Wirtschaft

Handelsstreit mit China

USA erheben Strafzölle auf Matratzen und Bierfässer - bis zu 1732 Prozent

Im Handelskonflikt mit China haben die USA nun mitunter extrem hohe Strafzölle auf chinesische Matratzen und Bierfässer angekündigt. Peking spricht von "reinem Wirtschaftsterrorismus".

Daniel Acker/ Bloomberg/ Getty Images

Bierfässer in Illinois (Symbolbild)

Donnerstag, 30.05.2019   10:56 Uhr

In einer neuen Runde des Handelsstreits erheben die USA nun Strafzölle auf chinesische Matratzen sowie Bierfässer aus rostfreiem Stahl aus Deutschland, Mexiko und China. Exporteure aus den entsprechenden Ländern hätten die Produkte zu Dumpingpreisen in den USA verkauft, begründete das US-Handelsministerium am Mittwoch den Schritt. Deshalb würden Matratzen aus China künftig mit einem Strafzoll von bis zu 1732 Prozent belegt.

Bei Bierfässern aus rostfreiem Stahl werde auf chinesische Produkte ein Zoll von bis zu knapp 80 Prozent erhoben. Für Produkte aus Deutschland liege der Aufschlag bei 8,61 Prozent, für mexikanische Fässer bei 18,48 Prozent. Die Unterstützung hatten mehrere amerikanische Firmen, etwa die Matratzenhersteller Serta Simmons Bedding and Tempur Sealy und der Fassproduzent American Keg, bereits im vergangenen Jahr beantragt.

Die US-Zoll- und Grenzbehörden würden nach der aktuellen Entscheidung nun angewiesen, entsprechende Beträge von Matratzen- und Bierfassimporteuren einzubehalten, teilte das Handelsministerium mit. Der Schritt sei jedoch vorläufig. Eine finale Entscheidung sei in Bezug auf Matratzen und chinesische sowie deutsche Bierfässer im Oktober und in Bezug auf mexikanische Bierfässer im August geplant.

Der Importwert von Bierfässern aus den drei Ländern in die USA belief sich 2017 auf insgesamt knapp 36 Millionen Dollar. Für chinesische Matratzen lag er bei geschätzt 436,5 Millionen Dollar, teilte das U.S. Department of Commerce mit.

Der seit mehr als einem Jahr andauernde Handelskonflikt der beiden größten Volkswirtschaften der Welt hatte sich bereits zuvor weiter hochgeschaukelt. Zuletzt hatte die US-Regierung den chinesischen Konzern Huawei auf eine schwarze Liste gesetzt und damit den Zugang zu US-Technologie massiv erschwert.

"Reiner Wirtschaftsterrorismus"

"Diese Art, Handelskonflikte bewusst zu schüren, ist reiner Wirtschaftsterrorismus, ökonomischer Chauvinismus, ökonomische Schikane", sagte Chinas stellvertretender Außenminister Zhang Hanhui am Donnerstag in Peking. "Wir sind gegen den Handelskrieg, aber wir haben keine Angst davor."

Zhang kündigte zudem eine engere Kooperation mit Russland an. "China und Russland werden mit Sicherheit die wirtschaftliche Zusammenarbeit und den Handel verstärken", sagte Zhang. Die beiden Nationen verträten im Handelskonflikt gemeinsame Interessen.

Am Dienstag hatte China gedroht, als Reaktion auf US-Strafzölle die Ausfuhr seltener Erden zu beschränken. Als seltene Erden werden 17 Elemente bezeichnet, die zur Herstellung etwa von Smartphones benötigt werden. China besitzt ein hohes Vorkommen und ist Quasi-Monopolist in der Produktion. Die Drohung erhöhte die Sorgen vor einer Rezession in der Weltwirtschaft und belastet die Finanzmärkte.

