Wirtschaft

Luftfahrt 2019

Chaos an Europas Himmel

Überbuchte Flughäfen, mangelnde Fachkräfte: Der Reiseboom überfordert Europas Airlines schon jetzt. 2019 wollen die Konzerne neues Chaos am Himmel vermeiden. Es ist fraglich, ob sie das schaffen.

DPA

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Donnerstag, 27.12.2018   10:29 Uhr

Am 1. April beginnen entscheidende Wochen für Eurowings. Dann startet der Sommerflugplan - der Stresstest für den Low-Cost-Ableger der Lufthansa. In der Hauptreisezeit steigt die Zahl der Passagiere und Flüge stark an. Und dann wird sich erweisen, ob Eurowings seine Probleme wirklich in den Griff bekommen hat, nach dem Chaos im Sommer 2018.

Rund 18.000 Flüge der Lufthansa-Gruppe fielen bis August aus; ein beträchtlicher Teil davon bei Eurowings. Massive Verspätungen waren Alltag. Und wenn genervte Passagiere sich beschwerten, bekamen sie oft eine Standard-Mail zurück: "Wir bitten um Verständnis, dass die aktuelle Bearbeitungszeit vier Wochen betragen kann." Denn die Kundenbetreuer waren ebenso überlastet wie Piloten, Kabinenpersonal, Flotte oder Management.

Die Übernahme großer Teile der pleitegegangenen Air Berlin war zu viel für Eurowings. "Hier und da zu ambitioniert" sei man gewesen, räumte Eurowings-Chef Thorsten Dirks ein. Sein Vorgesetzter, Lufthansa-Boss Carsten Spohr sagte: "Es ist schlimmer, als ich dachte." Auch wegen der Probleme bei Eurowings hat die Lufthansa-Aktie 2018 rund ein Drittel ihres Wertes verloren.

2019 soll alles besser werden. "Das, was uns in diesem Sommer passiert ist, darf uns im nächsten Jahr nicht wieder passieren", sagt Dirks. Er hat dafür einen Sechspunkteplan ersonnen. Unter anderem sollen mehr flugbereite Reservemaschinen parat stehen. Zudem sind die Einsatzpläne für die einzelnen Jets nicht mehr so eng getaktet. Und die Standzeiten am Boden werden großzügiger kalkuliert.

Die Branche stößt an Grenzen

So wollen die Eurowings-Verantwortlichen größere Puffer schaffen und dadurch verhindern, dass kleine Planabweichungen zu massiven Verspätungen eskalieren. Dirks zur Seite stehen soll ein neuer Lufthansa-Vorstand: Detlef Keyser, künftiger Chef des Ressorts "Airlines Ressources and Operation Standards". Er soll sich unter anderem um die Flotten und den Kundenservice der Konzern-Airlines kümmern.

Ob das reicht? Ungewiss. Nicht nur bei Eurowings waren Pannen im vergangenen Sommer alltäglich. Laut dem Luftfahrtverband IATA haben sich 2018 die Verspätungen im europäischen Luftverkehr mehr als verdoppelt. Die europäische Flugsicherung warnt, bis 2040 werde sich die Zahl der um bis zu zwei Stunden verspäteten Flüge versiebenfachen.

Immer mehr Menschen wollen fliegen. Und die Branche stößt an Grenzen: bei qualifiziertem Fachpersonal und bei der Infrastruktur. Wichtige Flughäfen wie London-Heathrow sind notorisch überlastet.

Lufthansa-Chef Spohr macht sich dafür stark, die Zahl der Flugbewegungen in Deutschland zu bremsen. "Es darf in Zukunft kein unkontrolliertes Wachstum mehr geben", fordert er. Laut "Wirtschaftswoche" schrieben seine Konzernlobbyisten Briefe an das Bundesverkehrsministerium mit der Bitte, "vorübergehend" an großen Flughäfen die Zahl der Starts und Landungen anzupassen. Hauptprofiteur wäre der Platzhirsch Lufthansa.

Drohendes Planungschaos nach dem Brexit

Turbulenzen, auf britischen Airports auch Stillstand, könnten Ende März drohen: dem Tag des Brexit. "Ohne einen Deal brauchen wir dringend einen Notfallplan", warnt Raphael Schwartzman, der stellvertretende Europa-Chef des Verbandes IATA, "aber selbst das wird kaum reichen, um kurzfristig Störungen zu vermeiden."

Bislang gestattet das EU-weite "Open Skies Agreement" den Airlines, innerhalb der Union beliebig hin- und herzufliegen, sofern sie die entsprechenden Start- und Landrechte haben. Für den Brexit müsste Großbritannien entweder ein neues Open-Skies-Abkommen mit der EU aushandeln - oder im alten bleiben.

