Wirtschaft

Energiebranche 2019

Showdown beim Kohleausstieg

Die Entscheidung im Kohleausstieg, höhere Strompreise und neue Geschäftsmodelle für Solar- und Windanlagen: Das sind die Energiethemen des Jahres 2019.

DPA

Kohlekraftwerk

Von
Donnerstag, 27.12.2018   10:31 Uhr

Anfang Februar schlägt die Stunde der Wahrheit. Die Kommission für Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung - oft Kohlekommission genannt - will dann ihren Masterplan für den Kohleausstieg vorlegen, für ein Projekt also, das die Bundesrepublik in den kommenden Jahrzehnten stark prägen wird.

Es geht um Zehntausende Jobs. Um die Neugestaltung ganzer Regionen. Um landschaftlichen, erwerbsstrukturellen und kulturellen Wandel. Es geht auch um Wählerstimmen, denn in den ostdeutschen Braunkohlerevieren stehen kommendes Jahr Landtagswahlen an. Und dann geht es um die Rettung des Planeten, um Klimaschutz, zumindest um den deutschen Beitrag dazu.

Es geht um so viel, dass es in der Kohlekommission zuletzt heftigen Streit gab - vor allem ums Geld: Die ostdeutschen Länder fordern 60 Milliarden Euro für die kommenden Jahrzehnte, um den Strukturwandel zu bewältigen. Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) will ihnen aber bis 2021 nicht mehr als 1,5 Milliarden Euro zusagen. Die Energiekonzerne fordern derweil Entschädigungen für die Stilllegung ihrer Kraftwerke. Die Grünen indes sagen, man könne die alten Meiler auch einfach so abschalten.

Die 28-köpfige Kommission, in der unter anderem Politiker, Unternehmen sowie Wirtschafts- und Umweltverbände vertreten sind, hat also noch großen Klärungsbedarf.

Strompreise

Die hohen Strompreise dürften 2019 das zweite große Thema im Energiesektor sein. Zwar wird die sogenannte Ökostromumlage, über die Verbraucher den Ausbau der erneuerbaren Energien finanzieren, wohl etwas niedriger ausfallen. Der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) rechnet damit, dass sie von gut 6,8 auf rund 6,5 Cent pro Kilowattstunde sinkt.

Unterm Strich werden die Strompreise laut einer Prognose des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) trotzdem steigen. Die Megawattstunde Elektrizität ist an der Strombörse EEX aus zwei Gründen deutlich teurer geworden: Fossile Brennstoffe wie Kohle und Gas kosten mehr. Und die Zertifikate für den CO2-Ausstoß haben sich verteuert.

Die hohe Belastung für Verbraucher und Unternehmen dürfte die Politik im kommenden Jahr erneut beschäftigen. Denn es werden regelmäßig neue Vorschläge gemacht, wie man den Strompreis senken kann.

Zuletzt forderte BDEW-Chef Stefan Kapferer, den Satz bei der Stromsteuer massiv zu drosseln - und zwar auf das europarechtlich mögliche Minimum von 0,1 Cent. Kostenpunkt für die Regierung: rund 5,5 Milliarden Euro. Ersparnis für die Verbraucher: groß. Die Stromsteuer macht etwa sieben Prozent des Endkundenpreises aus.

Umbruch bei den erneuerbaren Energien

Die Förderung des deutschen Ökostroms befindet sich in der Endphase. Bis 2021 werden Windanlagen mit einer Leistung von vier Gigawatt aus der Förderung fallen, bis Ende 2025 auch Anlagen mit einer Leistung von 16 Gigawatt.

Die Frage, wie sich ohne Förderung noch Geld verdienen lässt, ist in der Ökostrombranche schon jetzt ein großes Thema. Der Stromversorger Enyway etwa will pizzakartongroße Anteile von Solaranlagen an Kunden verpachten. Die Eigentümer des Windparks Ellhöft wollen aus ihrem Strom klimaneutralen Wasserstoff herstellen und damit eine Tankstelle für Brennstoffzellenautos beliefern.

Der Wettlauf um die Geschäftsmodelle der Zukunft hat gerade erst begonnen. 2019 dürften viele weitere Firmen ihre Konzepte für den Strommarkt der Zukunft vorstellen.