lov/AFP/Reuters

insgesamt 50 Beiträge
spmc-12355639674612 30.05.2019
1. Die Neue Seidenstraße
führt zwangsläufig durch Russland. Man darf gespannt sein, ob sie ihre volle Wirkung bis nach Europa entfalten kann, aber dazu bräuchte es ja zwangsläufig eine wesentlich freundlichere Politik Europas gegenüber Russland und [...]
führt zwangsläufig durch Russland. Man darf gespannt sein, ob sie ihre volle Wirkung bis nach Europa entfalten kann, aber dazu bräuchte es ja zwangsläufig eine wesentlich freundlichere Politik Europas gegenüber Russland und China. Da die USA auch Zölle auf europäische Produkte erheben (bin gespannt, wo in den USA die ganzen benötigten Bierfässer produziert werden), sollten wir gut darüber nachdenken, ob wir uns nicht vielleicht ein wenig mehr nach Osten orientieren sollten (Das Wort "orientieren" deutet ja ganz automatisch nach Osten), zumal alleine aufgrund der Demographie in Südostasien in Zukunft die Musik spielen wird.
FK-1234 30.05.2019
2. Glaube kaum
...das die Ausrichtung gen Osten"die" Lösung ist. Das die USA sich mit ihrem Ego-Trip und einem narzisstischen Präsidenten in die Isolation begeben, bedeutet nicht, dass Russland die bessere Alternative ist. [...]
...das die Ausrichtung gen Osten"die" Lösung ist. Das die USA sich mit ihrem Ego-Trip und einem narzisstischen Präsidenten in die Isolation begeben, bedeutet nicht, dass Russland die bessere Alternative ist. Schließlich haben die Destabilisierungskampagnen Putin's gegen westliche Demokratien mit dazu beigetragen, dass Trump Präsident wurde. Letztlich verfolgt Russland schon längst knallharte Interessenpolitik nach eigenem Gutdünken. Syrien liefert ja ein anschauliches grausames Beispiel.
der Pöter 30.05.2019
3. Und alles nur,
damit Donald später wieder zurück rudern kann und er alles ja ganz anders gemeint hat. Amerika. wach auf!
damit Donald später wieder zurück rudern kann und er alles ja ganz anders gemeint hat. Amerika. wach auf!
Igelnatz 30.05.2019
4. Strenge gegenüber China ist wichtig
Trump ist sicherlich ein Trampel - nichtsdestotrotz tritt Deutschland zu milde gegenüber China auf. Immer schön auf Gegenseitigkeit achten - kein Immobilienkauf in Deutschland durch Chinesen, es sei denn Deutsche dürfen das in [...]
Trump ist sicherlich ein Trampel - nichtsdestotrotz tritt Deutschland zu milde gegenüber China auf. Immer schön auf Gegenseitigkeit achten - kein Immobilienkauf in Deutschland durch Chinesen, es sei denn Deutsche dürfen das in China, kein Ausverkauf deutscher Technologie an chinesische Firmen. Keine unausgewogenen Bedingungen zugunsten Chinas, harte Konsequenz en bei Billigkopien, nach und nach hiesige Umwelt- und Sozialstandards bei Produkten, die in China und woanders hergestellt werden und hier verkauft werden einfordern!
MisterD 30.05.2019
5. Auch wenn man das nicht gerne zugibt...
aber China hat nun den entscheidenden Hebel ins Spiel gebracht, die seltenen Erden. Es gibt zwar durchaus stattliche Vorkommen außerhalb Chinas... trotzdem ist China derzeit mit fast 100% Monopolist auf diesen Gebiet. Sollte [...]
aber China hat nun den entscheidenden Hebel ins Spiel gebracht, die seltenen Erden. Es gibt zwar durchaus stattliche Vorkommen außerhalb Chinas... trotzdem ist China derzeit mit fast 100% Monopolist auf diesen Gebiet. Sollte China ggü USA den Export dieser Rohstoffe stoppen, kann die US-Hightech-Wirtschaft einpacken. Ohne seltene Erden geht heutzutage nix mehr, selbst ein Tesla kann ohne nicht vom Band rollen...

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