Wirtschaft

Gutachten des Sozialverbands

Steigende Mieten verschärfen soziale Ungleichheit

Eine neue Untersuchung zeigt, dass steigende Wohnkosten die Einkommensungleichheit und Armut verschärfen. Viele Haushalte haben wegen steigender Mietkosten gar weniger zum Leben als bei Hartz IV.

DPA

Plattenbau in Plauen

Donnerstag, 25.10.2018   15:04 Uhr

Steigende Mieten und Wohnungsmangel verstärken soziale Ungleichheit und Armut in Deutschland. Zu diesem Schluss kommt ein an diesem Donnerstag vorgestelltes Gutachten im Auftrag des Sozialverbands Deutschland (SoVD). "Die Miete macht über eine Million Haushalte in Großstädten so arm, dass ihr Einkommen nach Miete unter dem Regelsatz von Hartz IV liegt", heißt es in der Studie. Die Politik habe "das Problem des knappen und teuren Wohnraums zu spät erkannt".

Die mittlere Miete stieg demnach im Untersuchungszeitraum von 1993 bis 2014 sowohl in Ost- als auch in Westdeutschland stärker als das mittlere Einkommen. "Armutsgefährdete und einkommensschwache Haushalte werden durch die Miete stark belastet, leben in kleineren Wohnungen und in unsicheren Verhältnissen wie zur Untermiete", so das Gutachten. Es fehlten sowohl für kleine als auch für größere Haushalte erschwingliche Wohnungen.

Mehr bei SPIEGEL+

Das Problem werde "in Zukunft noch verstärkt Haushalte ohne Wohneigentum betreffen, die ab 2030 in Rente gehen, da unter ihnen eine hohe Rate an Altersarmut zu erwarten ist".

Der Anteil der Miete am Haushaltsnettoeinkommen ist demnach bei bestimmten Gruppen besonders hoch. "Anfällig für eine hohe Mietbelastungsquote" seien neben Geringverdienern auch Alleinerziehende, Haushalte mit Migrationshintergrund, Rentner, Bezieher von Transferleistungen oder Menschen mit geringem Bildungsgrad. "Festzustellen ist grundsätzlich, dass sich die Diskriminierung in der Gesellschaft auch in der Mietbelastung der Haushalte niederschlägt", heißt es weiter.

Stimmenfang #68 - Wohnungsnot: Warum Deutschland das Problem jahrelang unterschätzt hat

Das Gutachten sieht massive Versäumnisse aufseiten der Politik. Das lange Leugnen von Wohnungsnot habe dazu geführt, dass die Politik "mittlerweile vor massiven und komplexen Aufgaben steht, wenn sie die Probleme von steigenden Mieten, Überbelegung und sozialer Segregation in den Griff bekommen will".

