Wirtschaft

Handelsstreit

Wie US-Strafzölle italienische Käseproduzenten treffen

Parmesan, Olivenöl und Wein: Die US-Strafzölle auf Lebensmittel zielen auf beliebte Produkte aus Italien, Spanien und Deutschland. Den Produzenten bereitet das besonders große Sorgen.

imago images/Panthermedia
Donnerstag, 17.10.2019   19:07 Uhr

Wer hätte gedacht, dass der italienische Premierminister Giuseppe Conte einmal für den Käse Parmesan die "maximale Aufmerksamkeit der Regierung" fordert? Die angekündigten Strafzölle der USA auf Importe aus Europa haben in Italien für heftige Empörung gesorgt. Denn der Parmesan ist nicht nur eine Herzensangelegenheit rund um die Region Parma, er ist auch ein Exportschlager.

Wegen illegaler EU-Subventionen für den Flugzeugbauer Airbus wollen die USA ab diesem Freitag einen Strafzoll von 25 Prozent auf die Käsesorten Parmigiano Reggiano und Grana Padano erheben. Italien könnte das hart treffen: Denn die USA sind für den Verkauf von Parmesan der zweitwichtigste Exportmarkt, pro Jahr werden rund 10.000 Tonnen Hartkäse dorthin geliefert.

Statt wie bisher 2,15 Dollar soll jetzt auf das Kilo Parmesan 6 Dollar Zoll gezahlt werden. Amerikaner müssten dann nicht mehr 40 Dollar pro Kilo zahlen, sondern 45 Dollar. "Wir sind verbittert, weil es ungerechtfertigt einen der stärksten Sektoren unserer Wirtschaft trifft", sagte Nicola Bertinelli, Chef des Parmesan-Konsortiums.

"Die Ferraris der Gastronomie"

Neben dem Parmesan sind auch gekochter Schinken, Salami und Campari betroffen. "Unser Schinken und unser Parmesan sind die Ferraris der Gastronomie. Sie sind die besten der Welt, und ich bin sicher, dass die Amerikaner Lust darauf haben, sie zu essen", sagte Außenminister Luigi Di Maio. Nicht betroffen sind hingegen: Parmaschinken, Büffelmozzarella, Prosecco, Wein und Olivenöl.

Dafür ist das Olivenöl aus Spanien betroffen, was vor allem Andalusien betrifft. Von den gut 400 Millionen Euro, die Spanien 2018 für den Export von Olivenöl in die USA kassierte, gingen 80 Prozent nach Andalusien. "Ich weiß nicht, wie lange viele der betroffenen Firmen die Folgen aushalten können", sagte die regionale Arbeitsministerin Rocío Blanco. Der erwartete starke Rückgang der Ausfuhren in die USA werde viele Unternehmen hart treffen und die Arbeitslosenrate, die dort bereits bei mehr als 21 Prozent liegt, weiter ansteigen lassen.

Fotostrecke

Fotostrecke: Diese Lebensmittel sind von Trumps Strafzöllen betroffen

Aber auch in Deutschland herrscht Sorge, hier ist der Wein betroffen. "Wir gehen davon aus, dass die neuen Zölle einen spürbaren Schaden für die Weinexporteure verursachen werden", sagt Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut. Die USA seien das "Weinexportland Nummer eins". Eine Wettbewerbsverzerrung sieht Büscher darin, dass deutsche, französische und spanische Weine, nicht aber Wein aus Italien, Griechenland oder Portugal von den Strafzöllen betroffen sind.

Am stärksten werde die Wirkung der Strafzölle im harten Wettbewerb in den Weinregalen des Einzelhandels zu spüren sein, erwartet der Geschäftsführer des Verbands der Rheinhessischen Weinkellereien, Albrecht Ehses. "Da kann man mit Preiserhöhungen von zwei bis vier Dollar je Flasche rechnen. Dann greift der Kunde schnell zu einem anderen Wein."

Die US-Strafzölle betreffen EU-Einfuhren im Umfang von 7,5 Milliarden Dollar. Das war die höchste Summe, die in der der fast 25-jährigen Geschichte der Welthandelsorganisation (WTO) je genehmigt wurde.

rwi/dpa

Im Video: USA verhängen Strafzölle gegen EU-Länder

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung

TOP