Wirtschaft

Prognose der EU-Kommission

Eurozone wächst so stark wie seit zehn Jahren nicht mehr

Malta top, Italien flop: Die Wirtschaft in den Ländern der Eurozone wächst mit sehr unterschiedlichem Tempo. Insgesamt geht es so schnell voran wie zuletzt 2007. Deutschland liegt genau im Durchschnitt.

Getty Images

Autos in Bremerhaven (Archivbild)

Donnerstag, 09.11.2017   13:35 Uhr

Die Europäische Kommission hat ihre Wachstumsprognose für die Eurozone und viele Mitgliedsländer teils deutlich angehoben. Wie die Kommission mitteilte, erwartet sie in diesem Jahr ein Wirtschaftswachstum im Euroraum von 2,2 Prozent. Dies wäre der höchste Zuwachs seit zehn Jahren. Bei ihrer vorangegangenen Prognose im Frühjahr war die Kommission noch von 1,7 Prozent ausgegangen. Für das kommende Jahr wurde die Prognose von 1,8 auf 2,1 Prozent angehoben. Für 2019 werden 1,9 Prozent veranschlagt.

EU-Vizepräsident Valdis Dombrovskis sagte, die Wirtschaft entwickele sich insgesamt gut. "Wirtschaft und Beschäftigung wachsen robust, die Investitionen ziehen an und die öffentlichen Defizite und Schuldenstände gehen allmählich zurück." Es bestünden jedoch erhebliche Unterschiede zwischen den Mitgliedsländern, insbesondere am Arbeitsmarkt. In viele Ländern herrsche dort eine "starke Unterauslastung" - mit anderen Worten: es gibt immer noch zu viele Arbeitslose. Das sei auch ein Grund dafür, dass die Löhne so ungewöhnlich langsam steigen.

Spitzenreiter beim Wirtschaftswachstum unter den 19 Euroländern dürfte erneut Malta werden - ein Land, das aktuell wieder in der Diskussion steht, weil es als Steueroase gilt. Hier erwartet die EU-Kommission für 2017 ein Plus von 5,6 Prozent.

Kräftig anziehen werde die Konjunktur auch in Irland (4,8 Prozent) und Slowenien (4,7 Prozent). Die deutsche Wirtschaft wächst laut Prognose 2017 mit 2,2 Prozent genau so schnell wie der gesamte Euroraum. Danach schwächt sich die Entwicklung nur leicht ab (siehe Grafik).

Die anderen großen Länder Frankreich und Italien hängen der Kommission zufolge 2017 bis 2019 jeweils der Entwicklung in der Währungsunion hinterher. In Frankreich pendelt das Wachstum um rund 1,6 Prozent, in Italien dürfte sich das Plus von 1,5 Prozent in diesem Jahr bis 2019 auf 1,0 Prozent verlangsamen.

Für Spanien erwartet die Kommission für 2017 ein Wachstum von 3,1 Prozent. Die Verfassungskrise um Katalonien habe die Märkte bislang kaum bewegt. Allerdings sei noch nicht abzuschätzen, wie sich der Konflikt in den kommenden Jahren auf das Wachstum auswirkt.

stk/dpa-AFX/Reuters

insgesamt 15 Beiträge
Ralf1234 09.11.2017
1. Hyperboom ?
Wenn die Wirtschaftsweisen für Deutschland eine Boomphase und ein Heißlaufen vorhersagen, was ist dann erst in den besten 5 Ländern los (Hyperboom ?)
Wenn die Wirtschaftsweisen für Deutschland eine Boomphase und ein Heißlaufen vorhersagen, was ist dann erst in den besten 5 Ländern los (Hyperboom ?)
Kurt-C. Hose 09.11.2017
2. Na dann,
Herr Draghi, Zinsen rauf!
Herr Draghi, Zinsen rauf!
Crom 09.11.2017
3.
Man muss auch immer schauen, von welcher Basis aus diese Länder wachsen.
Zitat von Ralf1234Wenn die Wirtschaftsweisen für Deutschland eine Boomphase und ein Heißlaufen vorhersagen, was ist dann erst in den besten 5 Ländern los (Hyperboom ?)
Man muss auch immer schauen, von welcher Basis aus diese Länder wachsen.
helmut.alt 09.11.2017
4. Unsere Wirtschaftsweisen
haben eine sehr seltsame Definition was Wachstum angeht. Deutschland liegt im hinteren Drittel in Europa. Und das soll eine Überhitzungsgefahr sein?
haben eine sehr seltsame Definition was Wachstum angeht. Deutschland liegt im hinteren Drittel in Europa. Und das soll eine Überhitzungsgefahr sein?
kraus.roland 09.11.2017
5. Solange Draghi mit Geld..
..um sich schmeissen darf, sollten wir alle Prognosen durch ein umgedrehtes Fernglas betrachten. Nach wie vor befinden wir uns in den Nachwehen des grössten Finanzverbrechens der Geschichte. Urheber und einzige Nutzniesser - denn [...]
..um sich schmeissen darf, sollten wir alle Prognosen durch ein umgedrehtes Fernglas betrachten. Nach wie vor befinden wir uns in den Nachwehen des grössten Finanzverbrechens der Geschichte. Urheber und einzige Nutzniesser - denn das Ganze war ja kein Unfall! - geniessen weiterhin ihre Freiheit auf unsere Kosten. Sog. 'Wirtschaftsweise', die nicht in jedem ihrer Berichte auf diese ungelöste Sauerei hinweisen und bei Politik und Justiz Handlungszwang einfordern, sind unterwürfige Zwerge und sollten sich ihr Schulgeld auszahlen lassen.

Verwandte Themen

Grafik

Fotostrecke

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung

TOP