Wirtschaft

Ausbeutung in Griechenland

Urlaub bis zum Umfallen

Griechenlands Hoteliers jubeln über Rekordumsätze - bei den Beschäftigten aber kommt wenig davon an. Tarifverträge werden ausgehebelt, Saisonkräfte hausen in Containern. Nun droht Streik zur Hochsaison.

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Dienstag, 18.07.2017   18:26 Uhr

Die griechische Tourismusbranche floriert. In diesem Jahr werden rund 30 Millionen Urlauber erwartet, mehr als jemals zuvor. Statistisch gesehen kommen damit 2017 auf jeden Griechen etwa drei Touristen.

"Jedes Jahr brechen wir neue Rekorde", sagte Premierminister Alexis Tsipras neulich hocherfreut vor Hotelmanagern. Sein Enthusiasmus ist nachvollziehbar. Der Tourismus wird Griechenland in diesem Jahr voraussichtlich 14 Milliarden Euro aus dem Ausland einbringen - eine überlebenswichtige Stütze für die krisengeschüttelte Wirtschaft des Landes.

Doch den Preis zahlen viele der mehr als 340.000 Beschäftigten der Branche. Die Arbeitstage sind lang, die Gehälter gering. Viele Griechen werden illegal beschäftigt, haben keinen Versicherungsschutz und können leicht gefeuert werden. "Die Rekorde und Gewinne basieren auf überarbeiteten, ausgebeuteten Angestellten, von denen viele umfallen vor Erschöpfung", sagt Kyriakos Tsaousis, Chef einer Touristik-Gewerkschaft im Norden Griechenlands.

Tourismus- und Gastronomie-Gewerkschaften haben für Donnerstag einen landesweiten Streik angekündigt, um auf die derzeitigen Zustände in der Branche aufmerksam zu machen. Es ist der erste Streik im Tourismussektor seit 2012. Panagiotis Prountzos, Präsident des Dachverbands der Tourismus-Gewerkschaften, glaubt an einen Erfolg des Arbeitskampfs: "Die Arbeitsbedingungen verschlechtern sich so schnell, wir können nicht länger schweigen."

Die Missstände öffentlich zu machen ist für viele Beschäftigte aber ein Problem. Sie fürchten um ihre Jobs. Diese Angst spiegelt sich in der Tatsache wider, dass von mehr als einem Dutzend vom SPIEGEL befragten Angestellten der Reisebranche kein Einziger bereit war, mit seinem Namen zitiert zu werden. "Ich habe eine Familie zu versorgen", sagen viele als Begründung.

Die Ausbeutung im Tourismussektor hat unterschiedliche Formen:

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Der griechische Touristikverband SETE bezog auf am Mittwoch Stellung. "Die Hotelbranche ist in Griechenland der einzige große Arbeitgeber, der drei hintereinander folgende Tarifverträge unterzeichnet hat", so Verbandspräsident Giannis Retsos gegenüber SPIEGEL ONLINE. Der vereinbarte Mindestlohn liege mit 768 Euro zudem 30 Prozent über den landesweiten Mindestgehältern. Zu den Vorwürfen sagte Retsos, "jeder Fall schlechter Geschäftsführung und jede Verletzung der Arbeitsgesetze ist zu verurteilen".

Nach Angaben von Gewerkschaftsvertretern und Mitarbeitern gibt es auch Hoteliers, die alle Rechte der Mitarbeiter respektieren. Dabei handele es sich allerdings vor allem um Luxushotels in den Zentren Athen und Thessaloniki. Fünf-Sterne-Häuser machen allerdings nur rund fünf Prozent der etwa 10.000 Hotels in Griechenland aus. Auf sie entfallen weniger als 17 Prozent aller Betten.

In beliebten Tourismuszentren wie Mykonos, Santorin, Korfu oder Rhodos hingegen werden Beschäftigte oft ausgenutzt. Gewerkschaften verzeichnen zahlreiche Beschwerden aus diesen Ferienzentren. Manche Saisonarbeiter können sich keine eigene Unterkunft leisten. Sie leben in Gruppen von bis zu zehn Personen unter der brennenden Sonne in Metallcontainern.