Foto: SPIEGEL TV

hej/AFP

insgesamt 106 Beiträge
axel_roland 25.10.2018
1. Ich kann das Gejammer nicht mehr hören
Ich wohne auch in einer Stadt mit horrend gestiegenen Mieten - ok. Das ist halt so. Angebot und Nachfrage. Die Stadt ist schön, also wollen viele hier wohnen. Wer wenig zahlen will, sucht sich eben eine Wohnung die etwas weiter [...]
Ich wohne auch in einer Stadt mit horrend gestiegenen Mieten - ok. Das ist halt so. Angebot und Nachfrage. Die Stadt ist schön, also wollen viele hier wohnen. Wer wenig zahlen will, sucht sich eben eine Wohnung die etwas weiter außerhalb liegt. Die sind trotzdem top angebunden an den ÖPNV. Die meisten Leute maneuvrieren sich selbst in prekäre Verhältnisse: Die wollen in der Innenstadt leben, obwohl es ihr Gehalt eben nicht hergibt. Was solls? Ich könnte mir auch keine Wohnung in Manhatten leisten, weil dort sehr viele Leute wohnen möchten, die eben mehr Geld haben als ich. Oder bereit sind davon mehr auszugeben. Das darf echt jeder entscheiden. Wo soll das Gejammer hinführen? Soll ein sozialistischer Staat gleiche Miete pro Quadratmeter erzwingen? So ein Schwachsinn.
ein-berliner 25.10.2018
2. Gratuliere
Um die Schieflage festzustellen benötigt diese Gesellschaft natürlich ein Gutachten. Normale Bürger benötigen dazu nur ihren Verstand um die Umstände zu erkennen. Hauptsache es wird weiter Geld für derartige Ungutacheten zu [...]
Um die Schieflage festzustellen benötigt diese Gesellschaft natürlich ein Gutachten. Normale Bürger benötigen dazu nur ihren Verstand um die Umstände zu erkennen. Hauptsache es wird weiter Geld für derartige Ungutacheten zu erstellen.
dagmar1308 25.10.2018
3. Mehr Bauland
bedeutet mehr Wohnungsbau. So einfach ist die Grundformel. Die geht im Getöse des Parteienstreits aber unter. Mit diesem Dilemma muß man in einer Demokratie eben leben, jeder quatscht mit, auch wenn er keine Ahnung hat. [...]
bedeutet mehr Wohnungsbau. So einfach ist die Grundformel. Die geht im Getöse des Parteienstreits aber unter. Mit diesem Dilemma muß man in einer Demokratie eben leben, jeder quatscht mit, auch wenn er keine Ahnung hat. Bauland: Natürlich dort wo der Bedarf groß ist. Natürlich mit einer Reform der vielen Begleitgesetze, die die Ausweitung und Bebauungspflicht behindern oder sogar verhindern. Natürlich ist jede Art von zusätzlichem Wohnraum willkommen, ob groß oder klein, dick oder dünn, komfortabel oder einfach, egal wer der Bauherr ist, natürlich sind die privaten Bauherren, die selbst einziehen zu bevorzugen. Natürlich ist die Regionalpolitik im Laufe der Zeit umzubauen (keine neuen Arbeitsplätze der öffentlichen Hand mehr direkt in die übervollen Ballungszentren z.B. reduzierte Förderung von öffentlichem Entertainment aller Art in den Ballungsräumen usw.) Das ist bereits alles. Oder sollen die Apparatschiks in den Behörden den Markt bis ins Detail regeln? Die kriegen das ja nicht mal mit dem Lehrerbedarf hin. Ganz zu schweigen von unserer Politpromonenz, die nur auf die Profitoptimierung, in dem Falle wird das Wort Wählerstimmengewinnung, oder Wählerstimmenraffgier, oder ... benutzt, aus ist.
wo_st 25.10.2018
4. CDU und SPD
Keiner wollte das vermeiden, man hat im Gegenteil dazu noch die städtischen Wohnungen verkauft. Kurzfristig kam Geld in die Stadtkassen und langfristig kommt Geld aus den Stadtkassen an die zu armen Mieter. "Ein Hoch auf die [...]
Keiner wollte das vermeiden, man hat im Gegenteil dazu noch die städtischen Wohnungen verkauft. Kurzfristig kam Geld in die Stadtkassen und langfristig kommt Geld aus den Stadtkassen an die zu armen Mieter. "Ein Hoch auf die Intelligenz unserer Angestellten (Politiker)".
reinerotto 25.10.2018
5. Lösung für betroffene Rentner: Auswandern
Nachdem mir meine Bank "nahelegte", meine ETW in guter Lage zu verkaufen, da ich ihrer Meinung nach nicht in der Lage sei, von meiner Rente die Kreditraten zu bezahlen, bin ich nach Wohnungsverkauf nach Bulgarien ans [...]
Nachdem mir meine Bank "nahelegte", meine ETW in guter Lage zu verkaufen, da ich ihrer Meinung nach nicht in der Lage sei, von meiner Rente die Kreditraten zu bezahlen, bin ich nach Wohnungsverkauf nach Bulgarien ans Schwarzmeer umgezogen. Für meine 65qm im Neubau, in guter Lage (20 min. zu Fuß ins Sadtzentrum, in gleicher Zeit an den gepflegten Sandstand oder zu Tennisplatz/Reitanlage im Park) zahle ich nun ca. 300E/Monat incl. Nebenkosten. Und genieße noch den Vorzug der übrigen, geringeren Lebenshaltungskosten.