insgesamt 18 Beiträge
tyll.spiegel 27.12.2018
1. Raus aus der Kohle - Es funktioniert und wird Zeit!
Inzwischen hat es auch das Fraunhofer-Institut belegt (s. [...]
Inzwischen hat es auch das Fraunhofer-Institut belegt (s. https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/fraunhofer-institut-klimaschutzziel-2020-waere-ueber-weniger-braunkohle-erreichbar/22920646.html?ticket=ST-2744772-42aizSn2wCRb4lneb3GF-ap2): In D können EE (v.a. die Windkraft) recht kurzfristig die Rolle der Kohle übernehmen. Mit "Redox-Flow-Akkus" (Wikipedia weiß Bescheid) stehen demnächst gigantische Stromspeicher zur Verfügung. Und auch die Windstrom-zu-Wasserstoff-Technologie (via PEM, s. https://www.heise.de/tr/artikel/Aus-Wind-mach-Wasserstoff-2921663.html) ist inzwischen einsatzbereit. Und das beste: Deutsche Unternehmen sind ausnahmsweise mal vorne mit dabei. Als spricht inzwischen gar nichts mehr gegen den Ausbau der EE, v.a. WKA. Außer die mächtige Lobby der fossilen Energie und die von ihr "betreuten" Politiker (v.a. CSU und AfD) ...
zahlendompteur123 27.12.2018
2. So einfach wird es nicht..
Die Redox Flow Batterie ist vorerst technisch gescheitert (siehe EWE Homepage Brine4Power Projekt) und obendrein nicht wirtschaftlich. Was Power to Gas angeht, sprechen wir von Zeiträumen einer sinnvollen Nutzung ab 2040... [...]
Die Redox Flow Batterie ist vorerst technisch gescheitert (siehe EWE Homepage Brine4Power Projekt) und obendrein nicht wirtschaftlich. Was Power to Gas angeht, sprechen wir von Zeiträumen einer sinnvollen Nutzung ab 2040... Bis dahin muss uns Erdgas, auch aus Russland und den USA helfen. Das erste LNG Terminal in Norddeutschland wird schon bald in die Bauphase gehen.
diplommaurer 27.12.2018
3. Was hätte man mit all den EEG-Milliarden stattdessen machen können?
Die EEG-Subvention liegt bei über 20 Milliarden PRO JAHR. Man hätte stattdessen z.B. den Bürgern neue und effizienter Brennwertheizungen spendieren und Gebäude sanieren können. Damit hätte man wesentlich mehr CO2 eingespart, [...]
Die EEG-Subvention liegt bei über 20 Milliarden PRO JAHR. Man hätte stattdessen z.B. den Bürgern neue und effizienter Brennwertheizungen spendieren und Gebäude sanieren können. Damit hätte man wesentlich mehr CO2 eingespart, die Gas- oder Ölrechnung wäre gesunken und die Subvention wäre mehr der deutschen Wirtschaft zu Gute gekommen (heimische Handwerksbetriebe). Für diejenigen, die mit Strom heizen, wäre es auch billiger, da die riesige EEG-Umlage nicht existieren würde. Stattdessen haben wir Solarzellenfabriken in China aufgebaut. Ich kenne eine große Solaranlage, die aus chinesischen Solarzellen besteht, die von einer osteuropäischen Spedition geliefert wurden, woher die Montagefirma kam weiß ich nicht. Diese Solaranlage wird an sonnigen Feiertagen wieder Strom produzieren, der nicht benötigt wird und an der Börse weit unter dem Erzeugerpreis gehandelt wird. Dem Besitzer kann es egal sein, er bekommt seine garantierte Rendite, dem EEG sei Dank. Eine solche Politik kann sich nur ein reiches Land leisten.
neutron76 27.12.2018
4. Wenn wir keine Kohle abbauen, wird sie importiert.
Bei der Steinkohle funktioniert das ganz gut und bei der Braunkohle wird eben der Strom zugekauft. Auf der anderen Seite kann ich nicht verstehen wie jemand in den letzten 20 Jahren noch bei Ausbildung/Berufswahl auf Kohle [...]
Bei der Steinkohle funktioniert das ganz gut und bei der Braunkohle wird eben der Strom zugekauft. Auf der anderen Seite kann ich nicht verstehen wie jemand in den letzten 20 Jahren noch bei Ausbildung/Berufswahl auf Kohle setzen konnte. Daher sind die 60 Mrd. € völlig überzogen. Kein Berufsstand ist seit Gründung der Bundesrepublik bei Umstrukturierungen so weich gefallen, wie Bergleute.
Ökofred 27.12.2018
5. Toller Beitrag!
Bitte in Zukunft richtig verlinken. Auf der von Ihnen vorgeschlagenen Seite finde ich nix von "gescheitert". https://www.ewe-gasspeicher.de/home/b4p
Zitat von zahlendompteur123Die Redox Flow Batterie ist vorerst technisch gescheitert (siehe EWE Homepage Brine4Power Projekt) und obendrein nicht wirtschaftlich. Was Power to Gas angeht, sprechen wir von Zeiträumen einer sinnvollen Nutzung ab 2040... Bis dahin muss uns Erdgas, auch aus Russland und den USA helfen. Das erste LNG Terminal in Norddeutschland wird schon bald in die Bauphase gehen.
Bitte in Zukunft richtig verlinken. Auf der von Ihnen vorgeschlagenen Seite finde ich nix von "gescheitert". https://www.ewe-gasspeicher.de/home/b4p
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