Wirtschaft

Umfrage

Mehrheit der Bevölkerung sorgt sich wegen Altersarmut

Die Angst vor Altersarmut hat deutlich zugenommen: Einer Erhebung zufolge bangen 56 Prozent der Bundesbürger um ihre Absicherung im Rentenalter - mehr als jeder Vierte hat deswegen große Sorgen.

Malte Christians/ DPA

Rentnerin in Hamburg

Mittwoch, 02.01.2019   12:17 Uhr

Keine andere Sorge hat für die Deutschen so sehr an Bedeutung gewonnen wie die Angst vor Altersarmut. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage der Beratungsgesellschaft Ernst & Young zum Verbrauchervertrauen. Demnach ist mehr als jeder zweite Bundesbürger beunruhigt über eine mangelnde Absicherung im Rentenalter. 27 Prozent der Befragten machen sich der Umfrage zufolge große Sorgen, 29 Prozent sind leicht besorgt. Das seien zusammen 18 Prozentpunkte mehr als noch 2017.

Für die Erhebung wurden im November des vergangenen Jahres 1000 Verbraucher in Deutschland befragt. Dabei wurde deutlich, dass die heutigen Rentner ihre finanzielle Situation im Vergleich zu den jüngeren Generationen deutlich negativer bewerten. Nur jeder dritte Verbraucher über 65 ist mit seiner finanziellen Situation zufrieden. Und nur sechs Prozent gehen davon aus, dass sich ihre Situation 2019 verbessert - die mit Abstand niedrigsten Werte unter allen Befragten.

Auffällig ist auch: Es sind vor allem männliche Gutverdiener mittleren Alters, die aktuell zufrieden sind mit ihrer wirtschaftlichen Situation: Von den Befragten mit einem Jahreseinkommen von mehr als 70.000 Euro (netto) äußern sich 77 Prozent positiv über ihre wirtschaftliche Lage - wer hingegen weniger als 25.000 Euro im Jahr verdient, ist deutlich kritischer: In dieser Gruppe sind gerade einmal 26 Prozent der Befragten zufrieden.

Frauen sind unzufriedener als Männer

Deutlich ist auch der Unterschied zwischen Männern und Frauen: Nur 38 Prozent der weiblichen Befragten sind mit ihrer finanziellen Situation zufrieden, aber 47 Prozent der Männer.

Insgesamt beurteilt die große Mehrheit der Befragten (89 Prozent) die eigene finanzielle Lage zum Jahresende 2018 positiv oder neutral - nur elf Prozent der Deutschen sind mit ihrer wirtschaftlichen Situation unzufrieden. Das sind allerdings etwas mehr als im vergangenen Jahr, als nur acht Prozent ihre Lage negativ beurteilten. Und auch die generellen Aussichten haben sich geringfügig eingetrübt: Der Anteil der Bürger, die optimistisch in die Zukunft blicken, sinkt von 83 auf 80 Prozent.

Deutsche wollen beim Geldausgeben vorsichtiger sein

Ein Grund dafür könnte die Skepsis gegenüber der konjunkturellen Entwicklung sein. So gehen nur 14 Prozent der Bundesbürger von einer Verbesserung der wirtschaftlichen Situation in Deutschland im Jahr 2019 aus, während immerhin 26 Prozent mit einer Verschlechterung rechnen.

Dazu passt auch, dass die Befragten ihre Ausgaben 2019 tendenziell zurückschrauben wollen. Insbesondere bei Unterhaltungselektronik (etwa Smartphones und Tablets), größeren Einzelanschaffungen (etwa Autos oder Küchen) sowie Haus- und Wohnungsrenovierungen wollen sie weniger ausgeben. Nur in den Kategorien Urlaub und Lebensmittel sollen die Ausgaben den Angaben zufolge unter dem Strich steigen.

