Wirtschaft

Finanzbranche 2019

Großbanken im Überlebensmodus

Der deutsche Finanzsektor dürfte auch im kommenden Jahr nicht aus seiner Dauerkrise herauskommen. Den einstigen Branchenstars Deutsche Bank und Commerzbank droht gar der Autonomieverlust.

AP

Bankenskyline in Frankfurt am Main

Von
Donnerstag, 27.12.2018   10:28 Uhr

So vielfältig die deutsche Finanzwirtschaft ist mit ihrem Dreiklang aus Sparkassen, Volksbanken und privaten Instituten, eine Erfahrung eint sie: Fast keiner ihrer Topmanager kann sich noch daran erinnern, wie es ist, mit Zuversicht auf das kommende Jahr zu blicken.

Seit im Jahr 2007 mit dem Kollaps der Düsseldorfer IKB die globale Finanzkrise in Deutschland angekommen war, ist die Branche auf Talfahrt - und vieles spricht dafür, dass es 2019 noch schlimmer kommt.

Die durchschnittliche Eigenkapitalrendite nach Steuern der gut 1600 Banken in Deutschland lag zuletzt bei gerade einmal etwas mehr als zwei Prozent, ein unterirdischer Wert. Schlimmer noch: Die wenigsten Institute verdienen überhaupt so viel, wie es sie kostet, eigenes Kapital zu investieren oder fremdes Kapital aufzunehmen.

Einfach ausgedrückt: Die meisten Banken sind langfristig nicht überlebensfähig. Und das, obwohl Deutschlands Volkswirtschaft seit Jahren boomt und viele Bankmanager Kreditausfälle nur noch aus Erzählungen älterer Kollegen kennen.

Jetzt aber trüben sich die Konjunkturaussichten ein, Abschreibungen und Insolvenzen dürften sich bald häufen. Das verschärft die Krise der Geldhäuser. Zumal bei mauer Wirtschaftslage die Wahrscheinlichkeit sinkt, dass die Zinsen in der Eurozone in absehbarer Zeit deutlich steigen - und damit auch die Einnahmen der Banken.

Drohender Verlust der Eigenständigkeit

Hinzu kommt, dass die Digitalisierung die traditionellen Geschäftsmodelle der Geldhäuser infrage stellt - während gleichzeitig die starke Regulierung des Bankensektors wenig geschäftlichen Spielraum lässt.

Sparkassen und Volksbanken reagieren darauf seit Jahren mit dem immer gleichen Rezept:

Das wird 2019 so weitergehen. Auch weil diese beiden Bankengruppen wissen, dass sie kaum Marktanteile verlieren, da die Deutschen nun einmal besonders treue Kunden sind.

Für die Deutsche Bank und die Commerzbank indes wird es im neuen Jahr schlicht darum gehen, eigenständig zu überleben. Seit Wochen überschlagen sich die Gerüchte, was mit ihnen passieren wird:

Müssen sie in ihrer Not fusionieren (womöglich, auch wenn der betriebswirtschaftliche Nutzen gering wäre)? Werden sie von einem ausländischen Konkurrenten geschluckt? (Unwahrscheinlich - insbesondere das Derivatebuch der Deutschen Bank ist für jeden Interessenten eine Giftpille). Oder gibt es noch andere, öffentlich bislang nicht diskutierte Varianten?

Dramatischer Umsatz- und Bedeutungsverlust

Anders als sein Amtsvorgänger Wolfgang Schäuble kümmert sich Bundesfinanzminister Olaf Scholz aktiv um die beiden größten Sorgenkinder des Frankfurter Finanzplatzes. Das liegt an seinem Staatssekretär Jörg Kukies, ehedem Deutschlandchef der US-Investmentbank Goldman Sachs, ein Mann mit Gestaltungsdrang.

Vor allem aber liegt es daran, dass Berlin mit einem Anteil von 15 Prozent Großaktionär der Commerzbank ist und die Deutsche Bank ein unkalkulierbares Risiko für den Bund darstellt, sollte sie in eine existenzgefährdende Situation geraten.

Dabei hat der Konzern mit Christian Sewing erstmals seit Jahren einen Vorstandschef, der nicht den Eindruck vermittelt, ein visionärer Spinner oder spleeniger Zahlenschubser zu sein. Aber auch er kämpft bislang vergebens gegen den dramatischen Umsatz- und Bedeutungsverlust an.

Wie ein Keulenschlag trafen ihn die Geldwäscheermittlungen, die Ende November zu einer spektakulären Razzia in den Doppeltürmen führten. Ungewiss, ob Sewing die Deutsche Bank zurück auf die Erfolgsspur führen kann.

