Wirtschaft

Rezessions-Abwehr

DIW fordert Milliarden-Investitionen vom Staat

Der Bundestag debattiert über den Haushalt - und in Politik und Wirtschaft mehren sich die Forderungen, ein Abrutschen in eine Wirtschaftskrise mit höheren Staatsausgaben zu verhindern.

DPA

DIW-Chef Marcel Fratzscher

Mittwoch, 11.09.2019   10:39 Uhr

Im Bundestag geht es heute wieder ums Geld: Die Debatten um den Haushalt werden fortgesetzt, und sie stehen ganz im Zeichen des sich immer deutlicher abzeichnenden Abschwungs der Wirtschaft. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat ein milliardenschweres staatliches Investitionsprogramm gefordert, um eine mögliche Rezession zu verhindern.

"Das Investitionsprogramm sollte langfristig auf 15 Jahre angelegt sein und 30 Milliarden Euro an zusätzlichen öffentlichen Investitionen anstoßen, vor allem in Infrastruktur, Bildung und Innovation", sagte DIW-Präsident Marcel Fratzscher den Zeitungen, die zur Funke Mediengruppe gehören. Die Bundesregierung sollte nicht erst warten, bis eine Rezession sich verfestigt habe.

Auch die schwarze Null - also ein Haushalt ohne neue Schulden - sei kein Selbstzweck, sondern notwendig in guten Zeiten, damit der Staat in schlechten Zeiten die Möglichkeit habe, stabilisierend zu wirken, sagte Fratzscher.

"Wir befinden uns nun in schlechteren Zeiten und es ist höchste Zeit, dass die Politik agiert." Bundesfinanzminister Olaf Scholz hatte am Dienstag erklärt, im Falle einer Krise gerüstet zu sein, aber "dazu muss sie dann erst mal da sein". Die deutsche Wirtschaft ist im zweiten Quartal geschrumpft. Experten erwarten auch im laufenden dritten Quartal einen Rückgang, womit Deutschland offiziell in einer Rezession wäre.

beb/Reuters

insgesamt 19 Beiträge
ptb29 11.09.2019
1. Jahrelang kassieren die Firmen gut,
und jetzt, wo eventuell die Zeiten härter werden, soll der Staat investieren? Vielleicht wäre es hilfreich, wenn die Aktionäre zur Kasse gebeten werden.
und jetzt, wo eventuell die Zeiten härter werden, soll der Staat investieren? Vielleicht wäre es hilfreich, wenn die Aktionäre zur Kasse gebeten werden.
Ichbines2 11.09.2019
2. welche Wirtschaftskrise denn?
Die gestrigen Konjunkturdaten waren schon wieder besser! Die großen Sorgen sind wie weggepustet. Der Dax hat deswegen schon in den letzten Tagen fast 800 Pluspunkte gemacht und auch heute rast er weiter. (Dow fast auf [...]
Die gestrigen Konjunkturdaten waren schon wieder besser! Die großen Sorgen sind wie weggepustet. Der Dax hat deswegen schon in den letzten Tagen fast 800 Pluspunkte gemacht und auch heute rast er weiter. (Dow fast auf All-time-high) Börse spielt Zukunft, das ist ein geflügeltes Wort. Käme also eine Krise, würden wohl kaum die Leute Aktien von Absturz bedrohten Firmen kaufen, so what? Besser das Geld in Schulen und Infrastruktur investieren!
nikaja 11.09.2019
3. altes Motto
Den Gewinn personalisieren, den Verlust auf den Steuerzahler abwaelzen, so haben wir es gerne ! Das nennt sich dann soziale Marktwirtschaft. Die Selbstregulierung des Marktes, sooft zitiert von den Verfechtern des freien [...]
Den Gewinn personalisieren, den Verlust auf den Steuerzahler abwaelzen, so haben wir es gerne ! Das nennt sich dann soziale Marktwirtschaft. Die Selbstregulierung des Marktes, sooft zitiert von den Verfechtern des freien Kapitalismus, funktioniert nur, wenn der Staat die Schulden uebernimmt; und das haben wir gerne wenn die dicken Gewinne gemacht werden und spaeter keine Verantwortung uebernommen wird, wenn die Marktmaschine nicht mehr rund laeuft.
gunpot 11.09.2019
4. Bitte nichts in die Infrastruktur
stecken. Der Auftragsbestand des Bauhauptgewerbes hat in der ersten Jahreshälfte 2019 noch einmal zugenommen. Die Bahn verfolgt ein verstärktes Investitionsprogramm und der Soli wird weitgehend abgeschafft und dürfte einen wen [...]
stecken. Der Auftragsbestand des Bauhauptgewerbes hat in der ersten Jahreshälfte 2019 noch einmal zugenommen. Die Bahn verfolgt ein verstärktes Investitionsprogramm und der Soli wird weitgehend abgeschafft und dürfte einen wen n auch geringen Konsummultiplikator in Gang setzen. Innnovationen sollten von der Privatwirschaft bezahlt werden; denn sie profitiert letzten Endes davon. So auch bei der Beschleunigung des Internet. Es täte den Wirtschaftswissenschaftlern mal gut, Schnupperkurse auf unseren Baustellen zu nehmen. Wir kommen auf unseren Bundesfernstrassen kaum voran, weil überall gebuddelt wird. In unseren Städten sind permanent ganze Strassenzüge gesperrt, weil die Großbaustellen zu ende gebracht werden müssen. Kommunen rufen Bundesgelder zur Verbesserung ihrer kommunalen Infrastruktur nicht ab, das bei fast 0 Prozent Zinsen auf einen Eigenanteil von 10 bis 15 Prozent. Versuchen Sie doch einmal einen Handwerker vor Ort zu bekommen. Die Standartantwort ist: Unsere Leute sind für unabsehbare Zeit auf den Baustellen. Im letzten Monat zogen die Exporte an. Ach ja, da gibt es ja noch die so darniederliegende Autoindustrie. Die haben noch keinen entlassen, es werden nur Sonderschichten heruntergefahren. Vielleicht können wir ja Neuwagen bald billiger kaufen. Kurzum, Kassandra kommt zu früh für die Theaterbesetzung.
karlo1952 11.09.2019
5. Die Industrie sollte sich
zuerst einmal aus den Rücklagen bedienen, die sie ja regelmäßig bilden und nicht an die Aktionäre und Anteilseigner auszahlen. Mittlerweile sind wir soweit, dass schon gejammert wird, wenn der Umsatz mal um 2 % zurückgeht.
zuerst einmal aus den Rücklagen bedienen, die sie ja regelmäßig bilden und nicht an die Aktionäre und Anteilseigner auszahlen. Mittlerweile sind wir soweit, dass schon gejammert wird, wenn der Umsatz mal um 2 % zurückgeht.

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