"Die berühmten traumhaften Urlaubsorte", sagt Gewerkschafter Prountzos, "sind für viele Beschäftigte ein Albtraum."

insgesamt 73 Beiträge
Augustusrex 18.07.2017
1. Wie es so ist
Die eigenen Landsleute werden ausgenommen wie die Weihnachtsgänse, es werden dann natürlich zu geringe Sozialabgaben geleistet und ein paar Leute, nämlich Hotelbetreiber, sitzen drin wie die Made im Speck.
Die eigenen Landsleute werden ausgenommen wie die Weihnachtsgänse, es werden dann natürlich zu geringe Sozialabgaben geleistet und ein paar Leute, nämlich Hotelbetreiber, sitzen drin wie die Made im Speck.
kuschl 18.07.2017
2. DAS ist das griechische Problem
Das ist das griechische Problem. Brummt die Konjunktur in der Touristik, sind die Griechen schon immer die ersten gewesen, die die Preise erhöht haben. Die Beschäftigten bekommen davon nichts ab und ein großer Teil der [...]
Das ist das griechische Problem. Brummt die Konjunktur in der Touristik, sind die Griechen schon immer die ersten gewesen, die die Preise erhöht haben. Die Beschäftigten bekommen davon nichts ab und ein großer Teil der Einnahmen wird an der Steuer vorbei eingenommen. Aus diesem Grund meide ich dieses Land als Urlaubsland.
Annabelle1811 18.07.2017
3. An den kleinen Leuten
wird gespart und der Gewinn nicht weiter geleitet. Es ist, wie es bisher immer schon war, wo keine Rechnung ausgestellt wurde, damit die Steuer umgangen wurde. Und die Reichen oder Gewinner in der Touristikbranche werden weiter [...]
wird gespart und der Gewinn nicht weiter geleitet. Es ist, wie es bisher immer schon war, wo keine Rechnung ausgestellt wurde, damit die Steuer umgangen wurde. Und die Reichen oder Gewinner in der Touristikbranche werden weiter alleine das Geld einstreichen und im Ausland bunkern. Die kleinen Leute, die das Ding am Laufen halten, sollten allesamt in der Hochsaison streiken und Lohnzusagen erpressen, oder sicherheitshalber sich jeden Tag ihr Geld auszahlen lassen, denn diesen Arbeitgebern ist nicht zu trauen.
Actionscript 18.07.2017
4. Was macht die Regierung?
Griechenland hat doch eine stark links orientierte Regierung. Warum hat die bisher nichts unternommen? Hier gilt es, Lücken in den Gesetzen zu stopfen oder neue Gesetze zu machen, um Ausbeutung zu verhindern. Obwohl Streiks [...]
Griechenland hat doch eine stark links orientierte Regierung. Warum hat die bisher nichts unternommen? Hier gilt es, Lücken in den Gesetzen zu stopfen oder neue Gesetze zu machen, um Ausbeutung zu verhindern. Obwohl Streiks gerechtfertigt sind, haben sie leider auch einen nachteiligen Effekt: die Urlauber sind verärgert und kommen vielleicht nicht wieder.
curiosus_ 18.07.2017
5. Tja, so ist das nun mal...
...bei einer inneren Abwertung aufgrund von mangelnder internationaler Wettbewerbsfähigkeit. Da erwischt es als erstes die, die nicht von der Binnenwirtschaft leben. Genau wie bei uns, nur umgekehrt: Da müsste eigentlich intern [...]
...bei einer inneren Abwertung aufgrund von mangelnder internationaler Wettbewerbsfähigkeit. Da erwischt es als erstes die, die nicht von der Binnenwirtschaft leben. Genau wie bei uns, nur umgekehrt: Da müsste eigentlich intern aufgewertet werden - is nich, daher haben wir eine sehr hohe internationale Wettbewerbsfähigkeit. Und auch da "erwischt es" als erstes die, die nicht von der Binnenwirtschaft leben (Stichwort "Export*überschuss*Weltmeister"). Hätten die Griechen ihre Drachme noch, würde die abwerten. Womit sich die Lasten (über steigende Importpreise) gerechterweise *auf alle verteilen würden*.

 

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