Wirtschaft

Studie

Pflegeversicherung dürfte bis 2050 erheblich teurer werden

Wer bezahlt die höheren Pflegekosten? Die Versicherungsbeiträge steigen, und die Politik streitet über Steuerzuschüsse. Die Bertelsmann Stiftung hat nun einen neuen Vorschlag zum Generationenausgleich gemacht.

DPA

Pflegekraft in einem Altenheim

Donnerstag, 21.11.2019   11:15 Uhr

Bereits jetzt kommt die gesetzliche Pflegeversicherung nur für einen Teil der Pflegekosten auf. Mehr als die Hälfte müssen Betroffene oftmals bereits selbst für Unterkunft oder Verpflegung im Pflegeheim tragen. Nun könnten auch noch die Beiträge für die Versicherten extrem steigen.

Einer Studie des Prognos-Instituts für die Bertelsmann Stiftung zufolge werden Jüngere besonders stark belastet. Bis 2050 sei mit einem Anstieg des Satzes von derzeit gut drei Prozent auf knapp fünf Prozent zu rechnen. Das teilte die Stiftung mit - und verlangte, die Finanzierungsgrundlage müsse neu justiert werden.

Die Bevölkerung werde immer älter, der Pflegebedarf steige kontinuierlich und die Pflegekräfte würden besser entlohnt - das alles lasse die Pflegeausgaben deutlich zunehmen, heißt es in der Studie. "Der Wechsel der geburtenstarken Jahrgänge von der Gruppe der Beitragszahler in die der Empfänger von Pflegeleistungen wird die Situation zusätzlich verschärfen."

Studie plädiert für höhere Beiträge und Steuergeld

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hatte einen breiten Dialog zur künftigen Finanzierung der Pflege verlangt. Bis Mitte 2020 will der CDU-Politiker einen Vorschlag vorlegen. Angesichts immer weiter steigender Kosten wächst der Druck, die Finanzierung umzubauen.

Die Bertelsmann Stiftung verlangt einen "Generationenausgleich" innerhalb des bestehenden Systems der Pflegeversicherung. Angesichts der sich abzeichnenden Mehrausgaben reiche der Vorsorgefonds ebenso wenig aus wie eine von der Versicherungswirtschaft vorgeschlagene stärkere Privatvorsorge. Nötig seien andere Wege zur Entlastung jüngerer Beitragszahler.

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Um den Ausgabensteigerungen zu begegnen und mehr Generationengerechtigkeit zu schaffen, plädiert die Stiftung für eine baldige, aber moderate Anhebung des Beitragssatzes. Sie solle verbunden werden mit einem Zuschuss aus Steuermitteln. Dieser müsse über die Jahre steigen - von anfangs jährlich 9,6 Milliarden Euro auf 24,5 Milliarden Euro im Jahr 2050.

Die zunächst überschüssigen Mittel könnten in den Pflegevorsorgefonds fließen und dazu dienen, den Beitragssatz stabil bei 3,5 Prozent zu halten. "Durch den Ausbau des Fonds würden die künftigen Generationen am wenigsten zusätzlich belastet."

Ein Zuschuss aus allgemeinen Steuermitteln hätte auch den Vorteil, dass Besserverdienende über der Beitragsbemessungsgrenze mit zur Finanzierung herangezogen würden, teilte die Stiftung zu ihrer Analyse mit. Aktuell sei diese Bevölkerungsgruppe oftmals privat versichert und "somit dem Solidarausgleich der sozialen Pflegeversicherung entzogen." Brigitte Mohn, Vorstand der Bertelsmann Stiftung, teilte mit: "Auch an der Vorsorge müssen alle nach ihrer Leistungsfähigkeit beteiligt werden."

Im Video: Pflegenotstand in Deutschland - Und wer betreut Sie?