Sonst könnten britische Airlines ihr Recht verlieren, Verbindungen zwischen zwei EU-Staaten anzubieten. Zudem wird durch den Brexit der einheitliche europäische Luftverkehrsmarkt (vergleichbar mit dem EU-Binnenmarkt) aufgebrochen. Nicht auszuschließen, dass Maschinen am Boden bleiben müssen.

Ryanair hat eine Brexit-Klausel in seinen Allgemeinen Geschäftsbedingungen verankert. Sie ermöglicht es der irischen Billiglinie, Flüge wegen regulatorischer Schwierigkeiten zu stornieren, ohne dass die Passagiere Ryanair dafür haftbar machen können.

Es wird wohl auch 2019 wieder chaotisch zugehen, am Himmel über Europa.

insgesamt 3 Beiträge
Kein Besserwisser 27.12.2018
1. Berechtigte Zweifel an EUROWINGS Versprechen
Wenn EUROWINGS wirklich Verbesserung gelobt, dann verstehe ich nicht, dass EUROWINGS nach wie vor meine 8 nachweislich berechtigten Entschädigungen gemäß der EU-Fluggastrechteverordnung im letzten Quartal nicht beantwortet; der [...]
Wenn EUROWINGS wirklich Verbesserung gelobt, dann verstehe ich nicht, dass EUROWINGS nach wie vor meine 8 nachweislich berechtigten Entschädigungen gemäß der EU-Fluggastrechteverordnung im letzten Quartal nicht beantwortet; der älteste Anspruch ist inzwischen 7 Monate her. Jetzt sah ich mich durch das EUROWINGS-Schweigen gezwungen, alle Ansprüche per Klage geltend zu machen. Warum EUROWINGS es jetzt auch noch darauf anlegt, mehr Geld aus dem Fenster zu werfen anstatt mal vernünftig zu arbeiten, ist mir ein Rätsel. Mir geht es hier nicht um die Entschädigungssummen (mein Rechtsanwalt ist bereits von mir beauftragt, das Entschädigungsgeld an die Kindernothilfe weiterzuleiten), mir geht es hierbei einfach darum aufzuzeigen, wie kundenunfreundlich EUROWINGS seinen Passagieren gegenüber auftritt. Für mich auch nicht nachvollziehbar ist, warum Lufthansa als Mutter seine Tochter so mit den Passagieren umspringen lässt.
barzussek 27.12.2018
2. Vernunft fehlt
Nach Bahn Chaos jetzt Chaos im Flugbetrieb warum das Ganze nun wenn man keine Grenzen kennen will immer Mehr immer mehr bleibt das eben nicht aus.Wenn Flüge angeboten werden mit 29 € von Muc nach London oder Mallorca wobei das [...]
Nach Bahn Chaos jetzt Chaos im Flugbetrieb warum das Ganze nun wenn man keine Grenzen kennen will immer Mehr immer mehr bleibt das eben nicht aus.Wenn Flüge angeboten werden mit 29 € von Muc nach London oder Mallorca wobei das Taxi zum Flughafen mehr kostet als der Flug dann kann etwas nicht stimmen Sage niemand das sei Marktwirtschaft das ist Unvernunft und Schwachsinn und setzt dem Gelabber von Umweltschutz und Klimawandel die Krone auf
macb 28.01.2019
3. Eurowings ist schlimmer als die Deutsche Bahn
Ich bin 2018 vier Mal mit Eurowings geflogen-jeder Flug war mindestens 1 Stunde verspätet- keinerlei Info der Fluggäste.Die super qualifizierten Bodenhostessen zuckten nur mit den Schultern, die Belange der Fluggäste waren [...]
Ich bin 2018 vier Mal mit Eurowings geflogen-jeder Flug war mindestens 1 Stunde verspätet- keinerlei Info der Fluggäste.Die super qualifizierten Bodenhostessen zuckten nur mit den Schultern, die Belange der Fluggäste waren Ihnen offensichtlich völlig wurscht !Ich schrieb einen Beschwerdebrief an den Vorstand, der zunächst nicht beantwortet wurde.Ich rief mich dann mit einem erneuten Schreiben in Erinnerung und erhielt schließlich 3 Monate später eine nichts-sagende E-Mail-es täte Ihnen leid und man arbeite daran (das tut mein Kühlschrank auch). Für mich ist diese Fluggesellschaft gestorben, ich achte nun auch bei Pauschalreisen darauf, wer mich befördert!Man sollte sich nicht den Ast absägen auf dem man sitzt.....

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