Wirtschaft

Ausbeutung von Arbeitern

Bsirske moniert "mafiöse Strukturen" beim Paketversand

Hungerlöhne, 16-Stunden-Schichten: In der Paketbranche beuten dubiose Subunternehmen ausländische Arbeitsmigranten aus. Ver.di-Chef Frank Bsirske spricht von kriminellen Machenschaften.

DPA

Frank Bsirske

Samstag, 23.02.2019   11:40 Uhr

Der Bundeschef der Gewerkschaft Ver.di hat kriminelle Machenschaften beim Paketversand angeprangert. "In der Paketzustellbranche haben sich zum Teil mafiöse Strukturen etabliert", sagte Frank Bsirske den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

"Unternehmen wie Hermes engagieren Firmen, die wiederum andere Firmen beauftragen, die dann Menschen aus der Ukraine, aus Moldawien oder aus Weißrussland in die Lieferfahrzeuge setzen", fuhr der Ver.di-Chef fort.

Viele hätten gefälschte Pässe, sagte Bsirske. "Da werden Stundenlöhne von 4,50 Euro oder 6 Euro gezahlt - und das bei Arbeitszeiten von 12 oder sogar 16 Stunden pro Tag." Das Problem werde größer, je mehr die Branche der Paketzusteller boome.

Reportage

Bsirske fordert Regierung und Gesetzgeber zum Handeln auf. "Die Politik muss auch in der Paketbranche die sogenannte Nachunternehmerhaftung einführen", forderte er. "Das bedeutet, dass der eigentliche Auftraggeber für die korrekten Arbeitsbedingungen bei allen Subunternehmern verantwortlich ist." Das gebe es bisher nur in der Bau- und in der Fleischbranche.

Im deutschen Niedriglohnsektor haben sich in vielen Branchen sogenannte Arbeiterstriche etabliert: informelle Sammelstellen, an denen meist ausländische Arbeitsmigranten als Tagelöhner angeworben werden. Sie verrichten meist schwere körperliche Arbeiten, werden weit unter dem Mindestlohn bezahlt und arbeiten meist schwarz. (Wie dieses System genau funktioniert, erfahren Sie in dieser Reportage.)

Die Bundesregierung setzt im Kampf gegen solche Strukturen vor allem auf den Zoll. Sie will diesen mit zusätzlichem Personal und mehr Kompetenzen ausstatten, damit die Behörde härter gegen Schwarzarbeit vorgehen kann.

