Wirtschaft

DIHK-Umfrage

Deutsche Wirtschaft rechnet mit noch schwächerem Wachstum

"Die Konjunktur steht unter Druck": Der Wirtschaftsverband DIHK hat seine Wachstumsprognose noch einmal gesenkt - auf nur noch 0,6 Prozent. Besonders ein Sektor spürt demnach den Abschwung.

Waltraud Grubitzsch/ / DPA

Arbeiter in einem Reparaturwerk in Bitterfeld-Wolfen

Dienstag, 28.05.2019   14:07 Uhr

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann sprach kürzlichvon einer lediglich vorübergehenden Schwächephase, doch die schlechte Stimmung in der Wirtschaft verdichtet sich. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) prognostiziert der weltweit viertgrößten Volkswirtschaft 2019 nur noch ein Plus von 0,6 Prozent - nach einem Wachstum um 1,4 Prozent im Jahr 2018.

"Gerade die Industrieunternehmen spüren die deutlich langsamere Gangart der Weltwirtschaft", wird DIHK-Präsident Eric Schweitzer in einer Mitteilung zitiert. "Beim Auslandsgeschäft sind die Erwartungen so niedrig wie seit zehn Jahren nicht mehr." Besonders die exportorientierte Industrie sei angesichts globaler Handelskonflikte, des weiterhin drohenden Brexits und einer generell abgekühlten internationalen Konjunktur pessimistischer.

Nach mehreren Jahren mit jeweils mehr als zwei Prozent Wirtschaftswachstum war der Spitzenverband zum Jahresbeginn noch von einem Zuwachs von 0,9 Prozent ausgegangen. Doch eine Umfrage unter mehr als 25.000 Unternehmen hat nun zu einem pessimistischeren Bild geführt. Auch viele Forschungsinstitute und die Bundesregierung haben ihre Prognosen mittlerweile gesenkt - Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) rechnet nur noch mit 0,5 Prozent.

Binnenkonjunktur zeigt sich bislang robust

"Die Konjunktur steht unter Druck", teilte der DIHK zu seiner Umfrage mit. Die Geschäfte der deutschen Unternehmen "laufen spürbar schlechter als noch zu Jahresbeginn". Das veranlasse viele Firmen, ihre Investitionspläne zu stutzen. Immerhin: "Mehr binnenorientierte Wirtschaftszweige wie der Bau und der Handel verspüren hingegen weiter vergleichsweise solide Geschäfte."

Die stabile Binnenkonjunktur stützt sich auch auf die anhaltend hohe Konsumnachfrage der privaten Haushalte, die für mehr als 50 Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung von fast 3,4 Billionen Euro steht. Die Konsumkonjunktur wiederum wird getragen von der seit Jahren wachsenden Rekordbeschäftigung mit fast 45 Millionen Erwerbstätigen.

Allerdings trüben sich die Beschäftigungsabsichten der Unternehmen laut DIHK "so deutlich ein wie seit fast fünf Jahren nicht mehr". Vor allem in der Industrie schlage sich das verschlechterte Geschäftsumfeld auf die Personalpläne nieder. Außerdem bremse der Fachkräftemangel Einstellungen. Der Beschäftigungsaufbau werde sich zwar fortsetzen, "allerdings in geringerem Umfang als in den letzten Jahren".

Der Arbeitsmarkt reagiert laut DIHK seit einiger Zeit robuster auf Konjunkturschwankungen als in früheren Jahren. "Daraus folgt nicht zuletzt, dass trotz der aktuell getrübten Geschäftserwartungen die Beschäftigungspläne weiterhin vergleichsweise expansiv sind."

