Wirtschaft

Konkurrenz mit Samsung

Apple-Chef soll Trump von China-Zöllen abgeraten haben

Im Handelskrieg mit China kündigte Donald Trump zuletzt neue Sonderzölle an, die auch Apple getroffen hätten. Doch der US-Präsident verschob sie. Spielte Konzernchef Tim Cook dabei eine Rolle?

CJ GUNTHER/EPA-EFE/REX

iPhones in einem Laden im US-Bundesstaat Massachusetts: Zölle könnten Apple im Vergleich zu Samsung schwächen

Montag, 19.08.2019   12:43 Uhr

Anfang August kündigte US-Präsident Donald Trump an, Produkte aus China im Umfang von 300 Milliarden Dollar mit einem Strafzoll von zehn Prozent zu belegen. Empfindlich getroffen hätte dieser Schritt auch den Konzern Apple, der in China produziert. Das iPhone XS könnte bei einem Startpreis von heute 999 Dollar rund 100 Dollar teurer werden. Überraschend verschob Trump Anfang vergangener Woche schließlich für viele Produkte die Einführung der Zölle - und berichtet nun von einem Gespräch mit dem Apple-Chef.

Trump zufolge riet Tim Cook ihm von den milliardenschweren China-Zöllen ab. In einem Gespräch habe Cook vor der Konkurrenz durch den südkoreanischen Handyhersteller Samsung gewarnt, sagte Trump. Cook habe zu Recht darauf hingewiesen, dass die Zölle Apple schaden könnten. Denn Samsung-Produkte unterlägen nicht denselben Abgaben.

Trump: Apple wird in den USA investieren

Ursprünglich war ein Sonderzoll von zehn Prozent geplant, der ab September gelten sollte. Von diesem werden nun Mobiltelefone, Laptops, Monitore, Videospiele, bestimmtes Spielzeug, manche Schuhe sowie Kleidungsstücke vorerst ausgenommen, sie sollen dem US-Handelsbeauftragten zufolge erst ab 15. Dezember in dieser Höhe verzollt werden.

Cook habe mit dem Vergleich zu Samsung ein schlagendes Argument geliefert, sagte Trump. Die Nachrichtenagentur Bloomberg zitiert ihn mit den Worten: "Es ist hart für Apple, die Zölle zu zahlen, wenn sie mit einem sehr guten Unternehmen konkurrieren, dass sie nicht zahlen muss."

SAUL LOEB / AFP

Tim Cook und Donald Trump einem Treffen (Archivbild aus dem März): Abendessen zu Zöllen

Deshalb müsse er nun nachdenken. Apple reagierte bislang nicht auf die Aussagen Trumps. Trump und Cook hatten jedoch für Freitag ein Abendessen geplant. Der US-Präsident schrieb dazu, ohne Einzelheiten zu nennen, auf Twitter: "Sie werden jede Menge Geld in den USA ausgeben." Er lobte Apple für die Schaffung von US-Jobs.

Trumps Zorn im Handelskonflikt richtet sich gegen das große Defizit seines Landes im Handel mit der Volksrepublik. Der US-Präsident wirft der Regierung in Peking vor, sich nicht an Zusagen zu halten. Immer wieder gerät dabei auch Apple, das seine iPhones bislang fast ausschließlich in China fertigen lässt, in den Konflikt. Der Konzern erwägt nach Medienberichten, die Produktion der iPhone-Modelle für den US-Markt in Länder wie Vietnam zu verlegen - will aber offenbar zugleich die Fertigung seines neuen Desktopcomputers Mac Pro in eine Fabrik nahe Shanghai verlegen.