Foto: SPIEGEL TV

apr/dpa/AFP

insgesamt 70 Beiträge
ZoeHollister 21.11.2019
1. Zur Abwechslung mal die Beamten?
Im Vergleich zur Rente sind Pensionen unverschämt hoch. Bis zu 72% vom letzten Lohn sind zwar nett, aber eindeutig zu ungerecht im Vergleich zu den Rentnern. Meine Vermutung, durch eine Reduzierung könnte man Milliarden [...]
Im Vergleich zur Rente sind Pensionen unverschämt hoch. Bis zu 72% vom letzten Lohn sind zwar nett, aber eindeutig zu ungerecht im Vergleich zu den Rentnern. Meine Vermutung, durch eine Reduzierung könnte man Milliarden einsparen.
m.d._b 21.11.2019
2. Pflegeheim und Rendite
Anstatt die Beiträge zu erhöhen sollte eher dagegen vorgegangen werden das private Pflegeheime als Investitionsprojekt mit Teils 2 stelliger Rendite genutzt werden. Wenn dem ein Riegel vorgeschoben wird sollten die [...]
Anstatt die Beiträge zu erhöhen sollte eher dagegen vorgegangen werden das private Pflegeheime als Investitionsprojekt mit Teils 2 stelliger Rendite genutzt werden. Wenn dem ein Riegel vorgeschoben wird sollten die Beitragszahlungen reichen. https://www.welt.de/wirtschaft/article179726068/Pflege-Darf-ein-Heim-Gewinne-machen.html
heinrich.busch 21.11.2019
3. Richtig ist, dass da was grundsätzlich faul ist
Immer wieder der Ruf nach den "besser Verdienenden" macht misstrauisch. Zunächst zahlen die genau wie in die PKV ein. Allerdings sind die Leistungen extrem besser. Offensichtlich ist bei denen eine besseres [...]
Immer wieder der Ruf nach den "besser Verdienenden" macht misstrauisch. Zunächst zahlen die genau wie in die PKV ein. Allerdings sind die Leistungen extrem besser. Offensichtlich ist bei denen eine besseres Solidarprinzip, denn aus Steuermitteln bekommen die weder zur Pflege noch zur Krankenversicherung etwas dazu. Das gilt auch bei der Rente, denn z.B. bei Versorgungswerken sind die Renten höher obwohl die Mitglieder exakt die gleichen Beiträge einzahlen wie sie es bei der BRA tun müssten. Der Auszahlungzbetrag liegt um 30 % höher! Jeder darf den Fehler finden, aber wenn gleich wieder das Geschrei nach Einheitskassen gesungen wird sei gesagt ddr Staat ist bei Weitem der schlechteste Verwalter und sollte von daher nur "Grundsicherungen" Geld bekommen.
quark4@mailinator.com 21.11.2019
4.
Könnte SPON bitte mal einen tiefergehenden Artikel zu dieser Bertelsmann-Stiftung und ihrer Rolle in der bundesdeutschen Politik schreiben, ggf. auch zu ähnlichen Institutionen wie etwa Atlantik-Brücke und was es da sonst noch [...]
Könnte SPON bitte mal einen tiefergehenden Artikel zu dieser Bertelsmann-Stiftung und ihrer Rolle in der bundesdeutschen Politik schreiben, ggf. auch zu ähnlichen Institutionen wie etwa Atlantik-Brücke und was es da sonst noch so gibt. Man hat mitunter das Gefühl, das die Politik gar nicht von den gewählten Politikern gemacht wird ... Die o.g. Stiftung fällt mir regelmäßig durch antisoziale Vorschläge auf. Was steckt dahinter ?
graf koks 21.11.2019
5. Warum funktioniert das anderwo?
Österreich, Schweiz, Skandinavien, rings umher sind diese Probleme mit Pflege und Rente längst gelöst. Nur hier stemmt sich eine lobbyhörige Politik gegen Bürgerversicherung.
Österreich, Schweiz, Skandinavien, rings umher sind diese Probleme mit Pflege und Rente längst gelöst. Nur hier stemmt sich eine lobbyhörige Politik gegen Bürgerversicherung.

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