Vieles ist offen, kaum etwas klar. Nur so viel: Besser als 2018 wird es im neuen Jahr für Deutschlands schwindsüchtige Banken nicht werden.

insgesamt 6 Beiträge
bartsuisse 27.12.2018
1.
Nun gut.....die DeBa hockt auf einem Derivatensumpf. Heute die zweitgefährlichste Bank der Welt. Die schlechteste des Stresstest zusammen mit der verstaatlichten Commerzbank. Eine Fusion verstösst gegen EU Recht weil es eine [...]
Nun gut.....die DeBa hockt auf einem Derivatensumpf. Heute die zweitgefährlichste Bank der Welt. Die schlechteste des Stresstest zusammen mit der verstaatlichten Commerzbank. Eine Fusion verstösst gegen EU Recht weil es eine staatliche Hilfe wäre weil die CoBa verstaatlicht ist. Das schlechteste Bankwesen der G7 Staaten ist peinlichst schlecht aufgestellt und nicht gerüstet für eine Krise.
jj.ll. 28.12.2018
2. @bartsuisse
Heute bei Intesa: ein Bankomat fuer Auszahlungen (funktioniert), ein Bankomat fuer ein und Auszahlungen (defekt-der Techniker kommt mindestens jeden zweiten Tag). Ein Schalter besetzt (aber nur vorimittags), 10 Angestellte oder [...]
Heute bei Intesa: ein Bankomat fuer Auszahlungen (funktioniert), ein Bankomat fuer ein und Auszahlungen (defekt-der Techniker kommt mindestens jeden zweiten Tag). Ein Schalter besetzt (aber nur vorimittags), 10 Angestellte oder mehr beim Verkaufen, oder mit was anderen beschaeftigt. Ewig lange Warteschlange. 1,5 Stunden um Geld einzulegen. Fuer interne Ueberweisungen, von Intesa zu Intesa ab heute 0,90 €. Was fuer eine Bank!!!
bartsuisse 29.12.2018
3. jjll - persönliche Erfahrungen
es geht hier nicht um Kundenfreundlichkeit und ihre Erfahrungen, sondern um den desolaten Zusyand der beiden deutschen Grossbanken. Die Intesa ist 3 mal so gross wie die DeBa und hat bestens abgeschnitten im letzten Stresstest. [...]
es geht hier nicht um Kundenfreundlichkeit und ihre Erfahrungen, sondern um den desolaten Zusyand der beiden deutschen Grossbanken. Die Intesa ist 3 mal so gross wie die DeBa und hat bestens abgeschnitten im letzten Stresstest. Sowohl Intesa als Unicredit sind Juwelen im Vergleich zuDeBa und der verstaatlichten Commerzbank
jj.ll. 29.12.2018
4. @bartsuisse
Entschuldigung! Es geht hier sehr wohl um persoenliche Erfahrungen und um die Frage, wer zahlt denn fuer den Boersenwert der italienischen Banken. Mit den hoechsten Spesen, Gebuehren und Zinsen, ohne Aufwand fuer die [...]
Zitat von bartsuissees geht hier nicht um Kundenfreundlichkeit und ihre Erfahrungen, sondern um den desolaten Zusyand der beiden deutschen Grossbanken. Die Intesa ist 3 mal so gross wie die DeBa und hat bestens abgeschnitten im letzten Stresstest. Sowohl Intesa als Unicredit sind Juwelen im Vergleich zuDeBa und der verstaatlichten Commerzbank
Entschuldigung! Es geht hier sehr wohl um persoenliche Erfahrungen und um die Frage, wer zahlt denn fuer den Boersenwert der italienischen Banken. Mit den hoechsten Spesen, Gebuehren und Zinsen, ohne Aufwand fuer die Standart-Bankgeschaefte (weil die Kunden alles online erledigen- und das auch noch gegen Gebuehr), mit chronischer Unterbesetzung an den Schaltern, mit andauernd defekten Bankomaten, mit Verkauf nicht handelbarer Aktien usw. ist es schon leichter gute Boersenwerte zu erzielen. Natuerlich ist auch die Mentalitaet der Italiener mitschuld: beschwert wird sich nur, wenn die Ryanair zu spaet kommt, nie bei der Alitalia, ueber die hohen Dieselpreise in Frankreich wundert man sich, ueber die noch hoeheren in Italien schweigt man sich aus. Ueber die Deutsche Bank beklagt man sich, was einem italienische Banken bieten, akzeptiert man stillschweigend.
bartsuisse 30.12.2018
5. jjll - Kundenzufriedenheit
ich lese allerdings hier in den Threads andauernd wie schlecht der Kundenservice bei der DeBa ist. Langsam, überheblich. Aber auch das hat nichts mit dem Marktwert zu tun. Dass die DeBa heute auf dem Markt immer weniger Wert hat, [...]
ich lese allerdings hier in den Threads andauernd wie schlecht der Kundenservice bei der DeBa ist. Langsam, überheblich. Aber auch das hat nichts mit dem Marktwert zu tun. Dass die DeBa heute auf dem Markt immer weniger Wert hat, hst damit zu tun, dass der Markt das Vertrauen in diese Bank verliren hat und in ihre Fähigkeit sich zu reorganisieren. Dazu kommt der nach wie vor ungelöste Derivatensumpf und die andauernden kriminellen Machenschaften

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