würden, müsste sich der unterrichtende Personenkreis nochmals erhöhen. Zugegeben, das betrifft nur einen kleinen Teil der Bevölkerung. Der SPIEGEL als Bildungslektüre ist dagegen nicht absetzbar.

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