Wirtschaft

Rezessionsgefahr

Stimmung in deutscher Wirtschaft fällt auf Sechs-Jahres-Tief

Die Warnsignale für eine Rezession in Deutschland verdichten sich: Der wichtigste Wirtschaftsindikator fällt auf den tiefsten Stand seit April 2013. Analysten nennen zwei Gründe für die miese Stimmung.

REUTERS

Bauarbeiten in Frankfurt am Main

Donnerstag, 25.07.2019   12:11 Uhr

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich stark eingetrübt. Das sogenannte Ifo-Geschäftsklima, der zentrale Indikator für den Optimismus von Unternehmern, fiel im Juli um 1,8 Punkte auf 95,7 Zähler. Es ist der vierte Rückgang in Folge, der tiefste Stand seit April 2013 - und ein Stimmungsabfall in einer Stärke, mit der Analysten nach eigenen Angaben nicht gerechnet hatten. Als Hauptursachen nannten die befragten Unternehmer den Handelsstreit zwischen China und den USA sowie eine allgemein abflauende Weltwirtschaft.

Mit einer Besserung der Lage sei vorerst nicht zu rechnen, sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Denn die Unternehmer blickten auch pessimistischer auf die kommenden sechs Monate. Vor allem im verarbeitenden Gewerbe sei der Ifo-Index im freien Fall.

Das Wirtschaftsbarometer "stimmt die deutsche Wirtschaft auf eine Rezession ein", sagte auch Chefvolkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank. Seiner Einschätzung nach "stolpert die deutsche Volkswirtschaft derzeit über den hohen Anteil der Güterexporte am Bruttoinlandsprodukt." In Zeiten von Handelskonflikten und Tendenzen zu einer Deglobalisierung sei dies eine Bürde für deutsche Unternehmen.

Entwicklung des Geschäftsklimas

Auch nach Einschätzung von Uwe Burkert, Chefvolkswirt der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), wächst die Gefahr einer Rezession in Deutschland. "Mit der von vielen erwarteten Erholung im zweiten Halbjahr wird es wohl nichts werden", sagte er.

Die schwachen Ifo-Daten dürften die Spekulation auf eine Lockerung der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) anheizen, sagte Analyst Jack Allen-Reynolds vom britischen Analysehaus Capital Economics.

Das Ifo-Geschäftsklima basiert auf der Befragung von etwa 9000 Unternehmen. Der Indikator gilt gemeinhin als verlässliche Schätzgröße für das künftige Wirtschaftswachstum in der größten Volkswirtschaft Europas.

ssu/dpa-AFX

insgesamt 52 Beiträge
ankaf 25.07.2019
1.
Ein Glück, dass wir über zwei Millionen hochqualifizierte Facharbeiter in unseren Sozialnetzen haben, die unsere Wirtschaft ankurbeln und unsere Renten sichern. Ohne diese, sähe alles noch viel schlechter aus.
Ein Glück, dass wir über zwei Millionen hochqualifizierte Facharbeiter in unseren Sozialnetzen haben, die unsere Wirtschaft ankurbeln und unsere Renten sichern. Ohne diese, sähe alles noch viel schlechter aus.
josho 25.07.2019
2. Diese Botschaften....
.....werden nun seit Monaten gesendet. Passiert ist gar nichts. Steckt da ein System dahinter?
.....werden nun seit Monaten gesendet. Passiert ist gar nichts. Steckt da ein System dahinter?
bigroyaleddi 25.07.2019
3. Ifo-Geschäftsklimata unterliegen generell einem auf und ab
Oder glaubt hier jemand ernstlich, dass es einen ewigen Aufschwung geben könne? Das ist wie mit den Börsenkursen. Die kennen auch nicht nur eine Richtung. Alles ist immer ein geben und nehmen. Und wenn der Donals sich darin [...]
Oder glaubt hier jemand ernstlich, dass es einen ewigen Aufschwung geben könne? Das ist wie mit den Börsenkursen. Die kennen auch nicht nur eine Richtung. Alles ist immer ein geben und nehmen. Und wenn der Donals sich darin gefällt, america first durchzusetzen und damit zumindest einen partiellen Erfolg hat, darf man sich überhaupt nicht wundern wenn das irgendwann auch Einfluß hier in Europa hat. Dann müssen wir auf niedrigerer Ebene weitermachen. Das muss das schlechteste auch gar nicht sein. Vor den Chinesen warne ich schon seit ewigen Zeiten. Wer diese in seine Wachstumsprognosen einpreist, der rechtnet nur neokapitalistisch von Quartal zu Quartal. Und ohne Rücksicht auf die Folgen hinter den Kulissen.
santoku03 25.07.2019
4.
Also, wie schon so oft verlangt: Stärkung der Binnennachfrage. Hat den wünschenswerten doppelten Effekt: Zahlungsbilanzausgleich und größere Unabhängigkeit vom Export. Steuern runter, Löhne rauf.
Also, wie schon so oft verlangt: Stärkung der Binnennachfrage. Hat den wünschenswerten doppelten Effekt: Zahlungsbilanzausgleich und größere Unabhängigkeit vom Export. Steuern runter, Löhne rauf.
Herbert Bonanza 25.07.2019
5.
Nach meinen Informationen aus der deutschen Presse (SPIEGEL, ZEIT, Süddeutsche) geraten die USA wegen der völlig verfehlten Politik von Donald Trump und GB wegen des Brexits in eine geradezu zwangsläufige wirtschaftliche [...]
Nach meinen Informationen aus der deutschen Presse (SPIEGEL, ZEIT, Süddeutsche) geraten die USA wegen der völlig verfehlten Politik von Donald Trump und GB wegen des Brexits in eine geradezu zwangsläufige wirtschaftliche Abwärtsspirale, NICHT aber Deutschland. Hier haben wir eine Kanzlerin, die unser Land mit vielen weisen und weit vorausschauenden Entscheidungen gegenüber einer Rezession regelrecht immun gemacht hat. Es kann also gar keine Rezession in Deutschland geben, höchstens "gefühlt"!

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