Verwandte Themen

Kleine Typologie der Makler

Kleine Typologie der Makler
Jeder Großstädter kennt zahlreiche Geschichten über abenteuerliche Wohnungsvermittlungen. Makler spielen dabei fast immer eine Rolle. Eine vollkommen unrepräsentative Umfrage in der Redaktion von SPIEGEL ONLINE hat ein paar dieser Geschichten ans Tageslicht gebracht - subjektive, selbst erlebte Einzelfälle allesamt.
Der Abwesende
Wir wussten über Freunde von einer leerstehenden Wohnung. Wir riefen den Makler an, der uns sagte: "Sie können sich die Wohnung jederzeit ansehen - da sind derzeit Handwerker drin." Das taten wir und teilten dem Makler mit, dass wir die Wohnung gerne nehmen würden. Zwei Tage später durften wir den Vertrag unterzeichnen - die beiden Gläser Mineralwasser im Maklerbüro kosteten uns sozusagen zwei Monatsmieten. Plus Mehrwertsteuer.
Der Marktwirtschaftler
Eine Freundin hatte ihre Wohnung gekündigt, ich habe mich bei dem Vermieter gemeldet und Interesse bekundet. Er war einverstanden, hatte aber bereits einen Makler eingeschaltet. Es folgte ein Treffen mit dem Makler in der Wohnung, wozu er ein kurzes Exposé mitbrachte - das war alles. Ich bekam die Wohnung - und eine Rechnung in Höhe von rund 1200 Euro. Auf die Bitte, mit dem Preis herunterzugehen, da er schließlich keine Arbeit mit der Wohnung gehabt hätte, antwortete der Makler: "Aber ich kann Ihnen doch kein Geld schenken. Es gibt noch viele Andere da draußen, die diese Wohnung gern hätten."
Die Sippe
Wir mussten vor dem Einzug unterschreiben, dass wir wissen, dass die Maklerin die Ehefrau des Hausbesitzers ist. Was wir später herausgefunden haben: Vater und Sohn haben den Immobilienbesitz gemanagt, Mutter und Tochter makelten - so bleibt das Geld garantiert in der Familie. Gezahlt haben wir natürlich trotzdem.
Die Satten
Vor vielen Jahren hatte ich auf der Suche nach einer Mietwohnung notgedrungen die Hilfe eines Maklers gesucht. Als ich mich vor kurzem wieder auf die Wohnungssuche machte, habe ich 14 Makler durchtelefoniert - keiner von denen führte überhaupt noch Wohnungsrecherchen durch. Die lachten nur über meine Nachfrage: "Recherche? Nee, das machen wir schon lange nicht mehr. Das sind ja viel zu viele, die suchen."
Die Konkurrenten
Nicht nur die Makler sind zuweilen ärgerlich, sondern auch jene Interessenten, die dem Makler einen Wink mit dem Zaunpfahl geben, um zu zeigen, wie solvent sie sind. Beispiel: Bei einer Besichtigung sagte ein Interessent zum Makler: "Ach, und sagen sie mal: Die Miete bezahlt man hier wirklich monatlich? Also, ich könnte ihnen auch gerne gleich das Geld für das ganze Jahr geben!"
Die Kreative
Ich habe mich damals riesig gefreut, als ich meine Wohnung ohne Makler gefunden hatte. Dann wollte allerdings die Hausverwalterin auf einmal eine dubiose "Vertragsausfertigungsgebühr" von 200 Euro. Das ist zwar gesetzlich nicht zulässig, wird aber trotzdem gemacht - und vermutlich immer gezahlt.
Die Steuersparerin
Meine Maklerin hat mir beim Einzug angeboten, ihr statt der regulären Maklercourtage von 1400 Euro nur 1000 Euro zu geben - schwarz und unter der Hand. Sie sparte damit die Steuer, ich 400 Euro. Ich konnte damals jeden Euro gut gebrauchen und habe das Angebot angenommen.

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung

TOP