ssu/AFP

insgesamt 53 Beiträge
Nordstadtbewohner 23.02.2019
1. Freies Europa
Also ich habe kein Problem damit, wenn der Paketzusteller aus der Ukraine, Moldawien oder Weißrussland stammt. Das ist halt die Internationalisierung des Arbeitsmarktes. Der zunehmende Fachkräftemangel zeigt sich immer stärker. [...]
Also ich habe kein Problem damit, wenn der Paketzusteller aus der Ukraine, Moldawien oder Weißrussland stammt. Das ist halt die Internationalisierung des Arbeitsmarktes. Der zunehmende Fachkräftemangel zeigt sich immer stärker. Von daher ist es nur konsequent, dass sich die Unternehmen nach Alternativen umschauen, bevor nicht mehr alle Pakete zugestellt werden können. Herr Bsirske will doch eigentlich etwas völlig anderes: Er will Unternehmen wie Hermes seine Tarifverträge aufzwingen. Das wird zum Glück nicht funktionieren.
Profdoc1 23.02.2019
2. Faire Situation
Tja, für mich ist es wichtig, dass Mitarbeitende fair bezahlt werden. Ich halte das immer so. Wo diese herkommen, muss egal sein. Hier kann nur der Mensch zählen. Dass das Gewerbe 'unter aller Sau' operiert, ist bekannt. Deshalb [...]
Tja, für mich ist es wichtig, dass Mitarbeitende fair bezahlt werden. Ich halte das immer so. Wo diese herkommen, muss egal sein. Hier kann nur der Mensch zählen. Dass das Gewerbe 'unter aller Sau' operiert, ist bekannt. Deshalb kann das Thema in Teilen nur politisch gelöst werden. Ob das alleine mit einer Tarifbindung, die vermutlich nicht kommen wird, geschieht, wage ich zu bezweifeln....
MadamimadaM 23.02.2019
3.
Fachkräftemangel im Paketdienst? Das scheint mir dann doch etwas dick aufgetragen. Vernünftige Arbeitsbedingungen und Bezahlumg sollte selbstverständlich sein. Unabhängig vom Herkunftsland der Angestellten.
Zitat von NordstadtbewohnerAlso ich habe kein Problem damit, wenn der Paketzusteller aus der Ukraine, Moldawien oder Weißrussland stammt. Das ist halt die Internationalisierung des Arbeitsmarktes. Der zunehmende Fachkräftemangel zeigt sich immer stärker. Von daher ist es nur konsequent, dass sich die Unternehmen nach Alternativen umschauen, bevor nicht mehr alle Pakete zugestellt werden können. Herr Bsirske will doch eigentlich etwas völlig anderes: Er will Unternehmen wie Hermes seine Tarifverträge aufzwingen. Das wird zum Glück nicht funktionieren.
Fachkräftemangel im Paketdienst? Das scheint mir dann doch etwas dick aufgetragen. Vernünftige Arbeitsbedingungen und Bezahlumg sollte selbstverständlich sein. Unabhängig vom Herkunftsland der Angestellten.
niroclean 23.02.2019
4. ...seit Langem...
...ist zu beobachten das fast nur noch Ausländer den Job bei den Paketdiensten machen. Mit den steigenden Umsätzen steigen ja auch die Gewinne, die kommen aber kaum den Mitarbeitern zu gute. Im Gegenteil, es wird versucht immer [...]
...ist zu beobachten das fast nur noch Ausländer den Job bei den Paketdiensten machen. Mit den steigenden Umsätzen steigen ja auch die Gewinne, die kommen aber kaum den Mitarbeitern zu gute. Im Gegenteil, es wird versucht immer noch "billigeres" Personal zu finden. Da werden Aufträge an Subunternehmer vergeben (damit man sich selbst die Hände in Unschuld waschen kann) - oder es werden eigene Unterfirmen gegründet um noch billiger Beschäftigen zu können. Ich bekomme fast täglich Pakete und mittlerweile spricht kaum noch einer der Boten Deutsch. Die einzige löbliche Ausnahme ist bis jetzt nur UPS - freundliche Boten. die auch das Paket ordentlich bis zur Tür bringen (und nicht nur unten im Hausflur "Paket" rufen und warten das man eine Etage herunter kommt) und offensichtlich mehr Freude an Ihrem Job haben als die Boten anderer Dienste.
aausmade 23.02.2019
5. Auch
mir ist es egal wo Paketzusteller herkommen, ich will aber das die Leute von ihrem Lohn leben können. Wenn sie hier leben uns arbeiten haben sie auch Anrecht auf die hier gültige Bezahlung. Macht die Pakete teurer, dann wird [...]
mir ist es egal wo Paketzusteller herkommen, ich will aber das die Leute von ihrem Lohn leben können. Wenn sie hier leben uns arbeiten haben sie auch Anrecht auf die hier gültige Bezahlung. Macht die Pakete teurer, dann wird vielleicht nicht mehr jeder Unsinn durch die Gegend geschickt (z.B. Kochboxen?). Der Mindestlohn ist eh ein Witz, von daher kann man die Forderung nach einer vernünftigen Bezahlung nur unterstützen. Die Dienstleister müssen halt dann mehr kontrolliert werden, wenn sich so viele schwarze Schafe in der Branche halten. Selbst Schuld.

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