Wie funktioniert die Civey-Methodik?
Das Meinungsforschungsinstitut Civey arbeitet mit einem mehrstufigen vollautomatisierten Verfahren. Alle repräsentativen Echtzeitumfragen werden in einem deutschlandweiten Netzwerk aus mehr als 20.000 Websites ausgespielt ("Riversampling"), es werden also nicht nur Nutzer von SPIEGEL ONLINE befragt. Jeder kann online an den Befragungen teilnehmen und wird mit seinen Antworten im repräsentativen Ergebnis berücksichtigt, sofern er sich registriert hat. Aus diesen Nutzern zieht Civey eine quotierte Stichprobe, die sicherstellt, dass sie beispielsweise in den Merkmalen Alter, Geschlecht und Bevölkerungsdichte der Grundgesamtheit entspricht. In einem dritten Schritt werden die Ergebnisse schließlich nach weiteren soziodemografischen Faktoren und Wertehaltungen der Abstimmenden gewichtet, um Verzerrungen zu korrigieren und Manipulationen zu verhindern. Weitere Informationen hierzu finden Sie auch in den Civey FAQ.
Warum ist eine Registrierung nötig?
Die Registrierung hilft dabei, die Antworten zu gewichten, und ermöglicht so ein Ergebnis für die Umfragen, das für die Wahlbevölkerung in Deutschland repräsentativ ist. Jeder Teilnehmer wird dabei nach seinem Geschlecht, Geburtsjahr und Wohnort gefragt. Danach kann jeder seine Meinung auch in weiteren Umfragen zu unterschiedlichen Themen abgeben.
Wie werden die Ergebnisse repräsentativ?
Die Antwort jedes Teilnehmers wird so gewichtet, dass das Resultat einer Umfrage für die Grundgesamtheit repräsentativ ist. Bei der Sonntagsfrage und beim Regierungsmonitor umfasst diese Grundgesamtheit die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Die Gewichtung geschieht vollautomatisiert auf Basis der persönlichen Angaben bei der Registrierung sowie der Historie früherer Antworten eines Nutzers. Weitere Details zur Methodik stehen im Civey-Whitepaper.
Erreicht man online überhaupt genügend Teilnehmer?
Meinungsumfragen werden in der Regel telefonisch oder online durchgeführt. Für die Aussagekraft der Ergebnisse ist entscheidend, wie viele Menschen erreicht werden können und wie viele sich tatsächlich an einer Umfrage beteiligen, wenn sie angesprochen werden. Internetanschlüsse und Festnetzanschlüsse sind in Deutschland derzeit etwa gleich weit verbreitet - bei jeweils rund 90 Prozent der Haushalte, Mobiltelefone bei sogar 95 Prozent. Die Teilnahmebereitschaft liegt bei allen Methoden im einstelligen Prozentbereich, besonders niedrig schätzen Experten sie für Telefonumfragen ein.
Es gibt also bei beiden Methoden eine Gruppe von Personen, die nicht erreicht werden kann, weil sie entweder keinen Anschluss an das jeweilige Netz hat oder sich nicht an der Umfrage beteiligen möchte. Deshalb müssen für ein aussagekräftiges Ergebnis immer sehr viele Menschen angesprochen werden. Civey-Umfragen sind derzeit neben SPIEGEL ONLINE in mehr als 20.000 andere Webseiten eingebunden, darunter auch unterschiedliche Medien. So wird gewährleistet, dass möglichst alle Bevölkerungsgruppen gut erreicht werden können.
Woran erkenne ich die Güte eines Ergebnisses?
Bis das Ergebnis einer Umfrage repräsentativ wird, müssen ausreichend viele unterschiedliche Menschen daran teilnehmen. Ob das bereits gelungen ist, macht Civey transparent, indem zu jedem Umfrageergebnis eine statistische Fehlerwahrscheinlichkeit angegeben wird. Auch die Zahl der Teilnehmer und die Befragungszeit werden für jede Umfrage veröffentlicht.
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In unseren Grafiken ist der statistische Fehler als farbiges Intervall dargestellt. Dieses Intervall zeigt jeweils, mit welcher Unsicherheit ein Umfragewert verbunden ist. Zum Beispiel kann man bei der Sonntagsfrage nicht exakt sagen, wie viel Prozent eine Partei bei einer Wahl bekommen würde, jedoch aber ein Intervall angeben, in dem das Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit liegen wird. Überschneiden sich die Intervalle von zwei Umfragewerten, dann können streng genommen keine Aussagen über die Differenz getroffen werden. Bei der Sonntagsfrage heißt das: Liegen die Umfragewerte zweier Parteien so nah beieinander, dass sich ihre Fehlerintervalle überlappen, lässt sich daraus nicht ableiten, welche von beiden aktuell bei der Wahl besser abschneiden würde.
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Die persönlichen Daten der Nutzer werden verschlüsselt auf deutschen Servern gespeichert und bleiben geheim. Mitarbeiter von Civey arbeiten für die Auswertungen lediglich mit User-IDs und können die Nutzer nicht mit ihrer Abstimmung in Verbindung bringen. Die persönlichen Angaben der Nutzer dienen vor allem dazu, die Antworten zu gewichten und sicherzustellen, dass die Umfragen nicht manipuliert werden. Um dies zu verhindern, nutzt Civey statistische wie auch technische Methoden. Darüber hinaus arbeitet Civey mit externen Partnern zusammen, die Zielgruppen für Werbetreibende erstellen. Nur wenn Nutzer die Datenschutzerklärung sowohl von Civey als auch von einem externen Partner akzeptiert haben, dürfen Ihre Antworten vom Partner zur Modellierung dieser Zielgruppen genutzt werden. Ein Partner erhält aber keine Informationen zu Ihren politischen und religiösen Einstellungen sowie solche, mit denen Sie identifiziert werden können. Civey-Nutzer werden auch nicht auf Basis ihrer Antworten mit Werbung bespielt. Der Weitergabe an Partner können Sie als eingeloggter Nutzer jederzeit hier widersprechen. Mehr Informationen zum Datenschutz bei Civey finden Sie hier.
Wer steckt hinter Civey-Umfragen?
An dieser Stelle haben Leser in der App und auf der mobilen/stationären Website die Möglichkeit, an einer repräsentativen Civey-Umfrage teilzunehmen. Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Zur Erhebung seiner repräsentativen Umfragen schaltet die Software des 2015 gegründeten Unternehmens Websites zu einem deutschlandweiten Umfragenetzwerk zusammen. Neben SPIEGEL ONLINE gehören unter anderem auch der "Tagesspiegel", "Welt", "Wirtschaftswoche" und "Rheinische Post" dazu. Civey wurde durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

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apr/dpa/AFP

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