Im Video: Altersarmut - Lebensabend als Überlebenskampf

Foto: SPIEGEL TV

mmq

insgesamt 148 Beiträge
power.piefke 02.01.2019
1. Überschrift des Artikels zu präzise
es hätte gereicht : "Deutsche sorgen sich!" Denn das kann er wie kein zweiter, der Deutsche. Und das auch noch in der Regel unbegründet.
es hätte gereicht : "Deutsche sorgen sich!" Denn das kann er wie kein zweiter, der Deutsche. Und das auch noch in der Regel unbegründet.
frankfurtbeat 02.01.2019
2. das ...
das kuriose daran ist, das diejenigen welche die Gesetze vorlegen und darüber entscheiden wer wieviel im Alter bekommt sich keine Gedanken über Altersarmut machen müssen - zumindest bisher noch nicht. Wenn jetzt das Argument [...]
das kuriose daran ist, das diejenigen welche die Gesetze vorlegen und darüber entscheiden wer wieviel im Alter bekommt sich keine Gedanken über Altersarmut machen müssen - zumindest bisher noch nicht. Wenn jetzt das Argument "gehen Sie doch in den öffentlichen Dienst oder Beamtenstatus" kommt sage ich - die Plätze sind begrenzt. Mit durchschnittlich lediglich 42% des letzten Bruttoeinkommens ist der Rentensatz mehr als eine Unverschämtheit. Aber weder Merkel, noch Scholz, noch Schäuble oder Altmaier, noch Schmidt und Müller vom Amt interessiert das ... Wagenknecht hat Recht mit "die Deutschen müssen aufstehen und sich gegen diese dreiste Politik wehren"!
Nordstadtbewohner 02.01.2019
3. Eigeninitiative ist wichtig
"Demnach ist mehr als jeder zweite Bundesbürger beunruhigt über eine mangelnde Absicherung im Rentenalter." Das ist doch mehr als verständlich. Die Menschen von heute müssen begreifen, dass sie schon heute (!) [...]
"Demnach ist mehr als jeder zweite Bundesbürger beunruhigt über eine mangelnde Absicherung im Rentenalter." Das ist doch mehr als verständlich. Die Menschen von heute müssen begreifen, dass sie schon heute (!) für das Alter vorsorgen müssen. Und zwar mittels Eigeninitiative. Von der gesetzlichen Rentenversicherung haben die jungen Menschen nichts zu erwarten. Wer einmal alt ist und dann erst merkt, dass die gesetzliche Rente unter dem Hartz-IV-Satz liegt, kommt aus dieser Situation nie wieder raus. Ich habe das Glück, nicht in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen zu müssen. Jeden Monat lege ich etwas für den Ruhestand zurück. Die Möglichkeiten, sich privat abzusichern, sind riesig und zwar vor allem auf Aktienbasis und Immobilien.
k70-ingo 02.01.2019
4.
Frau Wagenknecht hat allerdings kein Konzept zur Reform der Rente. Nur warnwestenbewehrt "Dagegen!" und "Merkel muß weg!" blöken ist mehr als zweckbefreit.
Zitat von frankfurtbeatdas kuriose daran ist, das diejenigen welche die Gesetze vorlegen und darüber entscheiden wer wieviel im Alter bekommt sich keine Gedanken über Altersarmut machen müssen - zumindest bisher noch nicht. Wenn jetzt das Argument "gehen Sie doch in den öffentlichen Dienst oder Beamtenstatus" kommt sage ich - die Plätze sind begrenzt. Mit durchschnittlich lediglich 42% des letzten Bruttoeinkommens ist der Rentensatz mehr als eine Unverschämtheit. Aber weder Merkel, noch Scholz, noch Schäuble oder Altmaier, noch Schmidt und Müller vom Amt interessiert das ... Wagenknecht hat Recht mit "die Deutschen müssen aufstehen und sich gegen diese dreiste Politik wehren"!
Frau Wagenknecht hat allerdings kein Konzept zur Reform der Rente. Nur warnwestenbewehrt "Dagegen!" und "Merkel muß weg!" blöken ist mehr als zweckbefreit.
Cluedo 02.01.2019
5. Ein ziemlich sinnfreier Kommentar ....
.... der ins Deutsche übersetzt ungefähr so lautet: "Vorsorgen für das Alter ist etwas, was man sich leisten können muss, und ich kann's, haha". Sehr hilfreich. Im Übrigen ist das reflexhafte Eindreschen auf die [...]
.... der ins Deutsche übersetzt ungefähr so lautet: "Vorsorgen für das Alter ist etwas, was man sich leisten können muss, und ich kann's, haha". Sehr hilfreich. Im Übrigen ist das reflexhafte Eindreschen auf die gesetzliche Rentenversicherung ebenfalls ziemlich sinnfrei, denn es ist eine Versicherung auf Beitragsbasis. Wer keine oder nur geringe Beiträge zahlen muss oder kann, für den muss es andere Absicherungen geben - und die zu finanzieren ist Aufgabe jeden Staatsbürgers - auch der Beamten und Selbstständigen. Also durch Steuern - oder durch Beitragspflicht für alle!

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