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So groß ist das Armutsrisiko in Ihrer Region

In Bremen sind besonders viele Menschen von Armut bedroht, in Baden-Württemberg besonders wenige. Wie Ihr Bundesland abschneidet, zeigt unsere Karte.

AP

Straßenszene in Duisburg

Dienstag, 29.08.2017   16:05 Uhr

Es ist nur ein Orientierungswert, doch er gibt Aufschluss über die soziale Ungleichheit der Republik. Laut aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamts ist das Armutsrisiko in den deutschen Bundesländern sehr unterschiedlich.

Die sogenannte Armutsgefährdungsquote lag demnach im vergangenen Jahr in Bremen bei 22,6 Prozent und in Sachsen-Anhalt bei 21,4 Prozent. In Baden-Württemberg lag die Quote dagegen nur bei 11,9 Prozent, in Bayern bei 12,1 Prozent.

Die Armutsgefährdungsquote gibt an, wie hoch der Anteil der Menschen ist, die weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens in Deutschland zur Verfügung haben.

Große Unterschiede



Für eine vierköpfige Familie (zwei Erwachsene, zwei Kinder unter 14 Jahren) liegt diese Schwelle derzeit bei einem verfügbaren Nettoeinkommen von weniger als 2035 Euro im Monat. Für eine Alleinerziehende mit zwei Kindern unter 14 Jahren sind es 1550 Euro im Monat, für Singles 969 Euro.

Kritiker wenden ein, dass auf diese Weise eher Ungleichheit als Armut gemessen werden kann - zudem werden die sehr unterschiedlichen Lebenshaltungskosten in Deutschland nicht berücksichtigt. Dennoch gibt die Quote einen guten Eindruck über den Zustand der Bundesrepublik.

Das Statistische Bundesamt weist in seinem neuen Bericht auch die Armutsgefährdung von unter 18-Jährigen aus. Diese ist trotz anhaltend guter Konjunktur auf einen Rekordstand gestiegen. Im vergangenen Jahr waren davon bundesweit rund 20,2 Prozent aller Menschen dieser Altersklasse bedroht. 2015 waren es erst 19,7 Prozent.

Experten hatten den Anstieg der Quote erwartet, sagen aber auch voraus, dass sie mittelfristig wieder leicht fallen dürfte.

ssu

insgesamt 76 Beiträge
Guerilla_77 29.08.2017
1. .....
Die "Grafik" ansich will ich garnicht bemängeln. Allerdings dürfte diese etwas genauer sein, Wahlkreise oder Regierungsbezirke oder ähnliches zb. Denn in NRW dürfte das "bonzige" Düsseldorf eher nicht [...]
Die "Grafik" ansich will ich garnicht bemängeln. Allerdings dürfte diese etwas genauer sein, Wahlkreise oder Regierungsbezirke oder ähnliches zb. Denn in NRW dürfte das "bonzige" Düsseldorf eher nicht mit dem kaputten Duisburg oder Essen vergleichbar sein oder die "bonzige" Ostseeküste mit der verarmten Grenzregion zu Nrandenburg in MeckPomm. Ist also verfälscht...
sonnemond 29.08.2017
2. Wie mein Bundesland abschneidet, sehe ich an . .
. . . . der Frequenz, in der im Münchener Hauptbahnhof die Mülltonnen durchsucht werden. War vor einigen Jahren nur ab und zu mal ein Bedürftiger da, sind wir jetzt im Zwei-Minuten-Takt.
. . . . der Frequenz, in der im Münchener Hauptbahnhof die Mülltonnen durchsucht werden. War vor einigen Jahren nur ab und zu mal ein Bedürftiger da, sind wir jetzt im Zwei-Minuten-Takt.
Steve.Joe 29.08.2017
3. Durchschnittseinkommen nicht aussagekräftig
Niedrigste Miete auf Immoscout für 60qm Wohnung in Bremerhaven für 220 Euro, in Bremen für 340 Euro. Niedrigste Miete auf Immoscout für 60qm Wohnung in Pasing bzw. Lochhausen für 650 Euro, in München Perlach für 800 Euro [...]
Niedrigste Miete auf Immoscout für 60qm Wohnung in Bremerhaven für 220 Euro, in Bremen für 340 Euro. Niedrigste Miete auf Immoscout für 60qm Wohnung in Pasing bzw. Lochhausen für 650 Euro, in München Perlach für 800 Euro ... noch irgendwelche Fragen?
paysdoufs 29.08.2017
4. Absolut jeder...
...der heute 30-50 Jahre alt ist hat live und in Farbe mitverfolgen können wie sehr die "Südländer" den Rest der Republik in quasi allen für eine erfolgreiche Gesellschaft relevanten Kennwerten zunehmend abgehängt [...]
...der heute 30-50 Jahre alt ist hat live und in Farbe mitverfolgen können wie sehr die "Südländer" den Rest der Republik in quasi allen für eine erfolgreiche Gesellschaft relevanten Kennwerten zunehmend abgehängt haben. Und das trotz solcher Schweinereien wie des immerwährenden LFA (Berlin - ich schaue auf Dich). Ich kann zwar nur für mich selber sprechen, aber ich weiß, dass ich mit dieser Auffassung lokal nicht alleine da stehe: BaWü und Bayern wären außerhalb der BRD und im Zusammenschluss mit ihren jeweiligen Nachbarländern um einiges besser aufgehoben. Zumal ich bei den Nordländern auch zukünftig keine Besserung erwarte: zu protestantisch-moralinsauer, zu links-ideologisch, zu wenig pragmatisch um die Herausforderungen einer globalisierten Welt zu meistern. Und Merkel ist deren perfekte Chefin...
erst-denken 29.08.2017
5. Keine Aussage zum Risiko
Die Kritiker haben vollkommen recht mit Ihrer Ansicht, dass diese Statistik nur eine Darstellung von Ungleichheit ist. Eine Statistik darüber, wie ein Zustand IST, macht keinerlei Aussage über ein Risiko, da "Risiko" [...]
Die Kritiker haben vollkommen recht mit Ihrer Ansicht, dass diese Statistik nur eine Darstellung von Ungleichheit ist. Eine Statistik darüber, wie ein Zustand IST, macht keinerlei Aussage über ein Risiko, da "Risiko" etwas "zukünftig Mögliches" bedeutet. Eine Aussage für die Zukunft lässt sich aus dieser Statistik bei weitem nicht ablesen. Daher ist der Artikel verfehlt, insbesondere weil er auch darauf verweist, dass die Quote einen guten Richtwert darstellt. Bestenfalls wenn man die zeitliche Veränderung der Quote berücksichtigt hätte man evtl. einen Richtwert dahingehend, in welchem Bundesland das Risiko größer ist, in den Bereich der relativen finanziellen Armut zu gelangen: Wenn z. B. die Quote jedes Jahr in Berlin um 1%-Punkt ansteigt und in Baden-Württemberg um 1% sinkt, kann man evtl. eine Aussage darüber treffen, dass es möglich wäre eher in Berlin zu verarmen als in Baden-Württemberg. Grundsätzlich müsste für die Bewertung eines Risikos die Lohnentwicklung im zeitlichen Verlauf mit Prognosen für die kommenden dargestellt werden. Nur dann kann man eine qualifizierte Aussage über ein Risiko vornehmen...Und dabei ist nicht zu vergessen, dass die Aussage über ein Risiko selbst wieder eine Prognose ist, die nichts über das tatsächliche Eintreten aussagt. Der Artikel von SPON hätte daher durchaus kritischer ausfallen dürfen. So werden die Leser leider auf die falsche Fährte geführt.

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