apr/Reuters

insgesamt 27 Beiträge
westphalian 19.08.2019
1. Wieso sollte ein 999USD Gerät um 100USD teurer werden?
Einfuhrzölle werden doch auf den Importwert (also den Preis, zu dem der Importeur einkauft) berechnet, und der liegt ja wohl signifikant unter dem Einzelhandelsverkaufspreis in den USA. Die somit resultierende Preissteigerung [...]
Einfuhrzölle werden doch auf den Importwert (also den Preis, zu dem der Importeur einkauft) berechnet, und der liegt ja wohl signifikant unter dem Einzelhandelsverkaufspreis in den USA. Die somit resultierende Preissteigerung wäre dann doch eher ein kleiner zweistelliger Betrag.
w.diverso 19.08.2019
2. Immer wieder dieser Fehler,
dass bei den angekündigten Strafzöllen Produkte im Endpreis um 10% teuerer werden. Der Preis eines iPhones ab Werk in China wird doch sicherlich nur zirka ein Drittel des Endpreises ausmachen. Sicher sind diese Strafzölle die [...]
dass bei den angekündigten Strafzöllen Produkte im Endpreis um 10% teuerer werden. Der Preis eines iPhones ab Werk in China wird doch sicherlich nur zirka ein Drittel des Endpreises ausmachen. Sicher sind diese Strafzölle die Pest für den Handel und der amerikanische Konsument wird sie im Ende zu bezahlen haben, aber sicher nicht in dem Ausmaß wie hier wieder geschrieben. Ein bisschen kaufmännisches Denken würde auch den Schreiberlingen bei SPON gut tun. Wobei aber auch sicher ist, dass Trump das mit Cook nur vorschiebt. In Wirklichkeit werden in seine Berater ihn langsam davon überzeugen, dass er sich mit diesen Strafzöllen irgendwie doch ins eigene Knie schießt, weil über kurz oder lang seine Wähler Nachtteile dadurch haben werden. Mit schlechteren Absatz ihrer Produkte oder weil sie mehr Geld ausgeben müssen. Handelskriege sind auch für die USA mit China als Gegner nicht leicht zu gewinnen.
HCG 19.08.2019
3. Inkonsequent...
Klar, das Iphone ist ein tolles Produkt. Der Vorteil der Strafzölle gegen China für die USA könnte aber auch darin liegen, den Produktionsstandort China zunehmend unattraktiver zu machen und damit eine heimische Produktion [...]
Klar, das Iphone ist ein tolles Produkt. Der Vorteil der Strafzölle gegen China für die USA könnte aber auch darin liegen, den Produktionsstandort China zunehmend unattraktiver zu machen und damit eine heimische Produktion wieder attraktiver zu getalten. Mal ehrlich: der Gewinn pro Iphone ist unermesslich hoch. Sollte das Iphone bei zukünftiger Produktion in den USA teurer werden, dann doch nur um die Gewinnmarge nicht zu mindern. Möglich wäre es aber. Gottseidank gibt es jedoch gute Mitbewerber wie Samsung, die der Gier von Apple durch Konkurrenzdruck Paroli bieten. Aner ich gehe davon aus, dass Zukünftig Iphone weiterhin in asiatischen Billiglohnländern Produziert werden. Geht China nicht mehr, dann halt Vietnam... Heimische Produktion ist halt uninteressant geworden... Das ist die Realität.
Doktor Weisenheimer 19.08.2019
4. Und auf Samsung-Geräte fallen keine Zölle an, oder wie?
Ich verstehe nicht, die Argumentation Cooks nicht. Ich meine die Samsung-Geräte werden ebenso in China hergestellt und von dort in die USA geliefert, also dürften sie doch den exakt gleichen Einfuhrabgaben (Zoll und [...]
Ich verstehe nicht, die Argumentation Cooks nicht. Ich meine die Samsung-Geräte werden ebenso in China hergestellt und von dort in die USA geliefert, also dürften sie doch den exakt gleichen Einfuhrabgaben (Zoll und Einfuhrumsatzsteuer) unterliegen. Und wie der Vorkommentator westphalian schon treffend geschrieben hat: Die Margen von Apple an seinen Geräten ist so fett wie bei kaum einem anderen Hersteller, da könnten sie locker einen Großteil der Zölle abfedern oder gänzlich abfangen. Nur müssten der gierige Tim Cook dann seine Gewinne mit den US-Behörden teilen. (Nebenbei: Ich sage das als Apple-Aktionär und Apple-Nutzer seit 1989).
sven2016 19.08.2019
5. Stimmt. Bei einem Selbstimportpreis
von ca. 250 Dollars wäre für Apple der Preisaufschlag 25 Dollars pro Gerät. Vietnam und Malaysia sind seit Jahren - schon vor Trump - mögliche Kandidaten für elektronische Produktionsstätten. Danach bleiben nur noch [...]
von ca. 250 Dollars wäre für Apple der Preisaufschlag 25 Dollars pro Gerät. Vietnam und Malaysia sind seit Jahren - schon vor Trump - mögliche Kandidaten für elektronische Produktionsstätten. Danach bleiben nur noch Ländern wie Usbekistan, Mozambique und Somalia. Im Sinne der USA könnte Apple auch in Syrien produzieren lassen - für den Wiederaufbau.

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